einige Anmerkungen zu S21 (Allgemeines Forum)

bigbug21, Donnerstag, 06.05.2010, 23:01 (vor 5823 Tagen) @ Stuttgarter

Hallo Siegfried,


finden Sie etwa die 4,1 Mrd. für S21 belastbar?? Oder die 2 Mrd. für die Neubaustrecke?? So naiv kann doch niemand sein, der seitherige Bauvorhaben der Bahn verfolgt hat.

Als Verkehrswissenschaftler sehe ich die Sache durchaus differenzierter. Es gibt durchaus Beispiele, in denen Bahnbauvorhaben billiger und schneller fertig geworden sind als zunächst geplant (siehe beispielsweise Neubaustrecken Hannover--Würzburg und Mannheim--Stuttgart). Andere Großvorhaben blieben durchaus im Kostenrahmen (siehe Neubaustrecke Berlin--Oebisfelde). Auch der Finnetunnel auf der NBS Erfurt--Halle/Leipzig ist ein aktuelles Beispiel, bei dem der Kostenrahmen bis auf den letzten Euro eingehalten wurde.

Das Kernproblem, was wir in Deutschland meines erachtens haben, sind fehlende Daten. Die Nutzen und Kosten von Großprojekten wird wie ein kleines Staatsgeheimnis behandelt, obwohl diese Projekte weitgehend vom Steuerzahler finanziert werden. Ohne belastbare Daten kann man nicht fundiert argumentieren.

Was die knapp 4,1 Milliarden für S21 angeht, so ist dies sicher eine seichte, aber immer noch die plausibelste Zahl, die in der aktuellen Diskussion liegt. Aus dem Bauchgefühl heraus denke ich auch nicht, dass dieser Rahmen wirklich so gehalten werden kann. Dafür ist allein schon der politische Realisierungsdruck offenbar zu groß. Auf der anderen Seite sind die Kalkulationen der Projektgegner noch weniger transparent. Hier wird zu der landläufig genannten Zahl von 1,2 Milliarden Euro noch nicht einmal ein Preisstand geliefert, geschweige denn eine Fortschreibung vorgenommen.

Mitunter sind Diskussionen zur Kostenentwicklung von Verkehrsprojekten indes derart von seicht, dass von den Diskutanten noch nicht einmal Inflation berücksichtigt wird, die allein über ein oder zwei Jahrzehnte zu erheblichen Kostensteigerungen führen kann.

Da ist doch eine Verhältnis 1 zu 3 sinnvoller als Zahlen, weil die Tunnelstrecken das Teuerste sind. Und für die Renovierung des Bonatzbahnhofs werden vermutlich weniger als 1/3 des Ingenhoven-Neubaus reichen.

Wenn man nur den Bahnhof betrachtet, könnte das stimmen. Mehr Sorgen bereitet mir hier eher das umfangreiche Gleisfeld mit seinem weitläufigen Bahndamm und den Überwerfungsbauwerken. Hier wäre eine neutrale, offene Untersuchung von größter Wichtigkeit, um hier ernsthaft argumentieren und schätzen zu können. Alles andere ist nicht besser, als den Finger in den Wind zu halten.

Viele Grüße
Peter

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unterwegs für freie Eisenbahn-Geodaten


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