Hättet Ihr lieber eine billigere Bahn? (Allgemeines Forum)

Ludo, Niedersachsen, Freitag, 02.09.2011, 22:21 (vor 5396 Tagen) @ Felix

Dafür könnte dann aber jedermann flexibel und trotzdem preiswert Bahn fahren. Mir wäre dies auf jeden Fall lieber als die heutige Situation. Und Euch?

Ich finde die Situation so wie sie ist ganz OK. Immerhin blieb die Preiserhöhung Ende 2010 aus und das kann auch gerne so bleiben. Ansonsten kann ich mich nicht beschweren, auch nicht was die Zuverlässigkeit angeht: Selbst in 1 Monat WMinnen-Pass hatte ich keinen einzigen Anschlussverlust; höchste Verspätung war +30. Daumen hoch!

Dazu eine Geschichte: Als Freund von mir aus Spanien für zwei Auslandssemester zum Studium nach Würzburg ging, wollte er sich auch das Land ansehen. Nach ein paar Monaten in Deutschland war sein deprimiertes Fazit aber: "Ohne Auto ist man in Deutschland aufgeschmissen." Bahninteressierte diskutieren meist nur die Qualität und den Umfang des Angebots, aber für ihn war nicht dies das Problem, sondern allein die hohen Fahrpreise, die er sich nicht leisten konnte oder wollte.

In Göttingen gibt's (auch) für die ausländischen Studierenden ein Semesterticket, mit dem man zum Nulltarif* ganz Niedersachsen, Hamburg, Bremen, Kassel, Paderborn, Nordhausen und neuerdings auch Eisenach erkunden kann. Is doch was, oder?!
(*Die Gebühr für das Semesterticket von ca. 80 € ist obligatorischer Bestandteil des Studienbeitrags)

Und die Aussage "Ohne Auto ist man in Deutschland aufgeschmissen" kann ich auch absolut nicht teilen. Ich habe selbst ein halbes Jahr in Frankreich gelebt und weiß, wie abhängig man dort vom Auto ist (wenn man nicht gerade zu den 18% der Franzosen gehört, die in der "Région parisienne" leben). Ich habe dort auch öfters mal die Bahn für Ausflüge genutzt, aber in Frankreich ist es auf manchen Verbindungen so, dass man ein 4-stündiges Loch hat in dem kein Zug in die gewünschte Richtung fährt; Flexibilität sieht anders aus! Danach wusste ich den deutschen Taktfahrplan wieder sehr zu schätzen, bei dem man nicht jede Verbindung nachschauen muss sondern einfach nur die Minutenzahl im Kopf haben muss.
Im Übrigen gab es unter meinen ca. 50 Kolleg(inn)en genau EINE, die mit dem Zug zur Arbeit fuhr - alle anderen mit dem Auto.

(Er hat dann doch noch einige Ausflüge mit dem Baden-Württemberg- und dem Bayern-Ticket gemacht und sich wenigstens Süddeutschland angesehen. Als er mich besuchte, nutzte er Mitfahrgelegenheiten mit dem Auto zu je 12 Euro und 11 Euro (von Göttingen nach Frankfurt). Zum Vergleich: Mit dem Nahverkehr der Bahn kosten diese Strecken 38 Euro bzw. 37,20 Euro, also mehr als das Dreifache!)

Tja, die lieben Mitfahrgelegenheiten... Wer mit dem Risiko leben kann, der extrem riskanten Fahrweise eines Fahrers ausgeliefert zu sein, der möge das bitte machen. Dafür ist mir mein Leben zu schade. Beim Tf kann man wenigstens sicher sein, dass er an seine Vmax gebunden ist und diese Sicherheit lasse ich mir gerne ein paar Euro mehr kosten. Im übrigen hätten "Kenner des Systems", wie es in einem anderen Beitrag schon genannt wurde, hier nicht den von dir genannten Preis gezahlt. Und bei meiner heutigen Fahrt wäre eine Mitfahrgelegenheit teurer und auch nicht schneller gewesen als der Zug.


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