Meine Dauerschallplatte: Betrieb nach Gutdünken ... (Allgemeines Forum)

J-C, Da, wo ich grad gedanklich nicht bin., Freitag, 31.12.2021, 19:57 (vor 18 Tagen) @ Der Blaschke

Hey.

Ich kann mir gut vorstellen, dass der Bahn nicht so daran gelegen ist, dass solche Daten öffentlich sind. Ein Wagenreihungsplan suggeriert Planbarkeit, er weckt Erwartungen. (...)

Was will der Fahrgast? Er will wissen, wo er isich anstellen sollte, um 'seinen' Wagen zu erwischen.

Braucht man einen coolen Wagenreihungsplan auf Papier in Kooperation mit Rocco wie bei so einigen Bahnhöfen in Österreich? Oder ist ein Live-Monitor, der die tatsächliche Reihung anzeigt, wie in Österreich, die bessere Alternative? Oder am besten, man packt die Wagenreihung in die App, was ja bei der DB der Fall zu sein scheint. Es wird nicht immer 100% laufen, aber wenn es 80-90% gut läuft, passt es doch eh meist. Das Netz der DB ist halt so komplex, dass ich mich nicht wundere, wenn es nicht zu 100% läuft. So eine Komplexität findest du in Frankreich nicht und anderswo halt nicht die Dimensionen, die man in Deutschland vorfindet. Deutschland hat durchaus ein ausgeprägtes Streckennetz in Größe und Dichte. Das ist in vergleichbarer Form gar nicht so schnell zu finden in der näheren Nachbarschaft.

Vermutlich wird die ein oder andere Kundenbeschwerde in die Richtung gegangen sein, dass jemand akribisch seine Reise geplant hat und es am Ende wieder mal anders kam.

Ja, hat er Murphy's Law vergessen, kann passieren.

Und ich interpretiere es so, dass man nicht das Problem hinter den falschen Wagenreihungen oder abweichenden Fahrzeugeinsätzen ändern möchte, sondern lieber die Erwartungen der Kunden absenkt. Wenn der Kunde etwas nicht versprochen kriegt, kann er sich auch nicht darüber beschweren. (...)

Ich persönlich brauche gar nicht so die Richtung der Wagenreihungen, ich will die Wagenbaureihen. Dafür war vagonweb.cz ja super, jetzt kriegt man nur noch die Wagenreihungen von ausgewählten Ländern, Tschechien selbst ist nicht darunter. Zumindest nicht offiziell.

Die Seite war ja ziemlich akkurat. Bei PKP Intercity ist es freilich nicht möglich, die Wagenbaureihen korrekt zu kriegen, die variieren täglich beim selben Zug. Ansonsten jedoch konnte ich, je nach Kenntnis der Wagenbaureihen, recht gut vorhersagen, auf was für ein Komfortlevel ich mich einstellen kann bzw. ob sich ein Upgrade in die erste Klasse lohnt.

Deswegen ist eigentlich für mich immer vagonweb.cz von höchster Relevanz gewesen. fernbahn.de hat das nicht in dem Spektrum gehabt.

Und ich könnte mir vorstellen, dass die Bahn vielleicht auch sich ein wenig Beinfreiheit verschaffen möchte. Das erfordert vielleicht noch ein paar Anpassungen mehr, z.B. im Reservierungssystem. Aber wenn mir vorher schon gar nicht mehr mitgeteilt wird, dass ein ICE 3 eine bestimmte Leistung fährt, dann kann ich mich nicht mehr aufregen, wenn plötzlich ein 7teiliger ICE 4 am Bahnsteig steht. Und auf manchen Strecken ist es ja mittlerweile wirklich egal, ob ich einen ICE 2, 3, siebenteiligen ICE 4, ICE-T oder ICE 1 LDV hinstelle. Die Fahrpläne sind von allen Zugtypen zu halten, es geht nur noch darum, dass man die Reservierungen harmonisiert. Und vielleicht ist das der nächste Schritt, auf den die Bahn hinarbeitet.

Und ohne ICE wären es halt verschiedene Wagenbaureihen gewesen. Die haben durchaus unterschiedliche Komfortlevels.


Natürlich. DB FV wickelt den Betrieb nach eigenem Gutdünken ab. Läuft es mal = schön. Wenn nicht, dann eben nicht.

Mehr als 3/4 läuft ja schonmal.

Betriebsorganisation nach Gutsherrenart getreu dem Motto, WIR wissen schon, was richtig ist.

