Diskussion: braucht Deutschland "Schienenautobahnen"? (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Dienstag, 08.06.2010, 23:35 (vor 5804 Tagen)

Hallo ICE-Fans,


"Blaschke" hatte am 08.06.2010 um 20:13 anläßlich der neuen EU-Gesetzgebung folgendes geschrieben:

Tja, muß man das Netz eben entsprechend ausbauen, dann gibt's auch keine Probleme mit dem Güterverkehr. Da das ja Jahrzehnte versäumt wurde bzw. politisch nicht gewollt war, steht man jetzt halt - ZU RECHT - blöd da.

Meine Antwort dazu:

In Italien wird man auf Dauer kein Probleme mehr mit dem Güterverkehr haben. Dort werden nämlich "Schienenautobahnen" gebaut. Tagsüber blitzen die Eurostar Italia und die .italo-Triebwagen darüber, nachts sind die Strecken die Domäne der Güterzüge.
Die Strecken verlaufen großenteils komplett an den Großstädten vorbei. Es wird nur dort gehalten, wo es nötig ist.
In z.B. Reggio, Bologna und Florenz halten die Eurostar Italia in Fernbahnhöfen am Rande der Stadt, meistens dort wo auch eine Autobahn ist. Züge, die dort nicht zu halten brauchen, dürfen mit vmax vorbeiknallen.
In Innenstadtbahnhöfen wie Firenze SMN, Roma Termini und Napoli Centrale werden nur die Fernzüge halten, die dort enden oder die die "Schienenautobahn" verlassen.
IC-Züge halten in Novara, Vercelli, Piacenza, Parma und Modena dadurch, dass sie via "Ein- und Ausfahrten" die "Schienenautobahn" kurzer Zeit verlassen können. Auch die wichtigsten Güterumschlagbahnhöfe Italiens haben eigene "Ein- und Ausfahrten" erhalten.

Sollten in Deutschland auch "Schienenautobahnen" gebaut werden?

Argumente dafür:

1. man kann den Fernschnellverkehr auf die Schienenautobahnen verlagern. Das schafft Kapazität auf das Bestandnetz.
2. man kann nachts Güterzüge auf die Schienenautobahnen verlagern. So wehrt man z.B. schallproduktive Gefahrgüterzüge aus der Stadt.
3. man kann Lücken im HGV-Netz schließen. Wenn F-MA als Schienenautobahn gebaut wird, wird eine ununterbrochene Strecke Köln-Stuttgart möglich.
4. ein Mischbetrieb ist wohl die einzige Art und Weise, die Strecke rentabel betreiben zu können.

Argumente dagegen:

1. Schienenautobahnen sind teuer / teurer als "ein bißchen Neubau hier, ein bißchen Ausbau dort".
2. ein Mischbetrieb bedeutet, dass keine einzige Sparte voll von der Infra profitieren kann: Fernschnellzüge werden wegen der Kurvenradien gebremst und Güterzüge können nicht mit Volllast fahren (wie auf der Betuweroute).
3. die böse, böse Lokalpolitik, für die Schienenautobahn = Bypass = Abhängung (z.B. Mannheim).
4. der Güterverkehr ist in Deutschland so groß, dass man den nicht komplett auf Nachtbetrieb umstellen kann (braucht Deutschland dann eher mehr "Betuwerouten"?)
5. der Fernverkehr Deutschland ist zu sehr auf Innenstadt-Innenstadt orientiert. Gute Anschlüsse FV/NV sind wichtiger, zumal der Großteil der DB Kundschaft Regio fährt und nicht IC(E).

Was meint ihr?


gruß,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.


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