Mottgers-Dreieck: hoher Nutzen für Großinvestition? (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Mittwoch, 05.02.2014, 12:23 (vor 4443 Tagen) @ sb

Hallo sb,

Bzgl. "Fernverkehrshalt in Aschaffenburg" wird häufig übersehen, dass die Achse Frankfurt – Würzburg zwei Zugprodukte des Personenfernverkehrs verträgt: Ein schneller mindestens stündlicher ICE mit einer Kantenzeit Frankfurt Hbf – Würzburg Hbf von 45' und ein mittelschneller stündlicher IC/EC mit Zwischenhalt in Hanau und Aschaffenburg mit einer Kantenzeit von 1h15'.

Frankfurt-Würzburg in 45 Minuten, das wäre mir neu.
F-HU-AB-WÜ in 1:15 kann ich mir vorstellen; Ist-Zeit F-(HU/AB)-WÜ ist ja 1:07 bis 1:10.

Bzgl. "Naturschutz" müssen bei der Mottgers-Spange zwar einige Schutzbedürfnisse beachtet werden, doch ihr großer Nutzen direkt für den ICE-Verkehr und indirekt für den Güterverkehr dürfte auch ökologisch im Sinne einer maßgeblichen Verlagerung großer Verkehrsströme von der Straße auf die Schiene erkennbar werden.

Bin ich mir nicht sicher.

1. Die Betuweroute hat auch nur Züge von anderen Strecken übernommen, vor allem von der Brabantroute. Aber auf den West-Ost Autobahnen A 12, A 15, A 59 und A 58 reihen sich die LKWs nach wie vor aneinander, wie ich jeden Tag beobachte auf der Fahrt Eindhoven-Utrecht v.v.
2. Ähnlich sieht es auch bei der HSL-Zuid. Auch hier haben sich die Staus rundum Den Haag und Rotterdam nicht spürbar verringert (und wenn doch, dann eher wegen Strassenausbauten).

Ich befürchte, die Rolle der Schiene als Strassenentlaster wird gross überschätzt.

Bzgl. "Trassierung" sollte darauf geachtet werden, diese Neubaustrecke als echte ICE-Strecke wie die NBS Frankfurt – Köln mit 35 Promille Längsneigung und entsprechenden Überhöhungen in Gleisbögen für ca. 300 km/h auszulegen.

Nur schade, dass die Mehrheit der geplanten Fernzüge die 300 km/h nicht schaffen werden.
DB Fernverkehr hat sich ja für den ICx entschieden, und da ist es bei 250 km/h Schluss.
Vorteil ist aber, dass man damit die IC-Leistungen schneller werden. Statt einige Fernzüge auf 300 km/h anzuheben, hiebt man alle Fernzüge auf 230-250 km/h an.

Bzgl. "Güterverkehr" sollte eingesehen werden, dass dieser auf den bisherigen HGV-Strecken nur ein politischer Vorwand war, welcher aber die Kosten wesentlich erhöhte. Gerade für den Güterverkehr Frankfurt – Fulda/Würzburg stünden dann auch tagsüber mehr Fahrplantrassen zur Verfügung; nachts bliebe es beim Status Quo.

Wenn ich das richtig verstanden habe, wird die Spessartrampe entschärft. Dann fahren die Cargos über die entschärfte Strecke und die Regios und Fernzüge über die heutige Strecke. Mehr wird dort wohl nicht mehr passieren. Schade für uns ICE-Fans, aber zumindest wird der Güterverkehr etwas weniger von ICEs behindert und Aschaffenburg wird zumindest kein Abschaffen-Burg.

Frankfurt-Fulda ist heute schon 60 Minuten Kantenzeit. So betrachtet kann ich die Argumentation für Kapazität zustimmen. Eine Milliarden kostende Mottgers-Spange, die den ICE-Reisenden keine Fahrzeitgewinne bringt, ist dann politisch nicht mehr verteidigbar.
Bei uns hat die Hanzelijn ja auch nicht die versprochenen Fahrzeitgewinne Amsterdam-Zwolle erreicht; in den 1970ern waren die guten alten "IC"s via Amersfoort sogar schneller.

Eine solche Großinvestition würde die verkehrspolitischen Bedürfnisse mit dem weit verbreiteten Glauben, Großprojekte seien Fortschritt an sich, wenigstens an einem Projekt vereinen – und damit die politische Unterstützung ausnahmsweise auch in zielführende Projekte leiten.

Ich befürchte, es ist wahrscheinlicher, dass Gelnhausen und/oder Schlüchtern ICE-Halte werden, als dass die Mottgers-Spange kommt.

Geld ist im Moment ja knapp. Die billigste Art und Weise, Kapazität zu schaffen, ist Reduzierung der Fahrzeit-Unterschiede, und zwar dadurch, dass die schnellen Züge langsamer fahren.
Bei uns wurde ja auch der "IR" geopfert und übernahm der "IC" dessen Aufgaben -> der "IC" wurde langsamer. Nur so wurde bei uns der 15-Minutentakt auf zwei Gleisen möglich.


gruss,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum