Gute Leistung der PR-Abteilung (Allgemeines Forum)

Jäkii, Donnerstag, 19.03.2015, 18:16 (vor 4038 Tagen) @ frank_le

Sieht auf den 1. Blick ja toll aus, aber schaut man genauer hin, ändert sich nicht allzu viel oder man setzt auf Linien, die früher schon gefahren wurden und deklariert sie jetzt als neu (die Anbindung von Trier oder Chemnitz seien hier genannt). Auch setzt das neue Flächennetz viel zu sehr auf die Elektrifizierungen von verschiedenen Strecken, die längst noch nicht in trockenen Tüchern sind - man spricht immer von "Voraussetzungen". Statt einfach mit Dieselbespannung zu fahren, gibt man eine solche Linie letzten Endes auf, wenn keine Oberleitung kommt. Oder man setzt die Linie aus, weil das Land die Strecke nicht bezuschussen will.

Da kommen wir zum nächsten Problem: Die DB fordert indirekt von den Ländern Zuschüsse für die ICneu-Linien, und die neuen Linien werden höchstwahrscheinlich nur in bestehende RE-Takte integriert bzw. werden die RE-Takte ausgedünnt (Ausnahmen bestätigen die Regel). Damit verlieren kleinere Orte den RE-Anschluss oder die IC halten in deutlich kleineren Orten als gewöhnlich. Gleichzeitig bekommt die DB den direkten Zuschlag für Flächenlinien, andere Wettbewerber haben keine Chance mehr oder müssen sich mit den selten fahrenden RE-Linien zufrieden geben.

Nächster Punkt: das Kernnetz. Hier verspricht man Fahrzeitverkürzungen, die aber sowieso schon seit langem geplant sind (Stuttgart21, Neubaustrecke Nürnberg - Leipzig). Weitere Fahrzeitverkürzungen soll es nicht geben. Auch spricht man von 2 Zügen pro Stunde auf vielen Strecken. Schaut man sich das heutige Netz an, so ist das schon auf vielen Strecken Realität. Frankfurt - Hamburg wird 1x stündlich befahren, auch in Zukunft. Hinzu kommen ICE Frankfurt - Göttingen - Berlin und ICE München - Göttingen - Hamburg, macht letzten Endes wieder 2 ICE pro Stunde auf Frankfurt - Hamburg. Auf Grund unattraktiver Umsteigezeiten in Göttingen (der Berliner ICE fährt unmittelbar vor dem ICE, der aus München kommt - dieser wird jedoch nie erreicht) bringen diese 2 ICEs/h dem Frankfurter nichts, der nach Hamburg will.

Letzter Punkt: Die Preise. Auf den heutigen, wichtigen IC-Linien erhöhen sich die Preise, da zukünftig dort im ICE gefahren wird. Mainz betrifft dies besonder hart, da dann nur noch ICEs durchs Rheintal fahren werden. Sparpreise ab 19€ gibt es auch heute schon (auch im ICE), wenn auch nur bis 250km. Wenn man dem Konzept glauben darf, soll es die 19€-Sparpreise nur noch im ICneu geben (wenn auch deutschlandweit), aber nicht mehr im ICE. Wer von Frankfurt nach Berlin oder Köln will, kommt aber im ICneu nicht weit bzw. muss sehr lange Fahrzeiten auf sich nehmen. Bleibt es also beim günstigsten Sparpreis von 29€ im ICE, wobei von dem auch nicht groß die Rede ist. Wichtiger wären Sparpreise unter 19€ auf Kurzstrecken, wo der Fernbus eigentlich immer Plätze für 8€-11€ anbietet (Berlin-Hamburg, München-Stuttgart, Frankfurt-Köln). Und die dreimonatigen BahnCards? Gibt es doch heute schon als Probe-BahnCard, inzwischen gab es auch die Probe-BahnCard 50. Bleibt als einzige Erneuerung die BahnCard 100 für 3 Monate - mit einem geschätzten Preis von 1200€ ist diese aber für die wenigsten Leute interessant.

Insgesamt also meines Erachtens auf den 1. Blick schön, jedoch war das Konzept einfach eine gute Leistung der PR- und Marketing-Abteilung. Das Konzept bringt am Ende nicht wirklich mehr Verkehr auf die Schiene bzw. Nahverkehr wird zukünftig als Fernverkehr klassiert (wie bereits auf Bremen - Norddeich).


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