Drei Klassen von Reisenden (Allgemeines Forum)

Felix, Göttingen, Samstag, 03.09.2011, 11:41 (vor 5339 Tagen) @ Sören Heise

Hm. Wieviel Prozent der Eisenbahnfahrgäste in Deutschland sind im Regionalverkehr unterwegs, wieviele im Fernverkehr?
Ich finde jetzt auf die Schnelle nur hier die Angabe, daß die durchschnittliche Reiseweite irgendwo um die 41 km liegt. Dann sollte man doch eher alle Fernzüge einstellen, oder? ;-)

??? Tut mir leid, ich sehe weder den Sinn in Deiner Argumentation noch den Zusammenhang zum Thema.

Außerdem empfehle ich Dir, mal 41 Kilometer im Bus zu fahren und mit dem Zug zurück. Ich kann jeden verstehen, der lieber Zug fährt also Auto aber lieber Auto als Bus.

Du siehst die Welt nur aus Deiner Luxusperspektive. Für viele Menschen in Deutschland - wahrscheinlich sogar die meisten - besteht die Herausforderung darin, sich eine Reise überhaupt erst mal leisten zu können. Die Frage nach dem Verkehrsmittel ist nachrangig.

Im übrigen ist es in meinen Augen völlig verkehrt, Strecken isoliert zu betrachten. Es gibt immer Weiterreisende, die bei einer eventuellen Stillegung dann nicht nur bis zum nächsten Bahnhof das Auto nehmen, sondern gleich bis zu ihrem Ziel.

Magdeburg - Loburg ist immerhin im Einzigsbereich einer Großstadt, hier sollte trotz nicht so großer Orte und paralleler Bundesstraße ein vernünftiges Angebot möglich sein (was natürlich eine Modernisierung der Strecke voraussetzt, Stichwort teilweiser Busersatz wegen schlechtem Streckenzustand).

Nach meiner Erfahrung werden solche Nebenbahnen mit Zweistundentakt von Autofahrern sowieso immer gemieden. Die Autofahrer, die sich das Bahnfahren leisten können und wollen, fahren dann gleich zum nächsten ICE-Bahnhof, in den Zügen solcher Nebenbahnen sitzen dann nur noch die bekannten "captive riders", also Autolose, Alte usw. Und von denen wären wahrscheinlich die meisten glücklich, wenn sie sich öfter mal Reisen leisten könnten, weil die Fahrpreise massiv gesenkt würden, selbst wenn dafür ihre Bahnlinie auf Bus umgestellt werden müsste.

Ich denke, man kann in Deutschland grob drei Klassen von Reisenden unterscheiden:

A: Die Autolosen. Leben keineswegs alle auf ALG2-Niveau, aber oft haben sie einfach zu viele andere Interessen und Ausgaben, als sich ein Auto leisten zu können oder zu wollen. Für Reisen nutzen sie die für sie preisgünstigste Alternative und das ist mangels Alternativen immer noch die Bahn.
B: Die Autofahrer, das ist die Mehrheit der Bevölkerung. Aber daß sie sich ein Auto leisten bedeutet noch nicht notwendigerweise, daß ihnen das Geld locker sitzt. Für das Reisen nehmen sie die günstigste Alternative, und da Auto fahren außer seinen anderen Vorzügen auch noch massiv billiger ist als Bahnfahren (abgesehen von Rabattspielchen à la Nutella, für die die meisten einfach weder Zeit noch Nerv haben), fahren sie so gut wie nie Bahn.
C: Wohlhabende Autofahrer. Die haben so viel Geld, daß sie immer das Beste und Komfortabelste nehmen, ohne auf die Ausgaben achten zu müssen. Deshalb haben einige von ihnen auch Verwendung für die Bahn, wenn das Angebot gut ist.

Das deutsche öV-Denken ist darauf fixiert, durch Angebotsverbesserungen und -ausweitungen soviele Menschen aus der Klasse C für die Bahn zu gewinnen. Um das finanzieren zu können, presst man die Klasse A bis zum Letzten aus.


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