einige Anmerkungen zu S21 (Allgemeines Forum)

Holger2, Dienstag, 04.05.2010, 04:40 (vor 5823 Tagen)

Hallo,

nachdem hier im Zusammenhang von S21 einige falsche Behauptungen aufgestellt worden sind, möchte ich die Gelegenheit mutzen, diese zu korrigieren.

zugreisender schrieb:

Niemand macht hier sinnvolle Investitionen schlecht. Sachen wie der Ausbau der Rheintalbahn oder der Gäubahn, der Y-Trasse oder dem Rhein-Ruhr-Express wird hier von niemandem als schlecht hingestellt. Auch eine NBS von Stuttgart nach München ist sehr sinnvoll. Und was machen wir stattdessen? Wir versenken das wenige Geld

Gerade Deine Beispiele sind schlechte Beispiele:
1. Rheintalbahn (Karlsruhe - Basel). Die geplante Fahrzeitverkürzung ist mit der NBS Stuttgart - Ulm absolut vergleichbar: 31 Minuten. 1985 waren für den Bau 2,3 Milliarden D-Mark veranschlagt, heute (2009) rechnet man mit über 4,5 Milliarden EURO und der Bau ist nach über 24 Jahren Bauzeit noch längst nicht abgeschlossen. Die Baukosten dieser Strecke haben sich mittlerweile vervierfacht - es ist also gerade der Bau dieser Strecke, durch den Investitionen und die nötigen Kapazitäten für weitere Strecken zurückgehalten werden. Ob diese Investition in der gegebenen Form sinnvoll war, möchte ich sehr bezweifeln.

2. Gäubahn. Für die Gäubahn ist kein großer Ausbau geplant. Lediglich einige wenige Abschnitte sollen zweigleisig ausgebaut werden. Die Kosten hierfür betragen ca. 135 Mio. Euro

3. Y - Trasse. Gerade die Y - Trasse ist sehr umstritten. Veranschlagt sind 1,3 Mrd. Euro, die Fahrzeitersparnis beträgt gerade einmal 7 Minuten. Die neuralgischen Punkte, an denen sich Güterverkehr und Personenverkehr behindern, werden nicht entlastet. Gerade aus diesen Gründen wird der Bau dieser Strecke noch einmal überprüft.

4. RRX. Dieser Begriff schwebt im Raum, seit der Transrapid nicht mehr gebaut wird. Jedoch weiß bis heute niemand genau, was das ist. Immerhin ist mittlerweile klar, dass einige Eisenbahnstrecken vier bis sechsgleisig ausgebaut werden sollen. Ich möchte hier erst einmal sehen, worum es sich bei diesem Projekt handelt, bevor ich urteile, ob dieses Projekt gut oder schlecht ist. Ich habe da so meine Zweifel.

zugreisender schrieb:

Überlege dir genau wieviel S 21 nun kosten soll. ...Das kann nicht sein das du nicht auf Punkt und Komma bescheid weißt! Das ist ja auch gerade der Punkt mit den Investitionen. Viele Projekte machen bis zu einer gewissen Kostengrenze Sinn, darüber hinaus rechnen sie sich nicht mehr

Das stimmt so nicht. Kosten können nur aus heutiger Sicht geschätzt werden. Darum ist für alle Kostenrechnungen der Stand der Planungen zum Zeitpunkt der Kostenschätzung maßgebend. Beispiel sind Kosten der Ausschreibungen, die zum Zeitpunkt der Kostenschätzung nicht absehbar sind. Auch wenn sich Vorschriften während der Bauzeit ändern, können selbstverständlich Mehrungen auftreten. Gegen Einflüsse von außerhalb ist niemand gefeit, es hat auch niemand behauptet, auf Punkt und Komma Bescheid zu wissen.

Letztlich blockierst Du mit Deiner Argumentation jede Investition. Denn dasselbe gilt natürlich auch für jede Schule. Wie willst Du nachweisen, dass sich der Bau einer Grundschule für 15 Mio. Euro rechnet? Woher willst Du wissen, wie sich Fahrgastströme in hundert Jahren verhalten? Die Kosten - Nutzen - Faktoren sind lediglich eine rechnerische Kennzahl, mit denen aus heutiger Sicht (Planungsstand) verschiedene Projekte unterschiedlich priorisiert und in Ihrem Nutzen verglichen werden können.

sappiosa schrieb:

Also investiere man da in die Schiene, wo es wirklich die Schiene stärkt! Es gäbe genügend Beispiele:

* Karlsruhe-Basel
* Frankfurt-Mannheim
* Frankfurt-Fulda
* Hamburg-Hannover
* Würzburg-Nürnberg
* Oberhausen-NL
* ... (ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

Alles Beispiele, wo ein Aus- oder Neubau für massiv Mehrverkehr sorgen kann. Den sehe ich bei S21 nicht, eher im Gegenteil.

