5,2 Milliarden für einen Personenzug pro Stunde? (Allgemeines Forum)

Mario-ICE, Montag, 02.04.2012, 15:45 (vor 5119 Tagen) @ Alphorn (CH)

Ich kann verstehen, wenn man in Deutschland nicht ganz so viel Geld für die Eisenbahn ausgeben will wie in anderen Ländern. Sowas ist halt eine politische Entscheidung, und Deutschland ist ein Autoland.

Was mir aber nicht so recht in den Kopf will ist, wo das wenige Geld eingesetzt wird. Neben Stuttgart 21 mit NBS, welche beide nicht wirklich dringend waren, jetzt auch die Neubaustrecke Nürnberg Erfurt. Dass es hier auch eine politische Komponente gibt (Förderung von Ostdeutschland) ist mir klar, aber kann man sich diesen Luxus wirklich leisten?

Laut der verlinkten Netzgrafik wird dort nur ein Personenzug pro Stunde und Richtung fahren, früher war immerhin von zweien die Rede:

Im Fernverkehr soll dabei ein Stundentakt mit Verdichterzügen und ICE Sprintern angeboten werden. [...] Auch solle zusätzlich ein Stundentakt mit einem Verkehrsangebot „unterhalb des ICE-Standards“ eingerichtet werden. Quelle

Hoffen wir, dass sich wenigstens die versprochenen Güterverkehrsmengen einstellen. Aber warum investiert man dann nicht zuerst an denjenigen Stellen, wo Güterkapazitäten fehlen? Die sind ja bekannt (Seite 19) und liegen anderswo.

Ja so ist das in Deutschland, da werden eben Prestigeobjekte geplant, dann kommt eine längere Bauzeit und dann merkt man später dass man inzwischen seine Produktpalette umgestellt hat und nun auf einigen Abschnitten der NBS nur ein Personenzug pro Stunde fahren wird. Woanders hat man eine Fahrplanidee und versucht diese mit gezielten (Aus-) Baumaßnahmen zu verwirklichen. Was wurde uns da nicht alles erzählt von transeuropäischen Korridor von Malmö bis Palermo, von schnellen Regionalverkehr Ilmenau NBS - Erfurt etc. Am Ende bleibt auf dem südlichen Ast ein Personenzug pro Stunde. Wenn dann der noch nach Süden morgens in Erfurt beginnt wird man eine handvoll Leute zählen können, die dort einsteigen.
Auch beim Güterverkehr erwarte ich keine drastischen Zugzahlen. Dazu müssten alle EVU das sicherungstechnische Level auf ihre Fahrzeuge bringen, was das ganze für private Betreiber verteuert. Ein weiterer Punkt dürften dort die Trassenkosten sein. Hinzu kommt dass die NBS nicht an den direkten Güterströmen liegt. Das wird auch nicht die neue ZBA für Mitteldeutschland in Halle retten dürfen. Die Chemiezüge werden wohl andere (direktere) Wege nehmen. Zusammenfassend ein Milliardengrab, was ja viele hinter vorgehaltener Hand schon lange sagen, nur keiner will den Altvorderen zumal wenn sie das eigene Parteibuch besitzen in die Parade fahren. Das kleine Land Thüringen hätte mit den verbauten Mitteln wohl einiges andere bewegen können als sich nur zum Transitland mit einem Verkehrshalt degradieren zu lassen.


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