Individualverkehr ist der "Gegner" (Allgemeines Forum)

Alphorn (CH), Sonntag, 29.01.2012, 23:48 (vor 5190 Tagen) @ ICE-T-Fan

1.) Die Schweiz ist relativ klein. Die maximalen Distanzen liegen in einem Bereich, wo man keinen HGV braucht um konkurrenzfähige Fahrzeiten in der Eisenbahn zu erreichen.

Das ist korrekt. Aber die durchschnittliche Reisedistanz im deutschen FV ist 286 km, das sind immer noch Schweizdimensionen. Wieviele Fahrten liegen darüber, sind aber noch kurz genug, um gegen das Flugzeug eine Chance zu haben? Hamburg-München sind 600 km und klar Flugzeug-Territorium.

2.) Die Schweiz besteht überwiegend aus Gebirge. Daher sind Straßen entweder sehr langsam oder müssen ebenso wie Bahnstrecken mit teuren Kunstbauten (Tunnel, Brücken) ausgerüstet werden.
In Deutschland im flachen Norden und Osten sind die Kosten für Autobahnen und Bundesstraßen aufgrund ihrer geringeren Anforderungen deutlich günstiger als Schnellfahrstrecken.

Tatsächlich... laut Wikipedia 4-6 Mio EUR pro km für einfache Autobahn, 10 Mio pro km für Hannover-Berlin. Aber ich votiere ja gar nicht für Schnellfahrstrecken, denn im Kurz- und Mittelstreckenbereich liegt meiner Meinung nach viel mehr Potential brach.

3.) Die Infrastrukturdichte ist in Deutschland deutlich unterschiedlicher. Wir haben viel mehr Straßen als Schienen. In der Schweiz ist das Verhältnis deutlich ausgeglichener.

Autobahn DE: 13000 km. Bahn DE: 36000 km. 2,8 mal mehr Bahn also Autobahn.
Autobahn CH: 1750 km. Bahn CH: 5000 km. 2,9 mal mehr Bahn als Autobahn.

Dafür ist die Bevölkerung (sind die Städte und Gemeinden) in Deutschland stärker in der Fläche verteilt, sodass Individualverkehr deutlich lukrativer ist als in der Schweiz, da man viel mehr mögliche Relationen berücksichtigen muss und daher nicht gut bündeln kann.

Hm, hast du dafür Quellen? In der Schweiz wird erst seit Kurzem die Siedlungspolitik an der Bahn ausgerichtet, das hat noch nicht viele Spuren hinterlassen.

Die Bahn (auch inklusive Straßenbahn und U-Bahn) wird genau wie der Flugverkehr ein Nischentransportmittel bleiben, abgesehen in großen Ballungszentren. Gerade mittelständische Bürger mit etwas mehr Wohlstand werden auf das Auto setzen. In der Bahn sitzen meist Leute die sich kein Auto leisten können oder Leute die aus Bequemlichkeit auf das Auto verzichten.

Die Schweiz hat keine grossen Ballungszentren und trotzdem ist der öffentliche Verkehr (nicht die Bahn allein) sehr erfolgreich. Beim Verkehrszuwachs hat der ÖV einen Marktanteil von 50%. Ja, dafür muss investiert werden, aber wenn das knappe Geld in teure HGV-Strecken (wo nur wenig zu holen ist) gesteckt wird, fehlt es im Nahbereich.


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