Rechenbeispiel (Allgemeines Forum)

Henrik, Montag, 24.01.2011, 02:33 (vor 5561 Tagen) @ Alphorn (CH)

Wenn die DB so handeln würde, würdest du mich (Nick hin oder her) nie wieder ICE-T fahren sehen.
Wenn man weiß, dass die Risse existieren, dann muss man auch entsprechend handeln.

genau, und zwar sofort. Erst recht wenn es sich um nicht-redundante sensible Stellen handelt.

Risse verwandeln sich nur langsam in einen Achsbruch; alle Flugzeuge haben massenhaft Risse, welche man bis zu einer gewissen Länge einfach drin lässt, weil man weiss, dass sie bis zur nächsten Untersuchung noch nicht zu einem Bruch führen.

Kommt drauf an, wo sie sind, s.o.
Sind sie an sensiblen nicht-redundanten Stellen und man merkt es vorm Start, wäre es absolut unverantwortlich, den Flieger starten zu lassen.

Ansonsten,
ist bei der Bahn letztendlich doch genauso.
Die USP erfolgt alle 30.000 km und nicht alle 250 m (Köln) oder 6 km (Eschede).
Wenn ein Unfall bereits erfolgt ist wie hier geschehen und es besteht die Möglichlichkeit, dass dieses ein weiteres Mal geschieht, ist selbstverständlich absolut sofort zu handeln.

Rechnen wir mal: Ich schlug vor, einen Achsbruch pro 300 Jahre zu akzeptieren (kann man auch höher wählen). Die FV-Verkehrsleistung ist in der Zeit zirka 10'000 Mrd Personenkilometer, davon sagen wir 25% durch die betroffenen Baureihen, also 2'500 Mrd Personenkilometer. Sagen wir, das Unglück hätte 100 Tote, macht einen Toten pro 25 Mrd Personenkilometern. Du müsstest 70'000 Jahre lang täglich 1000 km ICE fahren, um bei genau dem einen Unfall umzukommen.

Du hattest was von nur 99%iger Sicherheit gesprochen, das ist was ganz anderes.
Nur einmal in 300 Jahren ein Achsbruch?
Nicht schlecht. Einen dicken fetten hatten wir bereits, nebst weitere Risse.
Das heißt, nach Deiner neuen Philosophie dürfte es in den nächsten knapp 300 Jahren absolut überhaupt keinen Achsbruch mehr geben.
Das ist nicht 1% - das ist um Dimensionen weniger.
Deinen letzten Satz kann ich rein aus Sicht der Wahrscheinlichkeit nicht nachvollziehen (auch wenn Du 14 Mio mal Lotto spielst, hast Du nicht genau einmal einen 6er).

Bei Autofahrern gibt es auf der gleichen Distanz 75 Tote.

und das rechnest Du jetzt nicht vor?
Gibt es diese nur im Wohngebiet, wo parallel eh keine ICE fahren?
Sind diese 75 Tote allesamt Autoinsassen?
Sind diese 75 Toten alle entlang deiner ICE-Linien verstorben?
Sind die alle in einem einzigen Unfall ums Leben gekommen?
etc.

Warum forderst Du nicht genauso absolute Sicherheit im Autoverkehr, sind Dir diese Toten egal? Warum sind Leute, welche die Toten beim Auto einfach in Kauf nehmen, verantwortungsvoll? Und warum bin ich, wenn ich so viele Leben wie möglich retten will (egal in welchem Verkehrsmittel) verantwortungslos?

Niemand fordert ernsthaft irgendwo für Teilbereiche absolute Sicherheit,
garantieren kann sie erst recht niemand. Man kann versuchen, Risiken zu minimieren.
Aber absolute Sicherheit gibt es nicht.
Was heißt "in Kauf nehmen"? Es gibt sie nunmal, im MIV wie im spurgeführten Verkehr.
Du bist hier nicht aufgetreten als ein "Lebens retter", sondern als ein "mehr Tote im Bahnverkehr in Kauf nehmen". Und das wird kritisiert - und zwar zu Recht!
Leben rettet man nicht indem man Sicherheitsrisiken runterschraubt, sondern indem man sie hochschraubt, sie minimiert, ausräumt.

Solange der Autoverkehr 75 mal unsicherer ist, rettet man am meisten Leben, indem man so viele Leute wie möglich in die Bahn zu kriegen. Und das klappt momentan nicht zuletzt aufgrund sehr schlechter Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit nicht.

Ich weiß nicht, wo Du die 75 her hast, auch egal.
Man rettet garantiert nicht am meisten Menschen dadurch, dass man sie in die Bahn zwängt.
Denn die meisten Verkehrstoten wollen gar nicht Bahn fahren, hätten es noch nicht mal zur Auswahl, nicht einmal theoretisch. Sie würden also sowieso sterben, dort wo sie gestorben sind. Da kannst Du noch so viel bei der Bahn ändern. Hast ja selbst angegeben, wie unwahrscheinlich das überhaupt sei.
Und die Bereiche Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind noch die geringsten, um potenzielle Fahrgäste in die Bahn zu locken.
Das sind am meisten die Fahrzeit und der Preis.


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