Ich würde das etwas abgemilderter sehen ! (Allgemeines Forum)

GUM, Montag, 05.09.2011, 10:42 (vor 5328 Tagen) @ Felix

Das deutsche öV-Denken ist darauf fixiert, durch Angebotsverbesserungen und -ausweitungen soviele Menschen aus der Klasse C für die Bahn zu gewinnen. Um das finanzieren zu können, presst man die Klasse A bis zum Letzten aus.

Dies würde ich etwas abgemilderter sehen. Klar es gibt eine Quersubventionierung zwischen den Kunden, die ist aber politisch gewollt und insbesondere im Nahverkehr fahren die Bahngesellschaften als spezialisierter Auftragnehmer für die öffentliche Hand.

Im Grunde besteht die DB - auch wenn es sich um eine Gruppe handelt - also aus ganz unterschiedlichen Unternehmen. Und der DB Fernverkehr "presst" nicht die "Klasse A" bis zum Letzten aus, sondern betreibt Gewinnmaximierung. Auch die ist politisch gewollt, weil es sich dort sozusagen um den privatwirtschaftlichen Teil des Staatsunterehmens handelt.

In den Märkten gibt es dabei meist zwei extrem erfolgversprechende Strategien:

1.) Volumen hoch und Deckungsbeitrag/Gewinnmargen runter. Dies würde bedeuten alle halbe Stunde einen IC auf jeder Linie, B-Wagen mit 88 Plätzen und einem entsprechend reduzierten Sitzkomfort und Fahrpreis. Sind die über 1.232 Plätze eines Zuges nicht verkauft, so kommen verschiedene Verramschstrategien bis hin zu last minute oder stand-by Fahrkarten zum Zuge. Getränke gibt´s dann aus dem Automaten, Gepäck kostet extra.

2.) Die Qualitätsstrategie: Diese geht von einem Zug pro Stunde pro ICE-Linie aus, der ganz nach Nachfrage 7 oder 14 Wagen haben kann. Es werden unterschiedliche, differenzierte Produkte angeboten (1. und 2. Klasse) und ein Servicewagen mit 50 Tonnen Gewicht mitgeschleppt, der ein paar Plätze sowie Speisemöglichkeiten für alle Passagiere anbietet. Der 14 Wagen Zug verfügt demnach auch nur über ca. 900 Plätze.

Es wird von frühmorgens bis spätabends gefahren. Der "5 Uhr Aufsteher" bekommt also für seine Geschäftsreise jederzeit eine Rückfahrt angeboten, der "easytrain" Kunde hat mit Fahrplanlöchern zu kämpfen.

Und so ist es dann auch zu verstehen, dass der Qualitäts-Mobilitätsdienstleister die XY Preise von "easytrain" niemals erreichen wird. Zumal er eine Multi-Channel-Strategie betreibt aus persönlicher Beratung am Telefon, am Verkaufspunkt und im Internet. Von einer "Eincheckgebühr" von "easytrain" von XY Euro bei Kauf des Fahrscheines am Bahnsteig ganz zu schweigen.

Aufgrund dieser ganz unterschiedlichen Produkte und einer differenzierten Preisbasis KANN das Qualitätsunternehmen gar nicht so billig liefern.


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