Letztlich ein Problem der politischen Vorgaben (Allgemeines Forum)

Frankfurt (Main) Süd, Donnerstag, 04.12.2014, 10:12 (vor 4143 Tagen) @ moonglum

tl;dr:
Man kann einem privatwirtschaftlichen profitorientierten Unternehmen nicht vorwerfen, dass es seinen Profit maximieren will. An der Misere im deutschen Schienenverkehr kann nur die Politik etwas ändern, sowohl in ihrer Rolle als Regulierer als auch als Eigentümer der DB AG.

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So, hier noch mal die ARD-Meldung (der Hesslische Rotfunk hatte das ja recherchiert): http://www.tagesschau.de/wirtschaft/bahncard-103.html

Zitate daraus:

Die Bahn dementierte den Bericht umgehend als "dreiste Falschmeldung". Die Konzern werde sich zu den weiteren angeblichen Veränderungen im Fernverkehr im Laufe des Tages äußern.

"Die BahnCard wird zum Kundenkonto", heißt es in der Vorlage. Dieses Kundenkonto garantiert nur noch "Rabatte gemäß Auslastung eines Zuges und individuelle Rabatte nach Kundenumsatz", also für Großkunden und Vielfahrer.

Die Bahn will im Fernverkehr drastisch sparen und die Kosten bis 2019 um 1,5 Milliarden Euro senken. "Unwirtschaftliche Linien" sollen eingestellt, die Nachtzüge nur noch "abhängig vom Optimierungspotential" weitergeführt werden.

Was das Thema BahnCard anlangt, wird es auf ein neues Preismodell hinauslaufen. Das heißt sicher nicht, dass alle bisherigen BC50-Kunden künftig den unrabattierten Normalpreis, also das doppelte, zahlen werden. Aber da die Bahn Kosten senken und Einnahmen erhöhen will, kann das nur heißen, dass die meisten Kunden erheblich mehr zahlen werden.

Und was die Angebotsreduzierung im Fernverkehr (incl. Nachtverkehr) betrifft: Die politisch gesetzten Rahmenbedingungen verlangen seit der Bahnreform vor 20 Jahren, dass FV eigenwirtschaftlich funktionieren soll. Vor diesem Hintergrund kann man der Bahn keinen Vorwurf machen, dass sie nicht profitable Angebote streicht (eher ist es verwunderlich, dass sie die so lange quersubventioniert hat), sondern muss diesen Vorwurf der Politik machen, die durch die gesetzlichen Rahmenbedingungen diese Angebotsreduzierung herbeiführt. Womit ich wieder bei meinem Ceterum censeo wäre: Wir brauchen eine Struktur für subventionierten FV nach klaren Regeln, am realistischsten wahrscheinlich über ein Besteller-Betreiber-Modell analog zum NV machbar.


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