einige Anmerkungen zu S21 (Allgemeines Forum)

Zugreisender, Donnerstag, 06.05.2010, 22:14 (vor 5823 Tagen) @ bigbug21

Als Ökonom bewerte ich im Falle von Stuttgart zwei Alternativen auf Basis der vorliegenden Daten. Und zumindest für den Bundesanteil scheint der Variantenvergleich bezogen auf den Bundesanteil bei null herauszukommen.

Der Bund hat ja auch schon vorher erklärt sein Beitrag sei auf jeden Fall gedeckelt. Und die Bahn kann (selbst wenn sie wollte) auch nicht nachschiessen, die Stadt ist auch schon pleite und das Land hat bald eine Schuldenbremse in der Verfassung. Letztendlich bringt es nichts diese Sache immer nur vom Kostenanteil des Bundes zu sehen, auch der Rest muss weitgehend vom Steuerzahler kommen, Sponsoren aus der Wirtschaft haben sich nie gemeldet.

Die Kostenschätzung von 4,088 Milliarden Euro ist, was die veröffentliche Gesamtzahl angeht, noch die transparenteste, auch wenn ich den Projektplanern eine selbst für deutsche Verhältnisse nach meiner Wahrnehmung außergewöhnliche Geheimniskrämerei zum Vorwurf machen muss.

Die 4,088 sind in keiner Weise transparent und glaubhaft. Vor gar nicht langer Zeit wollte man uns noch 3 Milliarden an Kosten verkaufen. Grube erklärte damals für ihn sei die Sollbruchstelle bei 4,5 Milliarden und er rechne noch genau nach. Und dann ergab die Nachrechung von der DB ca. 4,8 Milliarden und weil dies über der “Sollbruchstelle” lag musste das dann auf einmal “runtergerechnet” werden. Und wie durch ein Wunder meinte die Bahn über Nacht die Stärke der Tunnelwände sei ja viel zu dick geplant, hier könne man doch problemlos abspecken ohne ein Sicherheitsrisiko und so kam es zu den rechnerischen 4,088 Mrd. Ich frage mich aber wie konnte es sein das man über Jahre zum Schaden des Steuerzahlers viel zu starke Tunnelwände plante und niemand in der Politik störte sich daran. Oder war die Anfangsplanung doch nicht so falsch und Grube geht mit der neuen Planung Sicherheitsrisiken ein? Die Achsen des ICE und die S-Bahn Berlin lassen grüssen…

Der Hammer ist nun aber das diese “Abspeckung” genehmigt werden muss und es eine neue Planfeststellung geben muss. Nichts davon ist aber bis jetzt passiert und viele Zweifeln ob es das Eisenbahnbundesamt hierzu seinen Segen geben wird. Gleiches Chaos auf den Fildern um den Flughafen herum, wo die DB gerne die bestehende S-Bahnstrecke nutzen würde und die Kosten auch so plante. Dies muss aber auch vom Bundesamt genehmigt werden und wird wohl niemals so kommen.

Daher frage ich mich wie glaubhaft sind diese Planungen?

Von einem Projekt, für welches die Politik bereits den “Baustart” inszenierte kann und darf man ja wohl erwarten das die Planungen in diesen Punkten geklärt sind im Gegensatz zu K 21, wo noch Zeit zum Planen und Diskutieren ist.

Von der anderen Seite betrachtet sind die Kopfbahnhof-21-Befürworter aber auch nicht besser aufgestellt, im Gegenteil. Die veröffentlichten 1,2 Milliarden Euro haben nach meinem Kenntnisstand weder eine Preisbasis noch wurden sie in den letzten Jahren fortgeschrieben. Dass diese Zahl offenbar eher über den Daumen gepeilt als sachlich fundiert wurde, macht mich ebenfalls skeptisch. Nicht zuletzt habe ich auch die Kommunikation der Projektkritiker in diesem Fall als nicht besser als die der Bahn wahrgenommen. Auf verschiedene Anfragen zu den Projektkosten reagierten man (von Eingangsbestätigungen abgesehen) genauso wie das so genannte "Kommunikationsbüro" von S21: Überhaupt nicht.

Die Projektplaner von S21 sagen beispielsweise, die Überwerfungsbauwerke seien aufgrund ihres Alters und nachlassender Untergrundverhältnisse komplett abzutragen, die Dämme zu entfernen und neu tief zu gründen. Wenn das stimmt, könnten hier ungleich längere und durchaus ebenso aufwändige Bauarbeiten warten wie Tunnel, die offenbar weitgehend mit Tunnelvortriebsmaschinen aus Baugruben heraus vorgetrieben werden.

Bei S 21 muss ja der heutige Hauptbahnhof auch erst komplett neu gebaut werden um Platz für den Aushub des Kellers zu schaffen. Nur um dann nach dem Bau wieder eingerissen zu werden. Die Bahn hat immer Kostenrechnungen zu Arbeiten im heutigen Gleisbereich zu S 21 sehr niedrig angesetzt, wenn es aber darum ging ähnliche Arbeiten für K 21 zu kalkulieren dann war es auf einmal deutlich teurer.

Die Kosten für K 21 sind wirklich heute noch nicht genau absehbar, die von S 21 aber genauso wenig. Aber niemand kann ernsthaft behaupten das ein Projekt, welches mit einem drittel der Tunnelneubauten auskommt, nicht deutlich günstiger sein wird als S 21. Die wirklichen Kostenfallen liegen unter der Erde, für dieses Geld könnte man viele Überwerfungsbauwerke bauen.

Ich vermute einfach wenn man heute als Planzahl bei S 21 4 Milliarden angibt dann passen bei K 21 1,2 Milliarden ganz gut. Und in dem Verhältnis, wie bei S 21 auch die Kosten steigen werden wird es auch bei K 21 hoch gehen. Sollte wir dann also mit S 21 einmal auf 10 Mill. kommen läge K 21 bei 3 Mrd.


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