Interessante Betrachtung betriebswirtschaftlich/volkswirtsch (Allgemeines Forum)

GUM, Mittwoch, 21.06.2017, 15:18 (vor 3211 Tagen) @ Freifahrtensammler

Die Bahn verspielt die Chance durch Beschäftigungsaufbau eine größere gesamtgesellschaftliche Bedeutung zu bekommen.


Nicht alles, was volkswirtschaftlich sinnvoll wäre, ist aus betriebswirtschaftlicher Sicht wünschenswert. Bahngesellschaften haben primär nicht die Aufgabe, sich um volkswirtschaftliche Belange zu kümmern. Haben wir doch alle so gewollt, oder?

Das ist eine gute, fast rhetorische Frage. In der damaligen Politik-Kommunikation war ja die Rede von den erheblichen Ineffizienzen, die so ein Staatsbetrieb wohl pflegen würde.

Bei einem Unternehmen, welches sich zu 100 % in Staatsbesitz befindet, sehe ich allerdings eine vollkommene Übereinstimmung zwischen volkswirtschaftlichen Anforderungen und der betriebswirtschaftlichen Umsetzung.

Jede Kostensenkung (=Personalabbau) kommt ja 1:1 beim Eigentümer an durch geringere Einzahlungen in Sozialversicherung etc. und ggf. auch ein Plus an Arbeitslosengeld I/II, weil die redutzierte Beschäftigtenzahl eben weniger einkaufen kann. Und damit auch in allen anderen Gewerken/Branchen Spuren hinterlässt. Hier würde ich also davon ausgehen, dass eine abgebaute Stelle mit dem üblichen Multiplikator einen volkswirtschaftlichen Schaden anrichtet. Bei Privatunternehmen könnte dies ausgeglichen werden durch eine höhere Gewinnausschüttung an die Eigentümer, die ja dann ihrerseits mehr Kaufkraft haben.

Bei der Bahn scheint es mir aber so zu sein, dass jeder Breschäftigtenabbau sich direkt in einem höheren Technologieniveau oder dem dortigen Beschöftigtenaufbau widerspiegelt. Ein Team für trennende Medien (aka soziale Medien) wäre im echten Kundenservice besser aufgehoben. Und Touch & Travel schafft wohl eher Arbeitsplätze á la Foxconn.

Wahrscheinlich liegt die volkswirtschaftlich optimale Produktivität irgendwie zwischen Bundesbahn der Ende 90er und Mehdorn-Bahn der 2010er Jahre.

Um Deine erste Frage zu beantworten: Die Bahnumformung war eine der wenigen, prakisch unumstrittenen politischen Themen. Und fand eine breite, parfteiübergreifende Mehrheit.

Das Versagen liegt also nicht bei den Bahngesellschaften, sondern bei der Politik.

Ist leider so. Der berühmte neue München-Nürnberg-Express darf eben nicht mehr in Görlitz gefertigt werden.

Ob beispielsweise ÖPP-Projekte im Autobahnbau immer volkswirtschaftlich sinnvoll sind, scheint das Bundesverkehrsministerium nicht sonderlich zu interessieren. Zumindest betriebswirtschaftlich wird es sich aber für die beteiligten Investoren auszahlen.
Spiegel-Beitrag von heute

Danke für den Link!

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