Schweizer Probleme! (Allgemeines Forum)

Twindexx, St. Gallen (CH), Mittwoch, 23.01.2013, 19:14 (vor 4827 Tagen) @ Blaschke

Salut,

Es gelingt trotz einer äußerst restriktiven Verkehrspolitik gegenüber dem Lkw nicht, den alpenquerenden Güterverkehr in nennenswertem Umfang auf die Bahn zu bringen (große Verfehlungen bei den selbstgesteckten Verlagerungszielen).

Die Verlagerungspolitik kann kein Erfolg werden, solange sie nur zwischen Basel und Chiasso/Domodossola funktionieren würde. Da muss die EU und vorallem die Deutschland und Italien erstmal mitmachen. Aber da wären wir wieder beim Ausbau der Rheintalbahn Karlsruhe-Basel (da passiert zwar etwas, aber das Bautempo lässt stark zu wünschen übrig), den italienischen Anschlussstrecken nach Domodossola, Luino und Chiasso (da passiert ohne Schweizer Finanzierung überhaupt nichts) sowie ebenfalls entsprechende politische Rahmenbedingen. Die EU redet ja auch von Verlagerung auf die Schiene. Der Unterschied ist nur, dass in der EU meist nur darüber geredet wird, während substanzielle Fortschritte meist nur in der Schweiz stattfinden (und in den Niederlanden mit der Betuweroute).

Der Löschberg-Basistunnel wurde in erster Linie für den Güterverkehr gebaut, und nun bezahlt SBB-Personenverkehr den Güter-EVUs Entschädigungen, damit diese weiterhin über den Berg rollen und noch mehr Züge für Wochenend-Skitouristen ins Wallis durch den Basistunnel gebracht werden - umweltpoltisch und volkswirtschaftlich äußerst fragwürdig.

Das stimmt nicht. SBB-Personenverkehr zahlt den Cargo-EVU überhaupt nichts, nur die normalen Trassengebühren an die BLS. Der Schienen-Personen-Fernverkehr wird vom BAV mittels Konzession bei den SBB bestellt. Der Bund gibt also das Angebot vor und SBB-Personenverkehr muss es ausführen.
Die angesprochenen Extrazüge fahren an Wochenenden, wenn der meiste Güterverkehr sowieso Ferien hat und die entsprechenden Trassen so verfügbar sind. Diese Verkehre gehen also nicht zu Lasten des Güterverkehrs. Über die Bergstrecke verkehren fast keine Güterzüge mehr, es passt alles durch den Tunnel.
Die derzeit massgebende Engstelle auf der Lötschberg-Simplon-Achse ist der Rangierbahnhof Domo II und nicht der LBT, und dafür wäre die FS zuständig.

Der Einzelwagen-Ladungsverkehr in der Schweiz hat größte wirtschaftliche Probleme. Die SBB versucht eine Sanierung und bedient sich derselben Instrumente wie einst die DB ("MORA-C" - das heißt die Konzentration auf stärkere Verladestellen und Schließung kleinerer).

Gleichzeitig wird aber versucht, die Bedienung effizienter zu machen (Neubeschaffung von Zweikraftloks für den leichten bis mitleren Zustelldienst). Die SBB bekräftigen auch heute noch, ganz klar zum Einzelwagenladungsverkehr zu stehen und diesen nicht aufgeben zu wollen.

Mir scheint, der Schreiber dieser Zeilen hat vom Güterverkehr in der Schweiz allgemein wenig Ahnung.

Der Unfall vor ein paar Tagen in Neuhausen (beim Rheinfall / Kanton Schaffhausen) verlief glimpflich - trotzdem werden Erinnerungen an Rüsselsheim und Hordorf wach. Auch in der Schweiz sind die Sicherheitsvorschriften "mit Blut geschrieben".

Der Vergleich von Neuhausen und Hordorf ist ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Neuhausen ist mit ZUB ausgestattet, nur nicht in jener Fahrstrasse. Dagegen hatte Hordorf überhaupt keine Zugsicherung. Die einzige Gemeinsamkeit ist die Tatsache, dass beide Unfälle kurz vor der jeweiligen Modernisierung der dortigen Zugsicherung passiert sind.
Signum wurde nach einem schweren Unfall eingeführt, ja.
ZUB wurde nach einem schweren Unfall eingeführt, ja aber:
Zu dem Zeitpunkt war ETCS schon in Planung. Da sich aber ETCS seitens Europa verzögert hatte und man nur mit der Zugsicherung Signum keine weiteren 20 Jahre verbleiben wollte, wurde nach einem schweren Unfall ZUB übergangsweise zu ETCS als Zweitsystem für 20 Jahre eingeführt.
ETCS ist seit mehreren Jahren in Planung, dies ohne weiteren Denkanstoss durch einen Unfall oder ähnlichem. Das Problem ist nur die Zeitspanne bis zur Realisation und den in der Zwischenzeit passierenden Unfällen.

Aber die Schweiz hat kein EBA, welches in einer in der Schweiz erscheinenden Fachzeitschrift schonmal als "Eisenbahn-Behinderungs-Amt" tituliert wurde. [/i]

Eine entsprechende Stelle gibt es auch in der Schweiz, nennt sich Bundesamt für Verkehr. Nur mit dem Unterschied, dass das BAV nicht mal ansatzweise einen so auf saublöd macht wie das EBA. Und die SER hat das EBA nicht so tituliert, der genaue Wortlaut war «von einigen schon als [...] verschrien», also keine eigene Aussage der Redaktion.


Salutations de Lausanne.

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Aktuell im Einsatz auf den Linien IC 1, IC 2, IC 3, IC 21, IR 13, IR 15, IR 27 und IR 70:
Der SBB FV-Dosto.


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