Die genaue Preisgrenze finden (Allgemeines Forum)

Eingleisigkeit, Donnerstag, 04.12.2014, 20:12 (vor 4150 Tagen) @ GUM
bearbeitet von Eingleisigkeit, Donnerstag, 04.12.2014, 20:15

Warum soll ich denn nicht für 29 Euro diejenigen noch mitnehmen, die eben nur bereit sind, diesen Preis zu zahlen?

Grüße
Eingleisigkeit


Diese Frage wird in jedem Unternehmen gestellt und ganz unterschiedlich beantwortet. Es geht einerseits um die Grenzkosten der Mitnahme jedes weiteren Passagiers gegenüber den Gesamtkosten pro Passagier.

Die 29er Preise funktionieren nur so lange, wie nicht Passagiere abwandern, die mehr bezahlt hätten.

Im Endeffekt spielt auch die Preiselastizität eine Rolle: Gewinnt die Bahn beispielsweise 60 29er-Kunden auf der Strecke München-Hamburg, so müsste die Kostenbasis von einem zusätzlichen Waggon auf diese Kunden verteilt werden.

Die Bahn kann also langfristig gesehen und wirtschaftlich betrachtet keine 29er München-Hamburg anbieten, wenn die Gesamtkosten pro Passagier höher sind. Der 29er könnte allenfalls zum Kennenlernen angeboten werden oder zu Leerzeiten, in denen die nicht teilbare 7er oder 14er-Wageneinheit gefüllt werden muss.

Im Endeffekt kann es sich aber kein Unternehmen leisten die 29er-Preise dauerhaft und auf zu langen Strecken anzubieten.

Irgendein auf der Kostenbasis basierender Mindestpreis darf auch durch den Super-Sparpreis oder den Hauptstadt-Tarif nicht unterschritten werden.

Naja, da belehrt dich doch die Wirklichkeit eines besseren, denn die DB bietet schon über viele Jahre hinweg 29 Euro-Tickets an, auch auf Langstrecken. Erzähl mir doch nicht, die haben das noch nie evaluiert.

Was du beschreibst, ist die Kunst der Preisdiskriminierung, also jedem Kunden möglichst genau den Preis vorzusetzen, den er gerade noch bezahlen würde. Und die Bahn macht das ja momentan so, indem sie bspw. Konditionen setzt (lange Vorausplanung, Zugbindung, Tagesrandlagen) zum Erhalt der 29 Euro-Tickets, die eben Kunden mit einer niedrigen Zahlungsbereitschaft ansprechen. Als Student kostet mich die Lebensstunde nicht viel, da kann ich auch mal eine Strecke mit dem RE fahren, bevor ich in den Fernzug umsteige, wenn bei dem wieder Platz ist.
Witzigerweise schlägst du selbst vor, dieses Instrument nicht zu nutzen, wenn es nur noch einen günstigeren Normalpreis und vielleicht einen eher hohen Sparpreis geben soll, also de facto 2 Preise, an denen sich alle orientieren können. Da gehen dir ja neben Kunden, die sagen, dass ihnen das zu teuer ist auch noch zahlreichen Einnahmen aus den bislang verkauften teuren Normalpreis-Tickets verloren.

Ein Problem, das ich durchaus sehe, ist aber, dass die Bahn die Grenzkosten für einen Passagier gar nicht kennt. Die Grenzkosten sind ja außerdem unterschiedlich: Der letzte Passagier, der einen weiteren Wagen nötig machen würde, ist natürlich viel teurer als der zweite in diesem Zusatzwagen. Und wie viele Leute der Bahn den Rücken kehren, weil sie von den Familien genervt sind, die eben mal günstig mitgenommen werden, weiß halt auch keiner.

Wie kommst du also gerade auf 59 Euro als günstigstes Ticket und nicht auf 39?

Grüße
Eingleisigkeit


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