Die Alternative heißt ja nicht: S21 oder nichts - sondern: S21 oder anderes. Das Geld kann man nur einmal ausgeben.

KA - Basel: Seit 25 Jahren ein Milliardengrab, siehe oben. Die Strecke hätte längst fertig sein müssen.
F - MA: Wird gebaut, ist in der Planfeststellung
F-FU: Wieso ist das wichtiger als S - Ulm? Derzeit kann hier noch nicht investiert werden, da die Planung nicht abgeschlossen ist.
HH-H: Y - Trasse ist extrem umstritten, weil sie nichts bringt (s.o.). Eine Alternative muss noch erarbeitet werden, vorher kann nichts investiert werden.

WÜ-N: Warum ist das wichtiger als S - UL?
Oberhausen - NL: Wird derzeit dreigleisig ausgebaut. Für einen zweistündigen Fernverkehr ist ein drittes Gleis mehr als ausreichend.

Ergo: Es ist halt nicht so wie im Sandkasten, wo man einfach drauf losbuddeln kann. Es gibt derzeit keine anderen dringlichen Projekte, in die investiert werden könnte.

Zum Vergleich Bankenrettung:

Sorry, aber der Vergleich ist nun wirklich hanebüchen.
Jetzt mal abgesehen davon, dass die Bankenrettungs-Gelder zu beträchtlichen Teilen Kredite waren, die auch mal zurückfließen sollten: Glaubst Du im Ernst, Merkel und Co. hätten das Geld mit Vergnügen ausgegeben?

Auch dies sind Gelder, die anderswo fehlen. Etwa im Fall von HRE handelt es sich durchaus nicht "nur" um Kreditbürgschaften.

zugreisender schrieb zu meinem Vorschlag, die Gäubahn - ICE über Tübingen zu führen und damit den Filderbahntunnel nicht anpassen zu müssen:

...und dann auch Züge einer wichtigen internationalen Relation einmal schön im weiten Bogen um die ganze Stadt rumführen, ist das eine sinnvolle Investition die sich rechnet? Schon beim aktuellen Plan werden Gäubahnzüge 5 Minuten länger brauchen. Der Weg über Tübingen wird mindestens 30 weitere Minuten aufhalzen.

Hier reicht nun wirklich ein Blick auf den derzeitigen Fahrplan, um dieses Argument zu entkräften: Die Züge Stuttgart - Rottenburg brauchen nach derzeitigem Fahrplan über die Altstrecke 57min. Durch Entfall der Halte Knielingen und Rottenburg und durch Benutzung der NBS ab Wendlingen, sowie Ausbau und Elektrifizierung Tübingen - Rottenburg (10,6km in heute 9 min.) lässt sich die Fahrzeit sicher noch um 15 min. senken. Die restlichen 20,9 km bis Horb lassen sich bei Elektrifizierung und einigermaßen vernünftigem Ausbau sicher in 10 Minuten zurücklegen. Insgesamt 52min., während der Gäubahn - ICE heute 42 min. benötigt. Eine längere Fahrzeit von 10 Minuten, die aber durch Anschluss von Reutlingen und Tübingen an das ICE - Netz kompensiert wird.

Noch etwas:

Zwei Dinge sind bei K21 überhaupt nicht geklärt:

1. Wo soll der Abstellbahnhof hin und wie soll dieser angebunden werden?
2. Wo wird das neue Überwerfungsbauwerk von Feuerbach zu den südlichen Einfahrtsgleisen gebaut?
Hierfür gibt es derzeit nur ein paar Bleistiftstriche. Der Grund: Sonst müssten die K21 - Fans nämlich zugeben, dass dieses neue Überwerfungsbauwerk direkt am Hauptportal von Schloss Rosenstein vorbeigebaut werden müsste und dass hierfür weit mehr Bäume zum Opfer fallen würden, als jetzt.

Holger


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