Heute ICE, damals noch InterCity (Sammelantwort). (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Donnerstag, 08.04.2021, 16:05 (vor 28 Tagen) @ ICETreffErfurt

ICETreffErfurt:

Ende der 1990er gab es mal eine Umfrage, welche Produktmarken in der deutschen Bevölkerung so bekannt sind. Der ICE hat mit über 90% den ersten Platz belegt.

Hätte man diese Umfrage eine Dekade vorher gemacht, dann wäre "InterCity" das Ergebnis.
Ohne IC hätte es keinen ICE gegeben.
Man hätte auch den IC-Stundentakt weiterentwickeln können. So wie bei unserem "IC".

Es gab aber zwei "game changer":

1. Shinkansen und TGV. Die zukunftsweisende Bahn wurde in Japan betrieben. Ununterbrochene Rennpisten für reinrassige HGV-Züge. Frankreich startete 1981 mit dem TGV. Deutschland musste etwas tun; das IC-Netz reichte nicht mehr, auch weil Auto und Flugzeug populärer wurden.

2. Mauerfall und Wiedervereinigung. Berlin und die "neuen Bundesländer" mussten angebunden werden und bzgl. Berlin so bald wie möglich.
Allerdings war ein IC-Stundentakt aufgrund niederiger Bevölkerungsdichte nicht durchzusetzen.

Offenbar wurde die höhere vmax des ICE besser angenommen als der Takt des IC.

Der ICE war so erfolgreich in seinem Segment, dass ihm dieser Erfolg jetzt zum Verhängnis wird.

Bei Jahrhundertwende musste der ICE überall kommen. Auch wo es keine Rennbahnen gibt. Auf kurvenreiche Strecken setzte man auf Neigetechnik (ICE-T) und sogar auf nicht-elektrifizierten Strecken sollten ICEs fahren (der Diesel-ICE). Dass hier keine hohen Geschwindigkeiten erreicht wurden, nahm man in Kauf; auch dass der ICE International in NL nur 140 km/h erreichte.

Dadurch hat die DB sich nur noch auf diese eine Zuggattung fokussiert, erst den Interregio abgeschafft und jetzt den Intercity in die Nische gedrängt.

DB hatte gedacht, die ICE-Marke sei so stark, dass Otto und Bärbel auch bei geringster Komfortsteigerung bereit waren, ICE-Tarif zu bezahlen. Aber dann kam "game changer" Nummer 3: die Billigflieger.

Das Verrückte ist ja, dass viele Politiker für ihre Heimat lieber 4 mal am Tag einen ICE-Halt fordern als einen konsequenten IC-Stundentakt. Städte wie Coburg, Darmstadt oder Bad Hersfeld wären besser dran, wenn dort jede Stunde ein Intercity halten würde als diese künstliche Umbiegen irgendwelcher ICE-Linien, die dann mal halten und mal vorbei fahren.

Konsequenter Takt ist wichtiger als das Ansehen des Zuges; die beste Bahn der Welt macht es vor. Die SBB FV-Dostos fahren sowohl IC- als IR-Leistungen.
Verkehrstechnisch wären CO/DA/HEF eher IC-Halte gewesen. Welches Fahrzeug dann in Einsatz kommt, ist zweiträngig.
In Japan fahren die N700-Triebwagen ja auch sowohl Nozomi- als Hikari- als Kodama-Leistungen (in DE etwa ICE Sprinter, ICE und IC).

Dan darf die DB aber auch nicht mit Alibi-IC-Zügen wie den IC2-Twindexx ankommen sondern muss auch gutes Zugmaterial für die Intercity einsetzen. Der 411er mit der Neigetechnik ist eigentlich der perfekte Lückenfüller für das Bestandsnetz, zumal er auf kurzen SFS-Stücken auch mit 230 km/h den ICE nicht im Weg herum stehen würde.

Als der ICE4 noch ICx hiess, war meine Idee auch: der ICx wird ein IC-Triebwagen. IC nicht mehr lokbespannt, dafür beliebig zu basteln von 5 bis 14 Wagen, inklusive Mehrfachtraktionen für Kuppelzugbetrieb. Zusätzlicher Vorteil: der IC erreichte auch 250 km/h. Unterschied zum ICE: der IC hielt öfter und/oder befuhr eher Ausbaustrecken statt Rennbahnen.
Der Rennbahn-ICE mit allen Halten zwischen Köln-Frankfurt sollte die Zuggattung IC haben; er ist ja wesentlich langsamer als die ICE International die Köln-Mainport nonstop fahren.

Action85:

Warum musste man für Darmstadt ICE Linien umbiegen? Die Linie 26 fährt über die Bergstraße und hält dann natürlich auch in Darmstadt. Des weiteren hat Darmstadt auch gute IC Verbindungen.

Als die Vorhaben einer Rennbahn Frankfurt-Mannheim bekannt wurden, musste und sollte Darmstadt unbedingt einen direkten ICE nach Köln haben.

Warum ist der IC2 nur ein Alibi-IC? Nur weil er ein Doppelstock Fahrzeug ist?

Doppelstock ist das Problem nicht. Doppelstock-ICs verkehren in der Schweiz (sowohl lokbespannt als Triebwagen) und werden dort sehr gut angenommen.
Prblem ist eher weil er nicht die Charme und Ansehen des klassischen IC-Wagenzuges hat.
Zudem erreicht er nur 160 km/h, auch auf Strecken wo der IC-Wagenzug 200 km/h erreicht...

ktmb:

Er fährt doch aktuell auf Strecken, die eh nicht mehr Geschwindigkeit hergeben.

...wie Hamm-Bielefeld-Hannover... ;)

Ein weiteres Argument für den IC2: er kann an 160m-Bahnsteigen halten. Ein klassischer Wagenzug mit gleicher Sitzplatzzahl wäre deutlich länger gewesen.


gruß,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Verkehrsstaus müssen etwas Tolles sein, sonst würden nicht alle mitmachen.

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum