Frage/Diskussion: Neigetechnik ja/nein (Allgemeines Forum)

ice-t-411, Dienstag, 24.08.2010, 14:07 (vor 5790 Tagen) @ Oscar (NL)
bearbeitet von ice-t-411, Dienstag, 24.08.2010, 14:09

Hi!

Das war aber Ende der 90er. Jetzt ist es 2010. Frage: wo wird in Deutschland heutzutage noch bogenschnell gefahren? Bezüglich Fernverkehr fällt mir nämlich gar nichts mehr ein. Soweit ich weiß fahren die 411/415 nur mit Komfortneigung (also nicht bogenschnell), die Diesel-ICEs befahren grundsätzlich Strecken ohne GNT und neigende 611er/612er habe ich letzter Zeit auch nicht mehr gesehen. Verbleiben nur noch die 610er, aber das sind "nur" Regionalzüge.

610 fährt bogenschnell, 611 u. 612 laut letzter DB Aussage ab Dezember '10 auch.

- Welche positiven Eigenschaften haben CH/IT/UK/SE, die Deutschland nicht hat?

Keine. Der Schweiz muss man zu Gute halten, dass sie sehr auf ihren ITF achten und deshalb die Neigetechnik einsetzen. In Italien hat man sich sehr lange (auf Staatskosten) mit der Neigetechnik beschäftigt und deshalb sehr sehr ausgereifte Züge. Allerdings hatte man dort auch den Cisalpino, der lange nicht gut funktioniert hat. In Schweden hatte man Probleme mit den X2000 die zur zeitweisen Einschränkungen führten und auch in England gab es Ausfälle der Pendolinos.

Letztlich ist die Technik komplex aber beherrschbar, wie jedes moderne Eisenbahnfahrzeug.

- Welche negativen Eigenschaften hat Deutschland, die CH/IT/UK/SE nicht haben?

610: Bundesbahn-Technik + Pendolino: Funktioniert
611/612: erstes Eigenprojekt von Bombardier/Adtranz nach der Bundesbahn-Zeit, dadurch massive Qualitätsprobleme, weil die technische Erfahrung nicht vorhanden war und letztlich alles auch noch billig sein musste.
411/415: Neigetechnik hat größtenteils immer funktioniert, Abschaltung auf Grund der ICE3-Achsen-Problematik. Keiner weiß ob die Belastung durch Neigetechnnik eine großen Unterschied macht, aber man geht auf Nummer sicher.
605: Die Neigetechnik war in diesem Zugsystem obwohl komplett neu entwickelt nicht das entscheidende Problem. Stattdessen funktionierte das Gesamtsystem nicht, die Achsen machten Probleme (siehe oben) und die DB verlor letztlich das Interesse. Meiner Meinung nach ist die Neigetechnik im ICE TD die technisch überlegene Lösung.

- Sind die überall behaupteten Fahrzeitgewinne von 20-30% überhaupt zu erreichen?

Auf geeigneten Strecken lassen sich 10-20% Fahrzeitersparnis herausholen. Alles andere ist unrealistisch, meistens sind es um die 10-15%, dass kann aber im Fahrplan sehr viel ausmachen. 20-30% werden in der Literatur NIE genannt.

Nur mal als Ansatz: Statt einer Stunde würde man dann etwa 50 Minuten benötigen.

- Sind Fahrzeitgewinne mit Neigetechnik wirklich billiger zu haben als mit ABS/NBS? Ertüchtigung einer Strecke ist ja auch nicht billig.

Ja, deutlich. Ertüchtigung Neigetechnik kostet ca. 250 000 - 500 000 Euro, eine NBS kostet 5-10 Millionen Euro pro km. Und ein Ausbau für Neigetechnik stellt eine ABS da, daher ist der Vergleich unsinnig.

Auch pro Minute gesparte Fahrzeit ist das noch deutlich günstiger.

Ansonsten verweise ich auf meine Website: http://www.bogenschneller.de

Gruß
Johannes


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