Nebelkerzen (Allgemeines Forum)

maxiboy, IBNR: 7006966, Mittwoch, 18.03.2015, 23:31 (vor 4044 Tagen) @ sb
bearbeitet von maxiboy, Mittwoch, 18.03.2015, 23:34

Letztlich könnten auch die als SPNV-Besteller das Zepter selbst in die Hand nehmen:

Wenn ein EVU – nennen wir es mal "DB" – einem oder mehreren SPNV-Bestellern vorschlägt, zu einem günstigeren als den üblichen Zugkm-Preis für SPNV-Zugleistungen einen überregionalen Zug – nennen wir ihn mal "IC" – anzubieten, dann kann der oder können die zuständigen SPNV-Besteller das auch selbst in die Hand nehmen: "Gerne schreiben wir eine solche oder ähnliche Linien oder ein Teilnetz überregionalen SPNVs aus oder fragen auch andere schon tätige EVU im Rahmen eines Interessensbekundungsverfahrens an."

Linien müssen grundsätzlich ausgeschrieben werden, das ist ja im Abellio-Beschluss des BGH auch so entschieden worden. Dabei handelt es sich nicht um Schikane, sondern um Ordnungspolitik. Warum der ganze Terz um RRX, Ausschreibungen und Fahrzeugfinanzierung, Loslimitierung bei den RE-Netzen in Brandenburg? Wohl auch um zu verhindern, dass ein Unternehmen zu stark wird, irgendwann Monopolpreise verlangt oder Aufgabenträger fast schon erpressbar werden so wie damals bei der S-Bahn Berlin. Die DB, hat sich damals gut gezeigt, ist mitnichten so kontrollierbar wie eine eigene Dienststelle des Aufgabenträgers, was für Direktvergaben regelmäßig notwendig ist!

Es wird natürlich als "Sparmodell" beworben werden, vielleicht sogar politische Preise (Unterkompensation) geboten werden, damit kein Anderer zum Zuge kommt. Gleichzeitig haben die Aufgabenträger dann wesentlich weniger Sanktionsmöglichkeiten, sondern würden vor allem eben Geld überweisen und wenig mitzureden haben, da ja die DB das primär eigenwirtschaftlich (wenn auch mit Zuschüssen) betreibt und dann bestimmt, wie das Konzept aussieht. Dass in der Präsentation die Jahreszahlen auf den Ablauf bestehender Verkehrsverträge angepasst sind, weist ja darauf hin, wohin die Reise geht. Es ist kein revolutionäres Konzept, sondern eine weitere Runde um den selben Dreh- und Angelpunkt "Direktvergabe von RE-Linien".

Dann wären auch die Kunden klar im Vorteil: Durchtarifierung über TBNE, Gültigkeit der Ländertickets etc., Gültigkeit von Verbundtickets; zusätzlich steht dem ausgewählten EVU frei, darüber hinaus auch noch eigene Tarife (z.B. Sparpreise) anzubieten.

Das ist eine reine Nebelkerze. TBNE steht jedem offen, und eigene Tarife können Nahverkehrsunternehmen wie Meridian heute auch schon anbieten, obwohl sie in einem klassischen Verkehrsvertrag unterwegs sind.

Aus meiner Sicht ist es schon sehr erfreulich, dass die DB sich selbst zu einer Trendumkehr entschließen konnte; betreffend der Fernbusse hatte ich schon befürchtet, man würde diesem Fernbus-Hype noch stärker nachlaufen als bisher schon. Stattdessen finde ich es außerordentlich erfreulich, dass sich die DB wieder stärker auf ihr Kerngeschäft – Zugverkehr – konzentrieren möchte.

Konzentrieren tut sie ja mitnichten. Das Fernbusnetz wird doch massiv ausgebaut. Die DB will multimodal überall vertreten sein, damit keiner an ihr vorbeikommt, der in Deutschland irgendwo hin will und nicht mit dem eigenen Auto fährt. Ob das Aufgabe und Berechtigung eines Staatsunternehmens sein soll?


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