Sie sollen nicht zahlen, sondern sich einfach zurückhalten (Allgemeines Forum)

flierfy, Sonntag, 03.03.2019, 18:36 (vor 2590 Tagen) @ Alibizugpaar

Der Kommentar ist nicht abfällig, er ist nachvollziehbar begründet.

Der Kerl kommentiert nicht, sondern stellt unverschämte Forderungen auf.

Und 'wir' kümmern uns??? Wo denn?

Hier, vor meiner Haustür. Zwischen Halle und Erfurt hat man in den letzten Jahren sehr viel investiert, nicht nur in den Bau einer neuen, sondern auch in die Erneuerung der alten Strecke.

Fast identische Wortmeldungen gibt es seit Jahren in deutschen Medien. Wir laufen mit unserer Eisenbahn immer nur hinterher und stopfen Löcher notdürftig. Und wenn wir uns kümmern, dann dauert eine Maßnahme gleich 30-50 Jahre. Die deutsche Politik kümmert sich eindeutig zu wenig um seine Bahn. Bis heute hat der Bundestag nicht einmal angefangen zu diskutieren, um am Ende fallabschließend zu entscheiden, welchen Weg Herr Lutz mit der DB generell einschlagen soll. Welches Ziel soll er verfolgen, wie lautet der politische Auftrag unter gesellschaftlichen Veränderungen (Verkehrswende)?

Das ist das Problem mit unserer Parteien-Demokratie. Das Wahlvolk diskutiert schon lange diese Frage, kann sich wohl auch weitest-gehend auf einen Konsens einigen, wird aber nicht gefragt.

Welche großartigen Verkehrswege meinst Du denn? Sowas wie Kleve - Nijmegen? Das kriege ich meist anders herum mit. Die Dänen würden den Belttunnel schon lange bauen.

Damit meine ich u.a. die A 81, die seit Jahrzehnten kurz vor der schweizer Grenze endet. Mit der A 7 nach Österreich ist es das Gleiche.
Ich meine damit aber auch Bahnstrecken, die über die Bundesgrenze hinaus nicht adäquat fortgeführt werden. Oberhausen-Emmerich wird auf 200 km/h ausgebaut, obwohl hinter Emmerich nicht mehr als 140 km/h gefahren werden wird. Das Gleiche am Oberrhein. Wir bauen der Schweiz eine 250 km/h schnelle Luxus-Anbindung, die auf der anderen Seite der Grenzen in einem Bummelbahnnetz versandet. Warum lassen wir uns darauf ein?

Die Rennstrecke von Paris/London über Brüssel bis westlich Aachen kann man eher schon bis Madrid rückverlängern.

Zwischen Halle(Brabant) und Aachen gibt es den gleichen Mix aus SFSen und Bummelei auf klassischen Strecken wie zwischen Aachen und Siegburg.

Da ist jedenfalls mehr los als was ab Aachen irgendwie über Essen oder Wupper nach Berlin als andauerndes Trauerspiel auch auf die nächsten Jahrzehnte geboten wird.

Zwischen Brussel und Köln verkehrt auch nur ein Fernzug pro Stunde. Weniger ist es bei uns auch nicht.

Was bei uns aus der Not heraus von Köln nach Hamburg und (künftig) nach Berlin als 'Sprinter' bezeichnet wird ist nichts anderes als eine Mininmalkompromisslösung auf Basis von Mangelwirtschaft und Engpässen. Deutsche Fernzüge werden auch in 50 Jahren noch über die Rampen des Teutoburger Waldes schleichen. Nix mit NBS so weit das Auge reicht. Nicht mal strategische Vorausplanungen gibt es.

Wir leisten uns eben ein byzantinisches Planungsrecht, welches nicht nur Anwohnern, sondern auch Verbänden fast schon Vetorecht einräumt. Das ist schön für die Betroffenen, aber eben ziemlich frustrierend für die Allgemeinheit. So lange wir an diesem Zustand nichts ändern, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn sich nichts mehr tut.

Aber die Lkw-Oberleitung auf der Autobahn zwischen Mannheim und Frankfurt = ZACK war sie auf einmal da. Da sind 'wir' schnell.

Es ist nun mal immer einfacher bestehende Verkehrswege hochzurüsten, als Neue zu erstellen. Die Elektrifizierung von Bahnstrecken ist schliesslich auch einfacher als der Bau einer gänzlich neuen Strecke.

Warum kann man die polnische Oberleitung nicht das letzte kurze Stück bis Görlitz ziehen? Wo ist die Initiative auf unserer Seite? Görlitz ist der viel besser geeignete Umsteigebahnhof als die nackten einsamen Bahnsteige auf der anderen Neißeseite. Polen hätte sicher nichts dagegen.

Wem sagt du das?


Übrigens sind mir begründete Kommentare (positiv wie negativ) aus der Schweiz, Polen, Dänemark, Niederlande genauso willkommen als kämen sie aus Bayern, Brandenburg, Hessen oder Schleswig-Holstein. Willkommen im Europa der offenen Grenzen! Wir Europäer waren uns noch nie so nahe wie heute. Ich mag dieses Grenzdenken nicht mehr.

Die Grenzen gibt es aber. Und die verpflichten jeden, vor seiner eigenen Tür zu kehren.


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