Viel schlimmer...<Achtung Nostalgie und OT> (Fahrkarten und Angebote)

Jonasz, Montag, 14.07.2014, 23:07 (vor 4232 Tagen) @ Velaro D

Als nicht kreativer Bahnfahrer, der aus nostalgischen Gründen viel zu viel Geld fürs Bahnfahren ausgibt, ich finde es gut, dass kreative Fahrkarten die DB in vielleicht in etwas Bedrängnis bringen.

Ich habe Bahnfahren in den 80/90ern mit dem Taschengeldpass gelernt und fahre wahrscheinlich heute immer noch so. Stornogebühren und Feststellungen, dass ich Suboptimal gebucht habe gehören daher wohl zu meinem Reise-Budget.

Gerade, dass ich eigentlich Kilometer kaufe und dann auch in die andere Richtung fahren konnte, waren meine Sympatie für die Bahn. Auch die "Beamten" auf meinem Schulweg, die meinen Fahrausweis kontrollierten und am Monatsanfang ohne aktuelle Wertmarke, mich nachdrücklich, freundlich informell an eine "Aktualisierung" erinnerten, vermisse ich irgendwie. Es saßen immer die gleichen Fahrgäste am selben Platz (ohne Reservierung) Genau wurde "damals" jedoch auch alles genommen. Ich erinnere mich an eine Fahrt von Padaborn nach Freiburg, bei der ich keinen IC Zuschlag hatte (6DM), ich das wohl bei der "Buchung" übersehen hatte und der Fahrschein kurzerhand vom Schaffner einbehalten wurde. In Freiburg hat dann meine abholende Mutter die 6 DM direkt bezahlt (peinliche Sache).

Man konnte spontan mit dem Nachtzug fahren. Abteil mit Party (Stuttgart-Berlin, es war Loveparade, was ich nicht bedacht hatte und an schlafen war nicht zu denken, aber ich lernte neue lustige Leute kennen. Mitten auf der Strecke ging wohl sie Lock kaputt und eine Vielzahl der Fahrgäste des mittlerweile inoffiziellen Partyzuges stiegen einfach aus und rannten über die Felder. Es war wirklich rührend, wie die viel gescholtenen "Beamten" versuchten die "Ausreißer" mit Gepäck im Zug(!) vor Abfahrt (neue Lok!) wieder zu bewegen einzusteigen. Resultat: Unter lautem Gejohle fuhr der Zug dann leider ohne alle Fahrgäste ab. Ich hätte gerne die Gesichter der Bauern gesehen bei denen die dann in ihren Muskelshirts in der Pampa aufgelaufen sind, um 2h.

Oder spontan Schlafwagen nach Rügen oder Amsterdam, einfach einsteigen, alleine oder zu zweit. Es gab immer das Abteil "auf der Achse". Der Schlafwagenschaffner beriet immer, was man buchen sollte um alleine zu bleiben, auch im zweier oder dreier. Ich bin in dieser Zeit niemals mit anderen fremden Fahrgästen zusammen im zweier Schlafwagen gefahren (und Heineken gabs auch).

Ich bin auch kein Beamter, der da nostalgisch wird, sondern ein Volkswirt (mit BWL sogar:) Sicher bin ich mir nicht, ob der die Abkehr von der Flexibilität wirklich in der Gesamtheit etwas "günstiger" machen. Schaut Euch doch mal die ganzen "Verrechnungen" der Bahngesellschaften und die staatlichen Zuschüsse an.

Vielleicht bin ich in meinen noch relativ jungen Jahren aber auch nur nostalgisch und aussterbend.

Es ist spät, bitte köpft mich nicht für diese OT.


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