Sie sollen nicht zahlen, sondern sich einfach zurückhalten (Allgemeines Forum)

flierfy, Samstag, 02.03.2019, 13:23 (vor 2592 Tagen) @ Alibizugpaar

Ich finde es fürchterlich, ja es macht mich innerlich wirklich rasend -und kann darüber leidenschaftlich werden-, wie schnell bei einer Kritik aus dem benachbarten Europa an Eisenbahn-Zuständen in Deutschland hier die Burgtore dicht gemacht werden und Sprüche fallen wie 'sollen die sich um ihren eigenen Kram kümmern' oder 'sollen die uns gefälligst bezahlen' und ähnlich.

Das kann dich vielleicht rasend machen, wenn es um andere Länder geht, aber nicht bei der Schweiz. Kein anderes Land ist derart egoistisch, wenn es darum geht sein Bahnnetz und entwickeln bzw zu betreiben. So dass Kommentare aus diesem Land bestenfalls arrogant sind.


Gilt das auch anders herum, wenn die SNCF bei ICE-Ausfällen mal wieder Ersatz-TGV stellen soll?

Die SNCF ist aber auch kein schweizer Unternehmen.


Verdammt, alles was der Mann da im Interview sagt sind Erfahrungen, die ich (wir) selber viel zu oft erleben. Der deutsche Schienenverkehr ist auf weiten Flächen eine einzige Mangel- und Gammelveranstaltung. Man lese sich doch mal die Reiseberichte im Süden Ba-Wü's durch. Ich habe im vergangenen Spätsommer selber auch berichtet. Es war weit derber als nur durchwachsen! Halbe Zugstärke, gelb bezettelte gesperrte Türen, daraus resultierende Verspätungen und zur Krönung noch ein flotter Spruch des Tf zu zusteigenden Radfahrern. DER konnte froh sein, daß mir der Weg nach vorne wegen Überfüllung versperrt war. Dem hätte ich ein Feedback auch durch die geschlossene Führerstandstür gegeben. Das war unverschämt! Gerne reiche ich Datum und Zugnummer nach.

So etwas kommt vielleicht mal vor. Die Regel ist es aber nicht. Der Regionalverkehr in Deutschland ist sehr viel besser als sein Ruf. Man darf nur eben nicht von ein paar wenigen Horrormeldungen gleich aufs gamze Netz schliessen. Ich hab mich erst vorige Woche von Naumburg nach Osnabrück und zurück mit dem Regionalverkehr durchgehangelt. Nicht ein Zug hatte eine defekte Tür, alle Züge kamen pünktlich an und niemand musste stehen. Die gleiche Erfahrung mach ich auch zwischen Halle/Leipzig und Erfurt. Der Regionalverkehr läuft hier sehr störungsarm ab. Und so wird es wohl in weiten Teilen Deutschlands zugehen. Darüber redet blos niemand.


Die Kritik an den zu langen Fahrzeiten von Zürich nach Stuttgart lese ich auch als einen Appell an DB Fernverkehr sich wieder auf ihr Kerngeschäft zu besinnen. Fern, qualifiziert, schnell statt Regionalverkehr zu spielen. Gibt es den angesprochenen Vertrag von Lugano zu den 2,5 Stunden oder ist das nur eine Einbildung?

Die Kritik kann der Herr Hurter gleich an sich selbst richten. Der Intercity Stuttgart-Zürich ist auf schweizer Seite auch nicht viel schneller. Wenn man die 94,4 km/h Reisegeschwindigkeit zwischen Schaffhausen und Zürich auf den Abschnitt Stuttgart-Schaffhausen überträgt, dann müsste der Zug die Strecke in 2h10 schaffen. Er braucht aber 2h16. Wenn man den Umstand einrechnet, dass der Zug in Singen gestürzt werden muss, dann ist die Fahrzeit doch recht angemessen.


- Sie haben in Berlin auch Vertreter der Deutschen Bahn getroffen.
"Ich hatte das Gefühl, dass die Deutsche Bahn etwas ratlos ist. Sie hat zu viele Probleme und zu viele Hüte auf, so dass sie ganz vergisst, dass sie eine Bahngesellschaft ist. Dazu kommt, dass die Politik zu wenig bereit scheint, das Bahnnetz zu verbessern."

Das sagt doch alles und deckt sich mit unzähligen Stimmen hier in Deutschland. Wie kann man unangenehm berührt sein, wenn einem das eigene Spiegelbild vorgehalten wird "Leute, kümmert euch endlich um eure Bahn"? Das stimmt doch von A bis Z!

Wir kümmern uns schon um unsere Bahn schon selbst. Da brauch ich keine abfälligen Kommentare aus der Schweiz dazu.


Ich habe schon oft geschrieben, daß ich mich aufrichtig darüber wundere, daß unsere Nachbarländer überhaupt noch Lust verspüren mit Deutschland irgendwelche Verträge in Sachen Eisenbahnverkehr zu schließen. Die wissen doch vorher, daß sie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit am langen deutschen Arm verhungern werden.

Es ist eher umgekehrt. Wir sollten endlich aufhören, Verträge zu schliessen, die uns Lasten auferlegen, die anderen mehr nützen als uns selbst. Verkehrswege, die wir an die Grenze heranbauen, werden viel zu selten in gleicher Form weitergeführt.


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