War früher echt alles besser? - Natürlich! (Allgemeines Forum)

fjk, Mittwoch, 29.09.2010, 09:05 (vor 5750 Tagen) @ Holger2

Na hör mal.
Natürlich war früher alles besser. Da hatten "wir" auch noch einen Kaiser und Typhus, man konnte Runkelrüben direkt vom Acker essen und Arbeiterkinder gingen arbeiten statt in die Schule.

Und darum hast Du natürlich Recht, wenn Du sagst, dass der technische Fortschritt zum Beispiel bedeutet, dass man "nichts selber reparieren kann". Das gilt vom Telefon (an dem man "früher" nichts selber reparieren durfte;-)) bis zum Ferienflieger, aber eben auch für Loks UND Triebwagen.
Dass man, wenn man diese neu baut, bitteschön auch etwas auf Ergonomie zu achten und im (fehlerhaften) Betrieb möglicherweise anzufassende Teile zugänglich anzuordnen hat, versteht sich ja wohl von selbst - und gerade was die Ergonomie angeht, war ja wohl "früher" auch ganz und gar nicht alles zum besten.

All dieses hat aber nichts mit dem Abwägen zu tun, ob Triebwagen (noch dazu mit verteiltem Antrieb) oder Lok-/Wagenzüge "besser" sind, oder welche Vorteile beide Konzepte haben.

Und da sind Deine Argumente z.T. zwar nicht falsch, aber zumindest nicht technisch begründet. Diese technischen (oder einen bestimmten verkehrlichen Aspekt betreffenden) Abwägungen zum Beispiel mit einem Hinweis auf die öffentliche Förderung abzubügeln, halte ich nicht für sachgerecht. Denn die Verteilung der Förderung ist ein auf politischer Meinungsbildung beruhender Prozess, der mit dem Einzelfall nichts zu tun haben muss. Außerdem ist die politische Meinung ja dazu da, sie mit Argumenten zu bilden, nicht umgekehrt.

Das andere sind teiltechnische Problematiken: wenn man denn FIS&Co unbedingt braucht, dann sollte man sie vielleicht auch so bauen können, dass sie die Flexibilität des Wagenzuges nicht behindern?!? Sinnvollerweise kann das eigentlich nur heißen, einen vernünftigen Zugbus zu haben und die Steuerelektronik mit auf die Lok zu tun. Oder man redet nur über Ergänzungswagen, sprich: eine feste, relativ kurze Komposition mit Wagen mit verteilter Technik, an die vergleichsweise "dumme" Transportbehälter angehängt werden. Da gibt es doch tausende Möglichkeiten, auch Hybridkonzepte (wie Beiwagen bei klassischen Straßenbahnen oder "selbstverschiebende" Beiwagen) sind denkbar, genauso, wie man nicht an der Schraubenkupplung festhängen muss (ha, ha) wenn es dem Fortschritt förderlich ist. Und plötzlich kann man auch durchgängige Teilniederflurfahrzeuge bauen... wird nur ein bißchen teuer vielleicht. Und darum fahren auch weiterhin 40 Jahre alte Wagen planmäßig durch die Gegend. Solange es nur 40 Jahre sind, mag das ja auch angehen...

Außer nostalgischen Gefühlen (s.o.) sind hier bei den Wagenbefürwortern wohl zwei Argumente wichtig: Flexibilität und dass ihre mahnenden Worte, sich nicht auf eine einzige Plattform festzulegen, gehört werden (oder sie hinterher wenigstens sagen können "ich hab's ja gesagt).

versucht das ganze Mal auseinanderzudividieren
fjk


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