Diskussion: braucht Deutschland "Schienenautobahnen"? (Allgemeines Forum)

bigbug21, Mittwoch, 09.06.2010, 16:39 (vor 5803 Tagen) @ Oscar (NL)

Hallo Oscar,

[...]

Gerade im Zuge der Y-Trasse werden im Moment Alternativlösungen diskutiert, die wesentlich kostengünstiger und schneller zur Verfügung stehen sollen und gleichzeitig mehr Trassen für den Güterverkehr schaffen sollen.


Wenn ich das richtig verstanden habe, wird das etwa der "Eiserne Weser". Hauptsache also die Güteranbindung und danach erst die Beschleunigung der ICEs Hannover-Hamburg.

Ja, es geht um den Ausbau einer Reihe bestehender Strecken. Die DB würde am liebsten alle Maßnahmen (Ausbauten + Y-Trasse) realisieren. Kritisch zu hinterfragen wäre, ob wir wirklich -- wie in Prognosen vermutet -- in den nächsten paar Jahren von Container überrannt werden.

Bei uns in NL wurde auch die Betuweroute stark kritisiert. Als Alternative sollte man vermehrt auf die bereits gut ausgebaute Infra der Binnenschifffahrt setzen (damals war sogar die Rede, ein Binnenschiff von 800 t kann seine Fracht umweltfreundlicher befördern als ein Güterzug gleicher Tonnage. Dagegen spricht allerdings, dass z.B. auf der Betuweroute Güterzüge von 5000 t möglich sind. Wie sieht die Situation im Bereich Ems/Weser/Elbe/Seitenkanäle/Mittellandkanal eigentlich aus?

Gute Frage.

Derartige Lösungen wurden vielfältig untersucht (unlängst in Darmstadt, beispielsweise aber auch in ähnlicher Form im Zuge von Stuttgart 21) und durchgehend wieder verworfen. Ein Kernargument ist die schlechte Anbindung derartiger Vorortbahnhöfe an die Netze das Nah- und Stadtverkehrs.


Was aber nicht ist, kann noch kommen. Den Haag HS hat doch auch sehr gute Anschlüsse in die Innenstadt (mittels Straßenbahnen und Busse)?
Das Argument ist wohl eher die fehlende Anschlüsse Bahn-Bahn, oder Fernbahn-Regiobahn. Von Den Haag HS nach z.B. Zoetermeer reist man wohl auch bequemer via Den Haag Centraal mit dortigem Umstieg.

Nicht unbedingt, soweit ich mitbekommen habe, war in Stuttgart und ist im Moment in Darmstadt die Anbindung an den ÖPNV der Knackpunkt, der gegen einen "Vorortbahnhof" spricht.

[...]

Es wäre falsch, flächendeckend durchgehende Neubaustrecken zu errichten. Wichtig scheint gerade in Zeiten knapper Kassen vielmehr, eine breite und sachgestützte Diskussion zu führen, wie mit recht begrenzten Mitteln der größte Nutzen gestiftet werden kann.


Schienenautobahn ist nicht unbedingt Neubaustrecke.
Man kann auch eine bestehende Strecke als Schienenautobahn ausbauen, mit höherer vmax, mit ERTMS Level 2.

Ich verstehe den Sinn dahinter nicht. Es warten dutzende von Neu- und Ausbauprojekten auf Realisierung und wir machen uns Gedanken, wie man mit Milliardenaufwand hier und dort noch einige Minuten herausholen könnte?

Und was bringt ETCS Level 2 auf Strecken, die bereits mit LZB und CIR-ELKE ausgerüstet sind? Durch restriktivere Bremskurven dürfte die Kapazität eher zurückgehen...

[...]

Viele Grüße aus Dresden
Peter

--
unterwegs für freie Eisenbahn-Geodaten


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