Eine ungute Mischung .... (Aktueller Betrieb)

Der Blaschke, Dienstag, 26.07.2022, 09:00 (vor 18 Tagen) @ heinz11

Hey.

Aber du bist mit dem Wahn in guter Gesellschaft. Abfahrt Emden und der Kunde fragt, was mit dem Anschluss in Leipzig ist. Oder wenn sie in Osnabrück schon ein Nervenbündel sind wegen des Anschlusses in Bremen an den Metronom. Oder in Gegenrichtung in Duisburg vom RE 2 auf den RE 5. Usw.

Stunden vorher traktieren sie den Navigator. Und sind panisch und unruhig im Dauerzustand.

Das ist mir auch aufgefallen, und ich frage mich, woher kommt dieser Wahn? Hausgemacht, DB-gemacht oder eine Mischung aus beidem? Da Du das Ohr an der Masse hast, interessiert mich Deine Einschätzung dazu.

Ich vermute:

Sie sind Bahn einfach nicht gewohnt. Da fremdeln sie.

Dazu negative Erfahrungen oder/und Vorurteile: selbst bei großzügigen Anschlüssen, die sie locker erreichen, auch weil wir pünktlich sind, röcheln sie in einer Mischung aus Panik und Trance über die Bahnsteige. Alles Denken ist abgeschaltet. Sie hören auch nirgendwo hin und sehen nur die Hälfte, wenn überhaupt. In der Vorstellung ist der Anschluss knapp; immer! Dass es mal anders sein könnte, ist unvorstellbar.

Und: der Deutsche will Sicherheit! "Der Schaffner in Emden hat mir versprochen, dass ich hier in Leipzig den Anschluß bekomme!!!" Aber da jeder Horrorstorys der Bahn kennt oder einen kennt, der welche kennt, haben sie selbst dann kein Vertrauen.

Dazu diese behördlich angehauchten Sprechtexte 'von oben herab'.

Witzig immer: "Bei Fragen und Wünschen steht Ihnen das Team des ICE gerne zu Verfügung." Wenn es denn dann mal durchkäme ...


Es ist also das Nicht-Kennen des Eisenbahnsystems, die Unruhe bei Unsicherheit insbesondere bei Anschlüssen und das Nichtvertrauen in die Handlungen der Eisenbahner und im Hirn festgesetzte hochstilisierte negative Erlebnisse ("Ich mußte 25 Min in Köln Hbf warten! Freitag mittag! Fast allein! Wenn man mich überfallen und ausgeraubt hätte ... Ich könnte tot sein!").

Und dann die Jugend von heute und die Macher! Das Leben ist durchgetaktet. Man hat keine Zeit. Für die nächsten 17 Wochen sind alle Termine perfekt aufeinander abgestimmt. Null Leerlauf. Guck dir unseren Wiener Vertreter hier an: die Bim ist 2 Min zu früh ==> alles bricht zusammen. Also muss alles passen. Und das muss ja pausenlos überprüft werden. Damit im Störungsfall frühzeitigst ein KONZEPT erarbeitet werden kann - ein Störungs-Alternativ-KONZEPT.

In den Zug einsteigen, sich in den Sessel plumpsen lassen, rausgucken und nichts tun - dafür hat man heutzutage keine Zeit. Schließlich hat man Jahrzehnte studiert, um jetzt Milliardär zu werden und sich selbst zu optimieren, zu verwirklichen usw.

Schöne Grüße von jörg


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