Y-Trasse: Alpha-Variante bevorzugt (Allgemeines Forum)

Bronnbach Bhf, Montag, 12.10.2015, 21:56 (vor 3815 Tagen) @ telemaxx

Mit dem Vorschlag, die Alpha-Variante als Vorzugsvariante zu empfehlen, hat das Dialogforum seine ganze verkehrspolitische Inkompentenz zur Schau getragen. Es ist ja aus diversen Zeitungsmeldungen schon zu entnehmen, dass sowohl das Land Hamburg, wie auch die Bahn selber als auch der Bund und Verbände wie ProBahn diese Variante ablehnen. Und für die Ablehnung gibt es sehr gute Gründe.
Das der FV keine Minute Fahrzeitgewinn erhalten soll, ist ja schon negativ genug. Zeigt aber, dass im Dialogforum nur Anrainer saßen, die sich einen Dreck um die überregionale Bedeutung des Korridors scherrn und nur ihren Kirchturm im Blick hatten. Viel krasser finde ich aber folgende Kernaussage zur Alphavariante:

Zitat:
"Etwa die Hälfte des Güterverkehrsaufkommens, das im Bezugsfall gerne auf die Schiene wechseln würde, dies aber heute kapazitätsbedingt nicht kann, wird durch die Alpha-Ausbauten auf die Schiene geholt."

Kurzum: Man kann also gerade mal die Hälfte des heutigen nicht gedeckten Bedarfs auf die Schiene verlagern. 50% vebleiben auf der Strasse, jeglicher Zuwachs in der Zukunft geht dann gleich zu 100% an die Strasse.

Man könnte fast meinen, die LKW Lobby hätte das Ganze diktiert.

Deutschland ist eine Handelsnation mit einem gigantischen Warenexport und fast ebenso hohen Warenimporten. Der Exportüberschuss im Handel mit Non-EU Ländern ist dabei wesentlich geringer als beim Handel mit dem EU-Ausland, was bedeutet, das Deutschland fast genauso viele Waren importiert wie exportiert. Und ein Großteil dieser Warenströme wird über die deutschen Seehäfen abgewickelt. Das sind nun mal Hamburg und Bremen. Da jede Wirtschaft darauf ausgelegt zu wachsen, und gerade in Deutschland der Export und Import immer mehr wachsen wird als das Binnenwachstum, steigen auch die Tonnagen pro Jahr stärker als die Gesamtwirtschaft. Bei den gigantischen Mengen, welche über die Seehäfen ex- und importiert werden, muss man hier einfach in sehr großen Maßstäben rechnen. Denn auf diese Warenströme ins deutsche Seehafenhinterland kommen noch die Warenströme von/nach Österreich, Schweiz und Osteuropa oben drauf.

Die verladende Wirtschaft möchte lieber heute als morgen ganz andere Mengen an Seecontainern via Schiene abwickeln, was aber mangels Kapazitäten heute nicht geht. Das die Industrie und der Handel so "geil" auf die Schiene hat handfeste Gründe. Die Bahn ist einfach billiger. Bis etwa zu einer Linie Hannover ist der LKW ab Bremen/Hamburg günstiger. Bis zu einer Linie Ruhrgebiet - Leipzig liegen LKW und Bahn gleich auf. In alle Regionen südlich dieser Linie ist die Bahn günstiger. Da Seefracht keine zeitsensible Fracht ist,spielt der Faktor Zeit hier keine Rolle. Alleine für den Vor- oder Nachlauf eines 40 Fuss Containers zwischen Frankfurt am Main und Hamburg kostet der LKW Transport rund 150 bis 200 Euro mehr als mit der Bahn.

Da man mit der Seehafenhinterlandanbindung sowohl große neue Kapazitäten für den GV schaffen will, aber auch gleichzeitig einen hohen Nutzen für den FV generieren will (nur dann hat man gesamtwirtschaftlich einen hohen Nutzenfaktor) muss man einfach mal in anderen Dimensionen denken. Mit dem Neu- und Ausbau sollte man die Grundlage für die nächsten 30 bis 50 Jahre legen und nicht in sozialistischen 5-Jahresplänen agieren. Der Ausbau der Seehafenhinterlandanbindung kann meiner Meinung nur so aussehen

Ashausen-Uelzen: Durchgehende 3-Gleisigkeit; Blockverdichtung; Kreuzungsfreie Überleitung in Uelzen von/nach Stendal.

Ashausen-Unterlüß: NBS für Vmax 250km/h. Kreuzungsfreie Aus- und Einfädelung.

4-gleisiger Ausbau Unterlüß-Celle; 160km/h NV/GV Gleise, 200km/h oder 230 km/h bei den FV Gleisen; Kreuzungsfreie Überleitung in Celle von/nach Lehrte.

2-gleisige (Nord-) Güterumfahrung Isernhagen - Wunstorf
3-gleisiger Ausbau Bremen - Nienburg plus Blockverdichtung
2-gleisiger Ausbau Niendorf - Minden plus Blockverdichtung
2-gleisiger Ausbau Rotenburg-Verden plus Blockverdichtung
2-gleisiger Ausbau und Elektrifizierung Amerikalinie, kreuzungsfreie Einfädelung in Uelzen

Bei der Seehafenhinterlandanbindung muss man wegen der hohen und wichtigen Bedeutung für die deutsche Wirtschaft einfach in anderen Dimensionen denken. Einfach weil die Warenströme hier eine unvorstellbare Menge haben.

Für den FV gäbe es die Fahrzeitverkürzung auf 55 Minuten zwischen Hamburg und Hannover.


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum