VRR: Bahnsteige zu hoch für neue S-Bahnen (Allgemeines Forum)

Giovanni, Donnerstag, 19.09.2013, 21:39 (vor 4588 Tagen) @ flierfy

Die Zwischenhalte (RE3 im Takt) zwischen Stralsund und Berlin teilen sich so auf:
7x 76cm (+ Prenzlau)
10x 55cm
1x 34cm
1x 28cm (Groß Kiesow)
1x 26cm

Wie man sieht, hat Mecklenburg-Vorpommern nahezu durchgehend 55cm. Das Brechen der Züge an der Landesgrenze ist schließlich keine Option.

Auch Sachsen hat 55cm.
Und angesichts der extrem kurzen Bahnsteige - teils müssen jetzt schon Wagen abgesperrt werden - gibt es keine Alternative zu 55cm-Dostos. Die andernorts im Topic unterstellten Omneo haben weniger Kapazität - die anderen Fahrzeuge sind noch nicht einmal konstruiert.

Wenn Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen sich auf Bahnsteighöhen festlegen, die stufenfreien Bahnverkehr unmöglich machen, ist das deren Problem. Brandenburg setzt mit Berlin auf den deutschen Standard 76 cm und somit auf ein Mass, dass mit kleineren Abstrichen stufenfreien Bahnverkehr möglich macht.

Stufenfreier Bahnverkehr wäre nur dann möglich, wenn die Bahnsteiglängen für dein Einsatz einstöckiger Triebzüge ausreicht. Momentan haben wir die Situation, dass weder stufenfreier Einstieg noch stufenfreier Fahrgastraum möglich sind.

Der ÖBB Cityjet bietet auch 55cm bei stufenfreiem Fahrgastraum.

Und wo bitteschön gibt es noch kurze Bahnsteige. In Brandenburg hat man überall eine Mindestlänge von 140 m. Das reicht für einen 7-teiligen Talent 2, der genauso viel Sitzplätze bietet wie die 4-teiligen KISSes.

Auf dem RE3 und RE5 sind heute zum Teil 5 Doppelstockwagen unterwegs, im neuen Verkehrsvertrag sogar nahezu durchgehend. Auch der RE1 mit trotz 5 Dostos mit 140m Bahnsteiglänge (Nutzlänge etwas geringer) auskommen.

Besser wäre noch ein 8-teiliger SLT. Durch den kann man stufenfrei durchgehen und stufenfrei einsteigen.

SLT ???

So lange man die Bahnsteiglängen nicht ausreizt, ist Kapazität jedenfalls kein Argument.

Bei RE1, RE2, RE3, RE5, RE7, RE10, RB10 und RB14 übersteigt die Zuglänge planmäßig die Bahnsteiglänge. Beim RE4 ist das wohl entgegen der DB-Auskunft nicht mehr der Fall (Buschow und Nennhausen verlängert).
Von nicht ausreizen kann daher nicht die Rede sein.

Überhaupt kann ich nur bei einer einzigen DB-Bahnsteigkante im VBB einen potenziellen Grund erkennen, auf 76cm zu setzen: Wittenberge, wenn sich Sachsen-Anhalt bei der RB30 auf BR 425 festlegt.
(+ NEB RB27 wegen S-Bahnsteig Karow)

Die wenigen 76cm-Fahrzeuge, BR 646, wurden extra für Brandenburg mit höheren Einstiegen bestellt. Die vorher bestellten UBB-Fahrzeuge hatten nur 55cm.

Da hat man offensichtlich falsch bestellt.

Vermutlich.

Insgesamt sind jedoch 24 Bahnsteige im Verlauf des RE3 76 cm und nur 5 55 cm hoch. Somit kann man in Prenzlau sehr wohl von Vereinheitlichung sprechen.


Falsch s.o.

Von wegen falsch. Du kannst von Nechlin bis Berlin eine Richtschnur spannen. Und von zwei noch nicht erneuerten Bahnsteigen haben alle die gleiche Höhen. Folglich ist der Bau in Prenzlau eben doch Teil einer Vereinheitlichung.

Willst du die Züge an der Landesgrenze brechen? Es bleibt dabei: Die 55cm-Bahnsteige sind an der Strecke Berlin-Stralsund in der Mehrheit.
Eine nutzbare Alternative zu den jetzt eingesetzten 55cm-Fahrzeugen existiert nicht, da man sonst ~180m Bahnsteiglänge bräuchte.

Begründet wird die Bahnsteighöhe von 76cm gerne mit angeblichen Erfordernissen des Fernverkehrs. Dabei ist dort der Anteil an barrierefreien Fahrzeugen extrem gering - ironischerweise sind aber auch dort mehr 55cm- als 76cm-Fahrzeuge vorhanden.
Einziger mir bekannter, nicht saisonierter, Fernzug mit 76cm ist der Interconnex.

Im Fernverkehr kommen fast ausschliesslich Fahrzeuge mit Flurhöhen von 125 cm zum Einsatz. Da lässt sich leicht erklären, warum die Bahn lieber auf 76 cm setzt. Es geht schliesslich nicht nur um Barrierefreiheit, sondern auch um Komfort und Tempo beim Fahrgastwechsel. Für alle drei Kriterien gilt, umso kleiner der Höhenunterschied, umso besser.

Gute Argumentation - die aber ein entscheidendes Problem übersieht: Im Nahverkehr werden rund 10x so viele Fahrgäste wie im Fernverkehr befördert. Deshalb ist ein stufenfreier Einstieg im Nahverkehr um ein vielfaches höher zu gewichten als die Ersparnis einer Stufe im Fernverkehr.

Deswegen bleiben 76 cm hohe Kanten so lange das Optimum, so lange diese Obergrenze in der EBO bestehen bleibt.

Deswegen bleiben 55 cm hohe Kanten so lange das Optimum, so lange für die bestehenden Probleme bei höheren Bahnsteigen keine angemessenen Lösungen gefunden sind.

--
Wo Logik aufhört fängt das DB-Preissystem an.
2.4.4: "Eine Fahrkarte für eine höhere Produktklasse berechtigt [...] auch zur Beförderung in einer niedrigeren Produktklasse."
Ein Doppelstock-RE ist 4.631,5mm hoch - ein ICE1-Speisewagen nur 4.295mm ;)


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