Das können sie, soweit es der Wettbewerb ihnen erlaubt. Allerdings bietet Flixtrain im Komfort schonmal keine Konkurrenz, soweit ich es sehe. Wär ja nice, wenn Regiojet sich erbarmt, nach Deutschland zu expandieren.

Der Eigentümer ist weitgehend ahnungslos und auch nicht sonderlich interessiert.

Würde ich pauschal nicht so sagen, die Politik hat durchaus einiges bewirkt, siehe Deutschlandtakt. Das ist meiner Meinung nach schon solide, da ja auch durchaus die Infrastruktur entsprechend ausgebaut wird. Das ist ja das, was man im Prinzip die ganze Zeit sehen wollte.

Und der Kunde muss die Zustände hinnehmen oder wegbleiben. Da gebärt sich die Unternehmensleitung als eine Art Staat im Staate. Nach all den Jahrzehnten gibt's da im Konzern noch reichlich Beamtendenken.

Oder er nimmt den Flieger, den Bus, einen Zug der Konkurrenz, je nach Relation... oder das Auto. Jedenfalls wird die DB dann Kunden verlieren, da bringen Kundenbindungsprogramme auch nicht so viel.

Deswegen ist es so verwunderlich, dass so mancher das Heil der Eisenbahn in einer Art Reverstaatlichung sieht.

Aber die DB ist doch eine AG mit dem Staat als Eigentümer... was willst du denn da noch verstaatlichen? Ich denke nicht, dass eine Organisation á la Bundesbahn wirklich der große Bringer wird.

Und vergißt, dass die Bundesbahn zuletzt auch völlig am Ende war. Hoffnungslos überschuldet, total veraltet, Stilllegungen ohne Ende.

Das ist eben die Verklärung, die man vom "früher war alles besser" ja mehr als gut genug kennen wird. Ich fand meine Schulzeit ja jetzt auch irgendwie zumindest teilweise besser, weil ich weniger Verantwortung hatte... aber wehe ich denke daran, wie es eigentlich damals war. Dann bin ich wieder froh, dort zu sein, wo ich bin.

Solange die jetzige Führung aber faktische Narrenfreiheit genießt, wird es niemals was mit einer Renaissance der Eisenbahn. Der Konzern gehört zerschlagen in zig Einzelteile. Das Netz muss ähnlich verwaltet werden, wie es beim Deutschlandtarif jetzt geschieht. Ansonsten müssen alle Betriebsgesellschaften völlig unabhängig von staatlichem Einfluß sein.

Und du glaubst, dass uns das weiterbringt. Das bestehende System kann funktionieren. Die Schweiz kann das ja auch, hat das halt etwas weiterentwickelt. Österreich hat derweil ja ein sehr ähnliches Modell wie Deutschland, sogar ohne dass man Regional- und Fernverkehr in separaten Gesellschaften unterbrachte.

Notabene: im NV ist es ähnlich. Was die DB kann, wenn sie muss und was sie läßt, wenn sie nicht gezwungen wird, läßt sich jede Stunde in Osnabrück am Bahnsteig Gleis 4 und 5 Nord besichtigen. Wenn sich der NRW-RE 2 und der Nds.-RE 9 gegenüberstehen. Beides Dosto-Parks. Der eine stets sauber von außen; der andere stets völlig verdreckt.

Kann davon abhängen, wie die Betriebsführung aussieht.

Aus meiner Zeit in Hamburg weiß ich, dass die Regionalbahn Schleswig-Holstein ein erhebliches Problem mit Graffiti hatte. Du findest kaum einen Zug vor, der kein Graffiti hat. Derweil kriegt es die DB Regio Nordost auf dem RE1 Hamburg-Rostock eben besser hin, die Züge sauber zu halten. Ganz einfach, weil die DB Regio Nordost ihre Züge nicht irgendwo im Freien rumstehen lässt, sondern geschützt übernachten lässt.

Und so braucht es im FV auch massiv Druck auf die Betreiber. Auch und gerade, wenn der DB heißt.

Bestellter Fernverkehr sag ich dir! Das ist die Lösung. Weil dann kann ein Aufgabenträger Vorgaben machen. Oder meinetwegen Konzessionen im eigenwirtschaftlichen Fernverkehr. Der Staat vergibt Konzessionen und gibt dafür Qualitätskriterien vor. So wie in der Schweiz halt.


Schöne Grüße von jörg

Gruß von J-C

--
Reisehäppchen für zwischendurch gefällig?
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(Bildquelle: ČD)


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