einige Anmerkungen zu S21 (Allgemeines Forum)

Zugreisender, Montag, 10.05.2010, 11:29 (vor 5819 Tagen) @ bigbug21

Nun liegt mit den Kosten von rund 3,7 Milliarden Euro eine Zahl auf Basis des aktuellen Planungsstandes vor. Den höheren Kosten steht dabei offenbar ein insgesamt auch größerer Nutzen gegenüber, beispielsweise durch zusätzliche Tunnelquerschläge.

Hier liegst du aus meiner Sicht komplett daneben. Die künstliche Billigrechnung auf die ca. 4 Milliarden konnte nur entstehen durch die theoretische Ausdünnung der Tunnelwände, hier also von einem größeren Nutzen wie du zu sprechen ist schon mehr als Ironie. Und, wie ich schon sagte, ist es auch sehr unseriös diverse Einsparungen bereits fest ins Budget aufzunehmen ehe diese überhaupt von den entsprechenden Stellen genehmigt wurden.

Die von dir ständig genannte Zahle 3,7 Milliarden ist auch falsch, ich muß dir hier nun fast schon bewußte Augenwischerei unterstellen. Die offizielle Zahl liegt bei 4,088 Mrd. Du zweifelst bestimmte Zahlen der Gegner an (Finger in den Wind halten), aber die möglichst billigen Zahlen der Politik ist genauso wenig seriös. Wirklich unabhängig dürfte nur der BRH gewesen sein, welcher zu Zeiten als die Politik noch von 3 Mrd. sprach bereits Kosten von ca. 5,5 Mrd. voraussagte. Nun mußte die Politik noch einmal mindestens eine Milliarde drauflegen, welche man nun ganz vereinfacht beim BRH auch noch drauflegen müßte, dann wären wir bei 6,5 Mrd. Nun sind wir so nett und ziehen die von dir immer angeführten bereits ausgegebenen 0,5 Mrd. wieder ab, dann muß ab jetzt noch ein Betrag von 6 Milliarden investiert werden. Der BRH sollte seine Zahlen selbstverständlich nochmals überarbeiten, aber ich glaube auf keinen Fall das dieser dann weniger als Ergebnis hat. Das ist tausendmal wichtiger als die ständig von dir gewünschte Wikipedia-Aktualisierung. Dir ist dies garantiert alles bewußt, das du trotzdem ständig die Zahl von 3,7 anführst ist nicht einfach nur den Finger in die Luft halten, nein, schlimmer, du weißt bereits das der Wind von Westen kommt aber du ziehst für das Volk eine Show durch und tust so als ob, hebst den Finger in die Luft und verkündest freudig der Wind kommt von Osten.

Es ist keinesfalls sicher, dass weitere 15 Jahre Diskussion und Planung das Ganze wirklich weiterführen würden. Was würde passieren, wenn viele S21-Kritiker auf Basis einer noch zu entwickelnden K21-Entwurfsplanung realisieren, welche Einschnitte so ein Konzept bedeuten würde (zusätzliche Überwerfungsbauwerke, zwei zusätzliche Gleise durch Bad Canstatt, teils aufgesänderte Fahrbahnen etc.)?

Aus ökonomischer Sicht ist ferner zu berücksichtigen, dass von den momentan kalkulierten 4,1 Milliarden bereits rund eine halbe Milliarde Euro für Planung und erste Bauleistungen ausgegeben wurde und weitere Aufträge bereits vergeben wurden bzw. kurz vor der Vergabe stehen. Ein Ist-Vergleich von K21 und S21 würde also bei etwa 3,6 Milliarden gegen (nach meinem Kenntnisstand nie weiter fundierte) 1,2 Milliarden (von 2007? Preisstand? Grundlage?) stehen. Einbezogen müssten dann noch die Kosten für den Projektabbruch und die Wiederherstellung des Ursprungszustandes (die werden offenbar täglich größer), aber auch die Rückabwicklung der Grundstücksgeschichte angesetzt werden. Überhaupt müsste kritisch überprüft werden, welche Grundstückserlöse mit dem Konzept Kopfbahnhof 21 realisiert werden könnten. Auch diese müssten in den Saldo der beiden Projekte mit einfließen.

Insgesamt bin ich weiter sehr skeptisch.

Ca. 75% der Geländegewinne von S 21 sind mit K 21 auch zu haben, aber die Flächen werden dabei viel schneller frei und nicht erst in sehr vielen Jahren. Für die Stadt Stuttgart wäre ein Ausstieg sogar positiv, da sie die halbe Milliarde an Grundstückskosten zurück bekommt, nur für die Bahn würde es sehr teuer, aber da habe ich kein Mitleid, da viele Stimmen der Bahn empfehlen vorsichtig zu sein im Moment mit Vergabe von Aufträgen bis gewissen Details geklärt sind, die Bahn dies aber ganz nach dem Motto "blind Vollgas gegen die Wand" nicht macht.

Der schwache Punkt bei S21 sind die Tunnel, dort muß das meiste Geld hingehen und dort liegen die Risiken. Selbst wenn der halbe Hauptbahnhof bereits abgerissen ist und die BauGRUBE für den Sarg 21 ausgehoben ist wird ein Abbruch billiger sein solange die Tunnels nicht angegangen wurden.

Gut, aber dann erkläre uns doch bitte wie ein Projekt, welches mit ca. 30% der Tunnelneubauten auskommen soll am Ende nicht deutlich billiger kommen soll. Zu meinen S 21 könnte am Ende doch günstiger sein ist auch nur ein Blick in die Glaskugel. Ein Überführungsbauwerk und ca. 9 Km Tunnel verbergen nach der Meinung vieler eben weniger Kostenrisiken als 33 Tunnelkilometer.
[...]


Das habe ich an anderen Stellen in diesem Thread schon ausgeführt (Bauen unter rollendem Rad, notwendige Grundsanierungen, wesentlich aufwändigere Infrastruktur im Bahnhofsbereich...). Die etwas ausführlichere Argumentation der Projektplaner dazu wird unter anderem in http://www.baumaschine.de/Portal/Tbg/2007/heft4/a190_196.pdf ausgeführt.

Trotzdem machst du den gleichen Fehler wie die Bahn (Frage: bewußt?): Alles was mit den Tunneln von S 21 zu tun hat rechnest du billig (3,7 statt 6 Milliarden) und alles was mit K 21 zu tun hat macht dich auf einmal skeptisch und es wird teuer. Ja, die 1,2 Milliarden sind wohl wirklich nicht haltbar wenn man das Projekt anpackt, aber ein Überwerfungsbauwerk ist niemals teurer als die vielen Tunnel von S 21. Hinzu kommt das man für so ein Überführungsbauwerk die Kosten vor Baubeginn einmal klar und ehrlich ermitteln kann und dann kommen da kaum mehr unvorhergesehene Ereignisse dazwischen. Bei Tunneln dagegen liegen SEHR viele Überraschungen unter der Erde versteckt, welche kaum für eine Preisminderung sorgen.


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