Mehdorn bekommt Schützenhilfe (Allgemeines Forum)

ice-t-411, Sonntag, 23.01.2011, 23:46 (vor 5637 Tagen) @ ICE-T-Fan

Hi!

Im Endeffekt ist die große Masse der ICE-Innenausstattung und die daraus resultierende größere Gewichtskraft auf den Achsen nicht ganz unschuldig an dem Problem. In einem TGV würde die selben Achsen vermutlich weit weniger Probleme machen, weil er nicht so schwer ist.

Das ist so nicht richtig. Der TGV fährt mit wesentlich kürzeren Wagen auf Jakobsdrehgestellen, die Achslast ist ca. mit der des ICE(3) vergleichbar. Allerdings hat man die Achsen in den TGV bisher deutlich konservativer konstruiert (s.u.).

Da man aber üblicherweise zuerst die Zugkonstruktion und nicht die Achsen entwickelt, kann man in der Praxis natürlich nicht der Masse des Zuges die Schuld geben, sondern es ist eindeutig eine Unterdimensionierung der Achsen.

Jein, üblicherweise wird die zulässige Achslast schon sehr früh festgelegt, daraus ergeben sich nämlich wieder die Gewichte von Achsen (bzw. Wellen) und Getriebe, die sich ja dann wieder auf die Gesamtmasse auswirken.

Wie bekannt sein dürfte, wurden die ICE3 und ICE T Achsen nach den damals gültigen Vorschriften aus hochfestem Stahl hergestellt um Platz und Gewicht einzusparen. Nach vielen Jahren im Betrieb hat man festgestellt, dass die damals zugrundeliegenden Parameter nicht der Realität entsprechen. Da diese wohl selbst in einem 10-jährigen Probebetrieb nicht aufgefallen wäre, würde ich über die Schuldfrage nicht entscheiden wollen. Es wurde wohl nach bestem Wissen und Gewissen gebaut.

Die Eisenbahn hat was Materialforschung angeht aber eine sehr lange Tradition und hat Materialbeanspruchungen auch als erste auf die Tagesordnung von Forschern gebracht. Jetzt hat man wieder etwas gelernt und seien wir sehr froh, dass diesmal nicht wie so oft ein schweres Unglück nötig war.

Da von euch sicher auch keiner eine Verlägerung der Wartungsfristen unterschreiben will, kann ich die EBA-Entscheidung gut nachvollziehen, auch wenn sie den Betrieb beeinträchtigt.

Zurück zum Anfang: Man kann Herrn Mehdorn sicher viel Vorwerfen, der ICE3 wurde aber vor seiner Zeit bei der Bahn entwickelt. Auch liegt es als Vorstandsvorsitzender nicht in seinem Ermessen bestimmte Bauteile auszulegen selbst wenn der Mann Maschinenbau studiert hat.

Für die Probleme im Netz kann man ihn aber (zusammen mit diversen Politikern nahezu aller Parteien) auch jeden Fall verantwortlich machen.

Gruß
Johannes


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