Gesellschaftliche Aufgabe (Allgemeines Forum)

ICE 1517, Sonntag, 14.02.2021, 16:31 (vor 17 Tagen) @ 611 040

Natürlich könnte man flächendeckend Personal und Maschinen für den Winterdienst vorhalten, wie zu Bundesbahnzeiten, aber im Gegensatz zu heute waren damals schöne schneereiche Winter auch noch alljährlich.
Das Ganze kostet sehr viel Geld und wird vielleicht an 10-20 Tagen in 5 Jahren gebraucht. Da kann man das Geld wirklich sinnvoller einsetzen und die Situation an den paar Tagen hinnehmen und natürlich mit vorhandenem Material und Personal das bestmögliche versuchen. (Und das auch den Kunden kommunizieren, nicht das der Eindruck entsteht man will gar nicht, das SEV günstiger ist!)


Das Verständnis, was man hier aber für die Bahn aufbringen soll, muss dann auch der Arbeitgeber aufbringen, wenn man nicht auf Arbeit erscheinen kann. Also der gefühlte Druck, unbedingt auf Arbeit erscheinen zu müssen, ist in Deutschland immer noch so hoch, dass am Montag sich viele Leute hier auf die Straße begeben haben, obwohl alle es besser wussten und jeder klar sehen konnte, dass das nix wird oder stundenlang dauern wird. Am Ende hängt's jedenfalls stark vom Arbeitgeber ab, ob das jetzt einfach mal in Ordnung geht oder man die Stunden nachholen muss oder sogar einen Urlaubstag opfern muss.

Und solange das so ist und wir über einen Mobilitätswandel reden (Umstieg vom Auto zu Schiene/Straßenbahn/Bus), muss eigentlich die Erwartungshaltung eine andere sein. Wenn jemand wirklich erwartet, dass wir auf's Auto verzichten sollen, dann muss der öffentliche Verkehr laufen, sobald es auch das Auto wieder hinkriegt. Und dann müssen wir als Gesellschaft dafür auch mehr Anstrengungen aufbringen. Und da rede ich nicht nur vom Finanziellen. Wenn wir sowieso nicht auf Arbeit können, können wir uns doch vielleicht auch nützlich machen?

Also ich bewundere die Aktion hier in Leipzig, dass ein Sportverein die Straßenbahntrasse der Linie 11 nach Schkeuditz freigeschippt hat. (Zeitungsmeldung)

Bei uns auf Arbeit war's präventiv aufgrund der Schneehöhe angebracht, das Dach vom Schnee zu befreien. Und das ist jetzt kein Witz: Aus Arbeitssicherheitsgründen darf keiner dieses verdammte Dach betreten, weil man ja über eine nicht sichtbare Kante/Leitung stolpern könnte oder am Rand runterfallen könnte. Am Ende ist eine Dachdeckerfirma gekommen und hat's gemacht.
Wenn ich aber zuhause meinen privaten Räumpflichten nachkomme und ich ausrutschen könnte, ist das kein Problem? (abgesehen davon, dass in Leipzig sowieso die wenigsten das selbst tun müssen und eher Hausmeisterdienste in der Pflicht stehen)

Und an solchen Dingen wird's dann auch wieder scheitern, wenn man über ein ehrenamtliches Freischippen von Schienen nachdenken würde. Aber dann wird eben trotzdem jeder ein Auto in der Garage zuhause stehen haben, um für die Tage gewappnet zu sein, an denen der öffentliche Verkehr mal wieder stillsteht. Und wenn er's schon mal hat, wird er es auch noch an genug anderen Tagen nutzen.

Was ich am Ende jedenfalls damit sagen will: Wenn wir den Mobilitätswandel haben wollen, dann muss die Bahn sich auch so aufstellen, dass sie die nötige Technik und das Personal hat, um auch nach schweren Wetterereignissen den Betrieb zügig wieder aufnehmen zu können. Und das sollte es uns dann auch wert sein. Und das Nonplusultra wär's, wenn wir das auch als gesellschaftliche Aufgabe begreifen würden und notfalls mit eigener Muskelkraft mitanpacken.


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