Sinn/Unsinn 2400 km Schienenautobahnen (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Sonntag, 29.01.2012, 21:33 (vor 5187 Tagen) @ Vasili

Hallo vasili,

Dabei könnte man mit circa 2400 km auf 300km/h ausgelegten HGV-Linien fast alle Ballungsräume in Deutschland in unter 3 Stunden verbinden. Diese müssten nach dem Prinzip der Schienenautobahn gebaut werden, um durchgehende Züge nicht einzubremsen. Mit einem solchen Netz hätte sich der innerdeutsche Flugverkehr erledigt.

Bin ich mir nicht sicher.

In diesem Fall durften es mehrere Transportschichten geben:

1. das von Dir bezeichnete HGV-Netz mit 300 km/h (Fahrzeuge typisch ICE 3 oder Velaro D). Dieses beinhaltet den ICE Sprinter (nationale Premiummarke) und den ICE International (europaweite Premiummarke).
2. ein "normales" Fernverkehrsnetz mit vmax 230-250 km/h (Fahrzeuge typisch ICx). Via die Ausfahrten Deiner Schienenautobahnen erreichen diese Züge die Städte, die nicht an Netz 1 angebunden sind.
3. ein Regio-Expressnetz, vmax 160-200 km/h (neue Fahrzeugfamilien IRx und IRx-DS, letztere doppelstöckig)
4. ein Lokalnetz, vmax 120-160 km/h (die S-Bahnen und Regionalbahnen)

Die Schienenautobahnen sind dann tagsüber für 1 und 2 vorgesehen. Nachts fahren dort Güterzüge (ohne Mischverkehr durften die Srecken nicht rentabel zu kriegen sein). So geht es auch in Italien voran; einige wichtigen Rangierbahnhöfe haben auch "HGV-Anschluß".

Aber: ein Vorteil des heutigen ICE ist dass er in Städten hält, wo der Flieger nicht kommt. Transportschicht 1 durfte diese Städte nicht mehr enthalten, also sind die Einwohner dieser Städte auf Transportschicht 2 angewiesen, die wohl nicht so viel schneller ist als das heutige ICE-Netz.

Zum Vergleich: China hat in wenigen Jahren bald 13000 km SFS (250 km/h bis 350 km/h) aus dem Boden gestampft.

Deutschland ist kein China.

1. Als die erste HGV-Strecke gebaut wurde, gab es in China noch Plandampfzüge, während Deutschland schon 200 km/h schnelle ICs hatte. Es bestand also Nachholbedarf.
2. in China wohnen 15 mal soviele Menschen und kann man also in einem bestimmten Zeitraum auch 15 mal soviele Rennbahnen bauen.
3. das chinesische HGV-Planfeststellungsverfahren ist wesentlich einfacher: man baut die Srecke so günstig wie möglich und was im Wege steht, wird abgerissen.
4. als die erste HGV-Strecke gebaut wurde, erlebte China einen "Wirtschaftswunder". Viele Chinesen konnten sich Mobilität leisten und z.B. ein Auto kaufen, während die Autodichte in Deutschland bei der ersten Rennbahn schon hoch war.

Das SFS-Netz in Japan hat ebenfalls eine Länge von circa 2400 km.

Deutschland ist kein Japan.

1. Japan hatte ihre erste Rennbahn bereits 1964, sage und schreibe 27 Jahre vor der ersten deutschen Rennbahn. Ich kann mich vorstellen, dass Deutschland in 27 Jahren auch 2400 km Rennbahnen hat.
2. Japan hat keine Nachbarn. Deutschland muss dagegen etwa 10 Nachbarstaaten mit sehr unterschiedlichen Bahnnetzen berücksichtigen; denke an Strom- und Systemwechsel. Vor allem Dänemark und die Schweiz sehen keinen wirklichen Bedarf, reinrassige HGV-Strecken zu bauen (in CH ist die NBS300 Bern-Zürich noch lange nicht sicher), und auch bei uns sind keine aktuellen Planungen einer "HSL-Oost" bekannt. Diesen Umstand hat Japan nicht.
3. Das japanische HGV-Netz ist komplett vom Bestandnetz getrennt. In Deutschland muss der ICE das Netz mit langsam(er)en Zügen teilen.

Die Siedlungsstruktur ist also kein Argument gegen den Bau eines flächendeckenden SFS-Netzes.

Nur so ein Hinweis: Städte wie Berlin gibt es in Deutschland nur eine, in China und Japan haufenweise. Zudem vor allem in China alle auch noch auf HGV-konformen Abständen.


gruß,

Oscar (NL).

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Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.


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