CH: Pflästerchenpolitik (auch in NL). (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Dienstag, 30.11.2021, 20:06 (vor 1594 Tagen) @ Chrispy

Hallo Chrispy,

Danke für Deinen Beitrag.

Weil man jeden Franken nur einmal ausgeben kann. Die Nachfrage steigt auch ohne Fahrzeitverkürzungen. Wenn man jedes Jahr schon Milliarden ausgeben muss nur um mit diesen Nachfragewachstum Schritt zu halten, wieviel Milliarden müsste man dann ausgeben um (a) darüberhinaus Strecken schneller zu machen und (b) die zusätzliche Kapazität die die durch kürzere Fahrzeiten induzierte Mehrnachfrage erfordert zu bauen?

NL hat eindeutig für Kapazität (b) gewählt; vermutlich auch weil wir keine Alternative haben. Wesentlicher Unterschied mit CH ist das Stromsystem (CH: 15kV~, NL: 1500V=). Kapazität ist bei 1500V= kein Problem; unsere Stadt- und Trambahnen fahren mit 750V= und sind noch dichter vertaktet.
Schneller fahren (a) ist ein Problem, weil weder Stromsystem noch Zugsicherung (ATB) das unterstützt. Für jede Rennbahn muss eine Systemschleuse her (Übergang zu 25kV~ und ERTMS Level 2). Für Rennbahnen nach Deutschland zusätzlich 25kV/15kV-Schleusen. Bedeutet also, dass hier nur Viersystemzüge fahren können (NL-Altnetz soll 3000V= erhalten), während CH mit Einsystemzügen auskommt.
Gut, ich kann auch sagen, es dauert noch 40 Jahre bevor so eine Rennbahn steht, und dann haben die Chinesen schon längst eine Technik entwickelt, die Viersystem dann genauso teuer macht wie Einsystem heute.

Man betreibt zurzeit aber auch Pflästerchen-Politik.

Ich mag das Wort. Wir sagen auch "pleistertjes plakken". Gleischen hier, Entschärfung dort, Begradigung drüben.

Da fehlt es doch einfach an einer übergreifenden Vision. Warum nicht eine NBS entlang der Autobahn planen und dann gegebenenfalls in Etappen bauen. Damit könnte man die Kapazitäten für den Fernverkehr auf der NBS sowie auf der Bestandsstrecke für den Regional/Güterverkehr massiv erhöhen, weil man die Langsamverkehre von den schnellen trennt.

Ich nehme mal an, die Region ist zu dicht besiedelt für einen viergleisigen Ausbau, wie der Fall bei Amsterdam-Utrecht? (dort auf den Ferngleisen zwei 10-Minutentakte in Blockabstand; auf den Regiogleisen pro Stunde 4 Regios + ? Cargos)

Meiner Meinung nach ist man nun an einem Punkt, wo man mit dem Bahn 2000 Leitsatz, nur dort zu Bauen wo unbedingt nötig, nicht mehr weiter kommt und sich sogar langfristig schadet.

Was Du schreibst, sehe ich auch bei Utrecht-Arnhem. Ja es hat hier und dort mal ein Pflästerchen gegeben und dadurch ist 6 "IC" pro Stunde möglich (aber kein sauberer 10-Minutentakt, ich berichtete schon eher).
Für den ICE International wird es aber nicht besser. Na gut, man erhofft den unsauberen 2h-Takt in einen sauberen 1h-Takt zu verwandeln. Durchschnittliche Wartezeit geht von 60 zu 30 Minuten; halbe Stunde gewonnen, Baukosten null.
Aber dennoch: anderthalb Stunden für 135 km Luftlinie oder 155 km Strecke, damit gewinnt man nicht viel in Vergleich zum Auto.


gruß,

Oscar (NL).

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Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.


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