Meine Dauerschallplatte: Betrieb nach Gutdünken ... (Allgemeines Forum)

Der Blaschke, Donnerstag, 30.12.2021, 20:44 (vor 25 Tagen) @ ICE 1517

Hey.

Ich kann mir gut vorstellen, dass der Bahn nicht so daran gelegen ist, dass solche Daten öffentlich sind. Ein Wagenreihungsplan suggeriert Planbarkeit, er weckt Erwartungen. (...)

Vermutlich wird die ein oder andere Kundenbeschwerde in die Richtung gegangen sein, dass jemand akribisch seine Reise geplant hat und es am Ende wieder mal anders kam. Und ich interpretiere es so, dass man nicht das Problem hinter den falschen Wagenreihungen oder abweichenden Fahrzeugeinsätzen ändern möchte, sondern lieber die Erwartungen der Kunden absenkt. Wenn der Kunde etwas nicht versprochen kriegt, kann er sich auch nicht darüber beschweren. (...)

Und ich könnte mir vorstellen, dass die Bahn vielleicht auch sich ein wenig Beinfreiheit verschaffen möchte. Das erfordert vielleicht noch ein paar Anpassungen mehr, z.B. im Reservierungssystem. Aber wenn mir vorher schon gar nicht mehr mitgeteilt wird, dass ein ICE 3 eine bestimmte Leistung fährt, dann kann ich mich nicht mehr aufregen, wenn plötzlich ein 7teiliger ICE 4 am Bahnsteig steht. Und auf manchen Strecken ist es ja mittlerweile wirklich egal, ob ich einen ICE 2, 3, siebenteiligen ICE 4, ICE-T oder ICE 1 LDV hinstelle. Die Fahrpläne sind von allen Zugtypen zu halten, es geht nur noch darum, dass man die Reservierungen harmonisiert. Und vielleicht ist das der nächste Schritt, auf den die Bahn hinarbeitet.


Natürlich. DB FV wickelt den Betrieb nach eigenem Gutdünken ab. Läuft es mal = schön. Wenn nicht, dann eben nicht.

Betriebsorganisation nach Gutsherrenart getreu dem Motto, WIR wissen schon, was richtig ist. Der Eigentümer ist weitgehend ahnungslos und auch nicht sonderlich interessiert. Und der Kunde muss die Zustände hinnehmen oder wegbleiben. Da gebärt sich die Unternehmensleitung als eine Art Staat im Staate. Nach all den Jahrzehnten gibt's da im Konzern noch reichlich Beamtendenken.

Deswegen ist es so verwunderlich, dass so mancher das Heil der Eisenbahn in einer Art Reverstaatlichung sieht. Und vergißt, dass die Bundesbahn zuletzt auch völlig am Ende war. Hoffnungslos überschuldet, total veraltet, Stilllegungen ohne Ende.

Solange die jetzige Führung aber faktische Narrenfreiheit genießt, wird es niemals was mit einer Renaissance der Eisenbahn. Der Konzern gehört zerschlagen in zig Einzelteile. Das Netz muss ähnlich verwaltet werden, wie es beim Deutschlandtarif jetzt geschieht. Ansonsten müssen alle Betriebsgesellschaften völlig unabhängig von staatlichem Einfluß sein.

Notabene: im NV ist es ähnlich. Was die DB kann, wenn sie muss und was sie läßt, wenn sie nicht gezwungen wird, läßt sich jede Stunde in Osnabrück am Bahnsteig Gleis 4 und 5 Nord besichtigen. Wenn sich der NRW-RE 2 und der Nds.-RE 9 gegenüberstehen. Beides Dosto-Parks. Der eine stets sauber von außen; der andere stets völlig verdreckt.

Und so braucht es im FV auch massiv Druck auf die Betreiber. Auch und gerade, wenn der DB heißt.


Schöne Grüße von jörg


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