ETCS Level 2 auf den "Alt SFS H-Wü und S-Ma" (Allgemeines Forum)

bigbug21, Freitag, 03.07.2020, 22:27 (vor 2104 Tagen) @ ffz

Hallo ffz,

die Neuausrüstung der "Alt-SFS" Hannover-Würzburg und Stuttgart-Mannheim ist aktuell vor 2040 quasi ausgeschlossen. Die DB hat den Vertrag für die Wartung und Ersatzteil-Vorhaltung der LZB gerade bis 2035 verlängert. So lange wird auf den "Alt-SFS" ganz sicher kein ETCS Level 2 eingebaut- Das ist aktuell auch technisch ausgeschlossen, weil die "Alt-SFS" noch überwiegend von Spurplanstellwerken bedient werden und Spurplanstellwerke und ETCS Level 2 sind in Deutschland nicht zugelassen. ETCS Level 2 bedingt zwingend ein ESTW/DSTW. Aktuelle Zeit von der Vorplanung bis zur Inbetriebnahme eines ESTW/DSTW mindestens 10 Jahre, eher 15 Jahre.

Das ist sehr pessimistisch.

Der bayerische Abschnitt von Hannover--Würzburg erhält bereits bis 2022 mit Blick auf ETCS eine Teilerneuerung der Stellwerke. Und der südliche Abschnitt der SFS Mannheim--Stuttgart wird im Rahmen des Digitalen Knotens Stuttgart bis 2030 mit ETCS ausgerüstet; das bedingt fast zwangsläufig eine weiterführende Ausrüstung, um Geschwindigkeitseinbrüche zu vermeiden, zumal das Land Baden-Württemberg ja eine große neue Regionalzugflotte beschafft, die kaum neben ETCS auch noch mit LZB ausgerüstet werden wird.

Auch die Planung von Stellwerken und ETCS wird momentan ja durchaus beschleunigt, beispielsweise durch eine zunehmende Automatisierung.

Die "Alt-SFS" dürfen nur auf Grund einer Ausnahmegenehmigung mit 280 km/h außerhalb von Tunneln und 250 km/h in den Tunneln befahren werden. Will man die Ausnahmegenehmigung los werden, müssen die SFS dem aktuellen Stand der Technik angepasst werden, das kommt einem Neubau der Strecke gleich. Die Rettungszüge müssen weg, alle Tunnel müssen im Querschnitt erweitert werden und mit OLSP(Oberleitungs Spannungs Prüfeinrichtung) nachgerüstet werden und auf das SRK(Selbst Rettungs Konzept) umgebaut werden. Dazu müssten alle Tunnel die emhr wie 1000 Meter lang sind mit einer 2. Röhre nachgerüstet werden, da Änderungen an bestehenden Tunneln die mehr wie 1000 Meter lang sind nicht mehr mit 2 Gleisen in einer Röhre bestückt sein dürfen. Aus diesem Grund rüstet man gerade alle Bestandstunnel die mehr wie 1000 Meter lang sind und die umegabut werden mit einer 2. Röhre nach (siehe Kaiser-Wilhelm-Tunnel, Buschtunnel), bzw versucht die Tunnel so lange wie nur möglich zu betreiben.

Wie kommst du denn darauf? Die Ausnahmezulassungen von 1996 (exemplarisch für Hannover--Würzburg) lassen 280 km/h im Tunnel unter der Maßgabe eines technischen Überwachungssystems zu. Im Gegensatz zur ähnlichen Genehmigung der NBS Ebensfeld--Erfurt wird hier kein besonders hohes Sicherheitsniveau gefordert.

Zum Thema ETCS Level 2 und Begegnungsausschluss kann man eigentlich nur lachen, wenn das nicht so traurig wäre, das System soll seit Inbetriebnahme der SFS Unterleiterbach - Erfurt funktionieren, es funktioniert bis heute nicht und es wird wohl auch nie funktionieren, weil ETCS Level 2 nicht sicher zwischen einem ICE mit Druckertüchtigung und einem Reisezug mit "nur" Sicherheitspaket unterscheiden kann. So lange die Funktion nicht sicher funktioniert dürfen nur ICE die SFS befahren.

Auch das stimmt so nicht. Das System funktioniert und Triebzüge können mit ETCS natürlich auch als solche identifiziert werden (z. B. anhand der unveränderlichen ID des ETCS-Fahrzeuggeräts). Schwieriger sind Lokomotiven, die vor Personen- oder Güterzügen laufen können. Um die SIL-4-Anforderung aus der obigen Ausnahmezulassung zu erfüllen, sind einige Klimmzüge erforderlich -- beispielsweise gibt es schon eine Checkliste für Triebfahrzeugführer, damit eine einem Güterzug vorgespannte Lok nicht versehentlich als Personenzug konfiguriert wird.

Viele Grüße
Peter

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unterwegs für freie Eisenbahn-Geodaten


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