JP: 27 Jahre eher dran, andere Dimensionen. (Allgemeines Forum)

Henrik, Donnerstag, 10.06.2021, 19:06 (vor 9 Tagen) @ Oscar (NL)

Die Bahn ist zu langsam und unzuverlässig.

Unzuverlässig: kann sein.
Langsam: Punkt-Punkt, ja. Netzgeschwindigkeit ist in Vergleich zu FR/ES/IT schon besser. Zu den Fernbahnhöfen von Paris, Madrid, Barcelona, Mailand oder Rom muss man zuerst auch mal kommen. [...] Die Stunde, die Otto und Bärbel nicht verbummeln, weil der ICE in den Innenstädten hält.

Die Bahn ist zuverlässig, nicht unzuverlässig.
Das ist messbar und nachlesbar - die Werte liegen stets irgendwo bei 100%, nicht bei 0%.
Die Bahn ist systembedingt das zuverlässige Verkehrsmittel.

Der ICE ist schnell, nicht zu langsam.
..vor allem im Punkt-zu-Punkt-Verkehr
Auf den klassischen FV-Verbindungen mit HGV-Strecke nutzt die Mehrheit den ICE und nicht den MIV im Quell-Ziel-Verkehr. (vgl. hier).
..geschweige denn Flieger.
Im gesamten Netz siehts da wiederum anders aus.

Die Fernbahnhöfe von Paris, Madrid, Barcelona, Mailand oder Rom liegen doch in den Innenstädten.
Zentraler gehts doch nicht.

Aber:

1. Bevölkerungskonzentrationen wie Tokyo (14 Mio.), Yokohama (3,7 Mio), Nagoya (2,3 Mio.) und Osaka (2,7 Mio.) muss man in Deutschland gut suchen. Mit viel Phantasie finde ich Rhein-Ruhr-Sieg, Berlin, Gross-Hamburg (inkl. Harburg, Norderstedt usw.) und Gross-München (inkl. Dachau, Fürstenfeldbrück, Freising, Ebersberg, Erding, Starnberg usw.)

ja..
vgl.
https://de.wikipedia.org/wiki/Metropolregion

a. diese liegen aber jeweils weiter als 500 km auseinander;
b. diese liegen in einem Viereck und nicht auf einer Geradelinie.

2. Japan nahm die ersten Shinkansen 1964 in Betrieb, Deutschland folgte erst 1991 mit dem ICE. Japan hat also 27 Jahre Vorsprung.
Gut, ich kann auch sagen, Alter sei nur eine Nummer, denn die Chinesen haben in 13 Jahren Zeit ein Netz von 38.000 km an Rennbahnen gebaut.

..und 20 Jahre lang zuvor daran geplant.

27 Jahre Vorsprung? vielleicht das falsche Wort,
denn der Vorsprung ist ja weg.
sie waren 27 Jahre eher dran. 1964 sah ja auch hier die Welt anders aus.

5. Personal- und Fahrgastdisziplin. Nix Ersatzzug mit abweichender Wagenreihung oder falsch rumstehender Zug. Man weiss wo den gebuchten Sitz ist, man weiss wo der gebuchte Wagen kommt und man stellt sich hin.

disziplin.. joa..
ganz andere Mentalität, ganz andere Denkweise, Spiritualität. nicht vergleichbar.
ist vollkommen ok.
es ist hier gut wie es hier ist - dort gut wie es dort ist.

* Kaum Rabatte, oft ist die Bahn genauso teuer oder teurer als das Flugzeug
* Wenig Service: Keine Lounges und kaum Sitzplätze am Bahnhof, Reservierungen kosten viel Geld, großes Gepäck kostet extra, kein WLAN, keine Freigetränke.

Das könnte in JP ein Vorteil sein: Services die man nicht hat und denen nicht bekannt sind, vermisst man auch nicht.
Statt Bordrestaurant gibt es "ekiben" und sollte die Beschaffung/Verzehr dann doch ein paar Minuten länger dauern: 10 Minuten später fährt der nächste Nozomi.
Reservierungen kosten viel Geld? Die Rennzüge sind doch reservierungspflichtig? Dann ist die Sitzplatzreservierung doch mit drin oder? Oder muss man in JP für platzgenaue Reservierung ordentlich abkassieren, falls man mit der Sitzplatzlotterie nicht einverstanden ist?

Es gibt aber diese eine Service die alle andere überflüssig macht: Sekundenpünktlichkeit!
Ein Schaffner entschuldigt sich für 12 Sekunden Verspätung!

das ist dort aber kein Service - das ist Selbstverständlichkeit. ;)

Wenn man nun bedenkt, dass die Bahn einen so hohen Marktanteil hat, kann es ja eigentlich nur an zwei Punkten liegen:
1. Die Reisezeit von Start- bis Ziel.
2. Die Flexibilität, dadurch dass alle paar Minuten ein Zug fährt.

Oder wir haben in EU Auto und Flieger zu reizvoll gemacht und demzufolge Bus & Bahn vernachlässigt.

Auto ja, aus guten Gründen - und das war in Japan so ja auch nicht möglich aus gewissen Gründen.
Die Deregulierung im Luftverkehr kam erst in den 90ern.
..und zur gleichen Zeit auch erst bei der Bahn - die Renaissance der Schiene.

Und dann kommt Deutschland mit Strecken, wo nur alle 60-120 ein einzelner Zug angeboten wird, auf Strecken, die vielleicht mal zu 30% ausgebaut sind, sich aber die restlichen 70% mit Nah- und Güterverkehr teilen. Das ist nichts Halbes und nichts Ganzes.

Dafür rollt aber nur 5% der Güter über die Schiene. 50% der Güter wird mit LKWs transportiert, 44% maritim. Gut, Coaster und Binnenschiff können unter Umständen umweltfreundlicher sein als die Bahn.

Dennoch werden in EU wesentlich mehr Güter mit der Bahn transportiert als in JP.

eben.

wenn wir mit das beste Bahnnetz haben, können wir mit "nichts Halbes und nichts Ganzes" recht zufrieden sein. ;)


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