Diskussion: braucht Deutschland "Schienenautobahnen"? (Allgemeines Forum)

bigbug21, Mittwoch, 09.06.2010, 11:48 (vor 5806 Tagen) @ Meinrad aus Kanada

Hallo Meinrad,

Guter Diskussionsanstoss! Nehmen wir doch einmal die Ur-Rennstrecke Hannover-Wuerzburg. Es gibt da recht langsame Ortsdurchfahrten in Fulda, Kassel und Goettingen.

Das stimmt. Die Durchfahrgeschwindigkeiten liegen zwischen etwa 100 und 120 km/h.

Mit drei Tunneln liesse sich da das italienische Vorbild kopieren, ohne dass man die bisherige Infrastruktur entwerten wuerde.

Derartige und andere Lösungen wurden in den 1970er Jahren rege diskutiert:

* Göttingen sollte gar nicht angefahren werden, stattdessen sollte die Strecke von Hannover direkt über den Raum Holzminden (ohne Halt) nach Kassel führen. Diese Trasse wäre 20 km kürzer gewesen als die heute realisierte Linienführung über Göttingen und wäre auch durchgehend mit 250/280/300 km/h befahrbar gewesen.

* Die Anbindung von Kassel war bereits zu Anfang der Planungen (späte 1960er Jahre) gesetzt. Hier gab es allerdings Überlegungen, die Stadt zu untertunneln, um am damaligen Hauptbahnhof unterirdisch zu halten. Derartige Varianten wurden später aus Kosten- und anderen Gründen verworfen.

* Fulda sollte nur im Nebenschluss an die Neubaustrecke angebunden wären. Man wäre mit der Strecke dabei westlich an der Stadt vorbeigefahren und hätte nördlich und südlich davon eine Anbindung zur Bestandsstrecke zum Bahnhof Fulda hergestellt. Bereits Mitte der 1970er Jahre wurde diese Lösung verworfen.

Siehe zu all diesem auch http://de.wikipedia.org/wiki/Schnellfahrstrecke_Hannover%E2%80%93W%C3%BCrzburg, Abschnitte "Grundsatzplanung" und "Variantendiskussion" sowie http://de.wikipedia.org/wiki/Bahnhof_Kassel-Wilhelmsh%C3%B6he#Variantendiskussion_Neuba... und http://de.wikipedia.org/wiki/Bahnhof_Fulda#Neubaustrecke

Es gibt hier im Forum sicher Leute die quantifizieren koennen, wieviel Zeit man mit einem Hamburg-Hannover-Frankfurt Sprinter sparen koeente, wenn die drei genannten Staedte mit 250km/h unterfahren wuerden. Als Ansatz wuerde ich jetzt mal annehmen, dass eine Laenge von 60km mit 250km/h befahren werden kann (ungefaehr 15 Minuten) wo jetzt im Schnitt mit 100km/h herumgeschlendert wird (36 Minuten).

Das kommt dem ganzen nicht wirklich nahe. Um 100 km/h werden nur in Fulda, Kassel und Göttingen am Bahnsteig erreicht, schon die anschließenden Bereiche sind in der Regel schon wieder deutlich schneller befahrbar.

Das waere also ein Ersparnis im Bereich von 20 Minuten. Ob das reicht, Sprinter so attrakiv zu machen dass es fuer einen Sprintertakt reicht, ist noch eine Debatte wert.

Ein über das bestehende Liniennetz gestülpter Sprinter-Takt würde wohl schnell an die Grenzen der Trassenkapazität stoßen. Während dies auf der Neubaustrecke noch einigermaßen in den Griff zu kriegen sein mag, fehlt es gerade zwischen Hamburg und Hannover sowie zwischen Fulda und Hanau bitter an Trassen.

Ein anderer Nutzen einer auch im Bereich der Knoten ortsfernen Trasse wäre natürlich die Entlastung von Güterverkehrslärm.

Viele Grüße aus Dresden
Peter

--
unterwegs für freie Eisenbahn-Geodaten


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