Hättet Ihr lieber eine noch billigere Bahn? (Allgemeines Forum)

Henrik, Samstag, 03.09.2011, 02:03 (vor 5336 Tagen) @ Felix

In Göttingen gibt's (auch) für die ausländischen Studierenden ein Semesterticket, mit dem man zum Nulltarif* ganz Niedersachsen, Hamburg, Bremen, Kassel, Paderborn, Nordhausen und neuerdings auch Eisenach erkunden kann. Is doch was, oder?!
(*Die Gebühr für das Semesterticket von ca. 80 € ist obligatorischer Bestandteil des Studienbeitrags)

Erstens hat er nicht in Göttingen studiert, sondern in Würzburg, wie ich schrieb. Zweitens: Nein, das ist nichts, denn er wollte alle Teile Deutschlands kennenlernen und nicht nur ein (in seinem Fall zwei) Bundesland.

Er sprach ja auch von sich aus. Und ein Semesterticket gibt es nicht nur in Göttingen und damit kommt man schonmal sehr weit. Das ist sicher nicht nichts.

Und die Aussage "Ohne Auto ist man in Deutschland aufgeschmissen" kann ich auch absolut nicht teilen. Ich habe selbst ein halbes Jahr in Frankreich gelebt und weiß, wie abhängig man dort vom Auto ist (wenn man nicht gerade zu den 18% der Franzosen gehört, die in der "Région parisienne" leben). Ich habe dort auch öfters mal die Bahn für Ausflüge genutzt, aber in Frankreich ist es auf manchen Verbindungen so, dass man ein 4-stündiges Loch hat in dem kein Zug in die gewünschte Richtung fährt; Flexibilität sieht anders aus! Danach wusste ich den deutschen Taktfahrplan wieder sehr zu schätzen, bei dem man nicht jede Verbindung nachschauen muss sondern einfach nur die Minutenzahl im Kopf haben muss.
Im Übrigen gab es unter meinen ca. 50 Kolleg(inn)en genau EINE, die mit dem Zug zur Arbeit fuhr - alle anderen mit dem Auto.

Die große Mehrzahl der Menschen lebt in Städten, das ist sowohl in Frankreich wie auch in Deutschland so. Bei Tagesausflügen ebenso wie bei weiten Reisen kann man mit geringer Bedienungsfrequenz durchaus leben, man muß sich eben an den Fahrplan anpassen.

Bahn ist ein Angebotsverkehr.
Der potenzielle Fahrgast kann damit leben ..... und benutzt im Zweifel dann das Auto oder fährt gar nicht,
doch kann die Bahn damit leben? Eben nicht. Sie hat für das Angebot zu Sorgen.
Genau, die Leute leben in Städten (in Frankreich noch mehr als in Deutschland) und gerade daraus generiert sich ein großer Quell-Ziel-Verkehr, dem die Bahn ein attraktives Angebot entgegenzusetzen hat, eben mit Taktverkehr.

(Er hat dann doch noch einige Ausflüge mit dem Baden-Württemberg- und dem Bayern-Ticket gemacht und sich wenigstens Süddeutschland angesehen. Als er mich besuchte, nutzte er Mitfahrgelegenheiten mit dem Auto zu je 12 Euro und 11 Euro (von Göttingen nach Frankfurt). Zum Vergleich: Mit dem Nahverkehr der Bahn kosten diese Strecken 38 Euro bzw. 37,20 Euro, also mehr als das Dreifache!)

[...]Im übrigen hätten "Kenner des Systems", wie es in einem anderen Beitrag schon genannt wurde, hier nicht den von dir genannten Preis gezahlt.[...]

Wie denn bitte? Für den Besuch konnte er sich erst kurzfristig entscheiden, für Sparpreise war die Vorausbuchungsfrist schon abgelaufen. Und die Resterampe gab es damals noch nicht. Und überhaupt, "Kenner des Systems": Wenn es jedem gegeben ist, zu einem solchen zu werden, wozu dann überhaupt die ganze Abzocke mit den Normalpreisen?

.....damit jeder zum Kenner wird? (siehe z.B. Billigflieger, Wochenmarkt, Aldi, SSV, Happy Hour ...)
Und mit den Normalpreisen erreicht man eben auch die nicht preissensiblen, die zeitsensiblen, die bereit sind, diesen Preis zu zahlen.

Nichts gegen Auslastungssteuerung, aber gerade im steuerfinanzierten Nahverkehr ist es ja gerade nicht möglich, billiger wegzukommen, indem man auf eine schwach ausgelasteten Verbindung etwa am späten Vormittag ausweicht.

Der hoch subventionierte Nahverkehr ist zunächst einmal per se schon günstig (politisch gewollt, auch je nach Bundesland unterschiedlich stark). Hier sind die Billigtickets erst ab späten Vormittag gültig, erst ab 9 uhr.


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