Leistungsfähigkeit von S21 (Allgemeines Forum)

Joe, Sonntag, 24.10.2010, 18:36 (vor 5673 Tagen)

Hallo Leute,

am Freitag ging's in der Schlichtung ja u.a. um die Leistungsfähigkeit von S21. Kernaussage der Befürworter: S21 ist um ein Drittel leistungsfähiger als der bestehende Kopfbahnhof. Kernaussage der Gegner: S21 ist eher weniger leistungsfähig als der bestehende Kopfbahnhof (Palmer: Rückschritt statt Fortschritt). Das Thema ist ja sicherlich eines für Experten (ich bin keiner), trotzdem würde ich mir gerne - soweit möglich - eine eigene Meinung bilden können. Daher nachfolgende Darlegung dessen, wie sich mir der Sachverhalt darstellt, mit der Bitte um Kommentierung:

Die Kapazität eines Bahnhofs hängt von verschiedenen Faktoren ab, ich denke an: verfügbare Bahnsteigkanten, Fahrstraßen in bzw. aus dem Bahnhof heraus, Zuführungsgleise, Zwangspunkte außerhalb des Bahnhofs selbst. Betrachten wir diese Punkte nacheinander:

Bahnsteigkanten: S21 hat 8 Bahnsteige, damit sollte man m.E. locker 40-50 Züge - d.h. 5-6 pro Bahnsteig - pro Stunde abfertigen können. Zum Vergleich: Derzeit werden im Bahnhof, soweit ich weiß, in der Spitzenstunde ca. 25 Züge abgefertigt. Also kein Problem. Im bestehenden Kopfbahnhof mit 16 Bahnsteigen stellt sich das Problem ohnehin nicht. (Zusatzfrage: Am Freitag war viel von den Standzeiten im Bahnhof die Rede. Warum spielen die eine so große Rolle? Mehr als 40 Züge pro Stunde sind ja sicherlich nicht geplant, und bei 5 Zügen pro Stunde und Bahnsteig müsste jeder Zug locker 4 Minuten stehen können. Oder nicht?)

Zuführungsgleise: Soweit ich weiß, hat der bestehende Kopfbahhof je eine zweigleisige Anbindung von Feuerbach und Bad Cannstatt her. Hinzu kommt die eingleise Anbindung der Gäubahn, auf der pro Stunde allerdings nur 1,5 Züge verkehren (oder täusche ich mich?) Auf den Anbindungen von Feuerbach und Bad Cannstatt müssen also (in der Spitzenstunde) je ca. 12 Züge ein- und ausfahren, das entspricht einer Taktfolge von 5 Minuten. Theoretisch sicherlich steigerungsfähig, aber nur auf Kosten der Betriebsqualität (oder wie seht Ihr das?) Bei S21 gibt es vier zweigleise Anbindungen, entsprechend mehr Züge können ein- und ausfahren. (Würde ich zumindest denken.)

Bahnhofsein- und ausfahrten (Stichwort "Fahrstraßen"): Davon verstehe ich am wenigsten. Können im bestehenden Kopfbahnhof tatsächlich vier bzw. fünf Züge gleichzeitig ein- bzw. ausfahren? Hängt wahrscheinlich davon ab, woher sie kommen und wohin sie wollen. Bei S21 dürfte es ähnlich sein. Theoretisch können gleichzeitig je vier Züge ein- und ausfahren (insgesamt also acht). Das funktioniert aber nur, wenn die im Bahnhof stehenden Züge schon am richtigen Bahnsteig standen, weil sich die aus dem Bahnhof führenden Gleise sonst (höhengleich) kreuzen. Wer weiß Genaueres?

Zwangspunkte jenseits des Bahnhofs: Das scheint ja der eigentliche Schwachpunkt von S21 zu sein (vgl. auch das viel diskutierte SMA-Gutachten). Beim Bahnhof glaube ich - wie oben ausgeführt - schon, dass er (ja nachdem, welche Ansprüche man an die Betriebsqualität stellt) 40-50 Züge pro Stunde schafft (das waren die Zahlen von Prof. Martin am Freitag.) Schwierig wird's dann aber insbesondere am Flughafen und in der Wendlinger Kurve. Frage hier ist: Ich kann mir nicht vorstellen, dass es z.B. sooo viel kostet, für die Einfädelung an der Wendlinger Kurve ein Überwerfungsbauwerk zu spendieren. Warum also spart man an solchen Details, wenn dadurch die Leistungsfähigkeit des gesamten Projekts gefährdet wird?

Über "Feedback" fachkundiger Eisenbahnbetriebler würde ich mich freuen.

Viele Grüße,

Joe


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