Die Preiswahrnehmung ist ein Problem (Allgemeines Forum)

gnampf, Donnerstag, 04.12.2014, 12:12 (vor 4141 Tagen) @ GUM

Vielen Dank für das Hauptproblem in der Kundenwahrnehmung, dass Du ansprichst. Während für ein bisschen Drahtgestell mit einem leicht veränderten Überzug beim Auto (=sog. Sportsitz) oftmals vierstellige Beträge über den Tresen wandern, suchen die gleichen Kunden im Verkehrsverbund den letzten Cent Ersparnis.

und wie viele kaufen sich extra einen Sportsitz? Das wird wohl eher eine Sache derjenigen sein, die kein so knappes Budget haben. Und eine Zielgruppe, die du mit den Oeffis eh sehr schwer erreichen wirst.
Ansonsten gibt es wohl genug Leute, die sich einfach ein billiges Auto kaufen, weil was anderes entweder nicht drin ist, oder es ihnen nicht wert ist. Und die auch beim Auto drauf achten, dass sie nicht unnoetig zuviel zahlen.

Vorbild bei der Tageskarte ist auch hier der MVV. Eine Tageskarte für das riesige weiße Feld - genannt Innenraum - kaufen und Sehenswürdigkeiten besuchen, einen Ausflug ins Stadion machen und erst spätabends im Hotel zurück sein.

Naja, wenn du sagst "guckt gefaelligst nicht auf den Preis, machts euch einfach", dann biete doch einfach nur noch eine Jahreskarte an... ganz einfach dann fuer alle ;-)
Warum fuer jemanden, der einmal von A nach B und wieder zurueck will, eine Tageskarte das guenstigste ist, muss man ja schon nicht verstehen. Wenn man sich dann aber noch mit zig Zonen auseinander setzen muss, ohne womoeglich ueberhaupt ordentlich rausfinden zu koennen in welcher man startet, in welcher man landet, und durch welche man durch muss... aber all das fuer das korrekte Ticket wissen muss (ausser man kauft sich eben einfach auf gut Glueck das teuerste Tagesticket das es gibt)... daran scheiterts doch eher.

Kostet nicht viel mehr als zwei einfache Fahrten im Innenraum.

Schlimm genug, diese Flatrate-Politik.

Da musst Du Dir gar keine Gedanken machen, sobald Du Dich von der Hypothese löst, dass Deine Suchzeit nichts wert und die Ersparnis von 0,NN Euro hoch zu bewerten wäre.

nur dann, wenn ich die Tageskarte fuers Gesamtnetz kaufe. Ansonsten bleibt das Hauptproblem, naemlich welche "Tarifstufe" ich denn jetzt brauche. Und nein, ich zahle sicher nicht 16,80 EUR fuer ein VGN-Vollbereichs-Ticket, wenn ich eigentlich mit 1,60 EUR fuer einen Kurzstreckenfahrschein auskommen wuerde.

Bei einem guten Angebot kann man die Vielfahrer gar nicht verlieren. Zielgruppe für die Tarifneuformung müssen die bisherigen Nichtkunden sein.

Ja, natuerlich, wir bieten einfach jedem einen eigenen Zug, der abfaehrt wann er es moechte, ankommt wann er es moechte und natuerlich nie ausfaellt, verspaetet ist, etc. Es gibt auf Wunsch natuerlich auch ein 5-Gaenge-Menue dazu, garantiert, und persoenliche Betreuung. Zahlen muss er dafuer als Flatrate immer nur 1 Euro im Jahr. Da steigen bestimmt alle auf die Bahn um ;-) Realistisch ist das Szenario aber nicht. Realistisch ist, dass sich am vorhandenen Material nichts aendern wird. Mehr Fahrgaeste wird also auch zwangslaeufig zu mehr Belegung in den Zuegen fuehren, und damit auch zu mehr Leuten, die keinen Platz mehr erhalten. Und damit zu mehr Unzufriedenheit. Denn du wirst die Neueinsteiger nicht dazu bekommen nur die unbeliebten Zuege zu nehmen... sondern bei denen wird die Verteilung genauso sein, wie auch bei der vorhandenen Kundschaft.

Nein, dem kann ich als Bahn nicht begegnen. Als Bahn biete ich einen unglaublichen Komfort, einen Stundentakt und zwei hochwertige Reiseklassen an. Das "Fernbus"-Gestühl würde bei der Bahn allenfalls als IV. Klasse durchgehen.

Wen wollen sie denn dann gewinnen, wenn nicht die Kunden, die sie durch den Fernbus verlieren? Und warum werden die erst interessant, seit die Kunden aufgrund der Fernbusse abspringen?

Und bis hin zum letzten denkfähigen Kunden muss klar sein: Wer nicht 72 oder 80 Plätze in einem B-Wagen haben will, der muss eine gewisse Preisuntergrenze respektieren.

Genug Leute scheinen aber mit 60 Plaetzen in einem kuerzeren Bus kein Problem zu haben, sondern das auch noch toll zu finden. Wenn die Bahn die Kunden zurueck will, dann wird sie den Markt auch entsprechend bedienen muessen. Wenn sie das durch eine generelle Umstellung z.B. der 2. Klasse macht, dann muss sie aber leider damit rechnen, dass ihr die Kunden, die eben nicht bereit sind das im Fernbus zu ertragen, floeten gehen.


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