Quatsch (Allgemeines Forum)

Axel252525, Donnerstag, 02.09.2021, 13:27 (vor 17 Tagen) @ agw
bearbeitet von Axel252525, Donnerstag, 02.09.2021, 13:28

Wenn ich mich nicht verlesen habe, bietet die Deutsche Bahn der GDL für 2021 weiterhin 0,0% Lohnerhöhung an. In Anbetracht der vorhandenen Inflation sagt der Vorstand also nichts anderes "arbeitet für weniger als bisher weiter, Euer Kaufkraftverlust interessiert uns nicht".

Diese Argumentation habe ich ja nie verstanden: "Mein nächstes iphone wird teurer, ich brauche mehr Lohn".
Die Inflation muss doch erwirtschaftet werden. Bahn-intern kann das nur durch höhere Produktivität passieren.

Und nein, Preise kann man auch nicht beliebig erhöhen um in gleicher Höhe den Umsatz zu steigern. Mal abgesehen davon, dass das auch wieder die Inflation (für Bahnfahrer) ankurbeln würde.


Die Argumentation ist aber goldrichtig: denn die meisten Unternehmen, auch die Bahn, legen die Inflation bzw. allgemeine Preissteigerungen im Einkauf konsequent auf höhere Verkaufspreise um. Bei der Inflationsrate spricht man nicht umsonst auch von Teuerungsrate, weil sie eben nicht nur die reine Geldentwertung durch Geldmarktpolitik umfasst.


Das Argument ist eben nicht goldrichtig, sondern völlig falsch. Was du da willst, ist eher eine Lohn-Preis-Spirale.

Wir reden hier auch nicht von iPhones, sondern von Kraftstoff, Fahrkarten, Mieten, Lebensmitteln und allem was zur gesellschaftlichen Teilhabe gehört.
Und sich für das gleiche Gehalt weniger leisten zu können, entspricht faktisch einer Lohnminderung.


D.h. du bist für automatische Lohnkürzungen, sobald mal was billiger wird? Gibt ja oft "Deflation", wenn der Ölpreis stark fällt. Das muss die Bahn dann sofort vom Lohn abziehen, richtig?

Bin ich persönlich nicht. Wir betrachten hier ja Durchschnitte in den Preissteigerungen, die dementsprechend unspezifisch ausgeglichen werden.
Ich gehe deinen Umkehrschluss aber insoweit mit, dass es in Jahren mit einer Inflationsrate = 0 auch keinen Grund gibt, den Lohn von Gehaltsgruppen pauschal zu erhöhen.


Aber soll ich dir was sagen: diese Diskussion führen witzigerweise vor Allem die Leute, die von sinkenden Reallöhnen selber betroffen sind. Und zerreden damit sich selber und anderen das eigene Gehalt und sorgen so selber noch für mehr soziale Ungleichheit.


Soziale Ungleichheit erreicht man vor allem dadurch, dass du jetzt die Ticketpreise für Leute erhöhen willst, die sich keine Alternative haben oder leisten können (Auto, Home Office).
Aber soll ich dir was sagen: Mehr Inflation fordern meist die, denen diese egal ist.

Die Ticketpreise werden so oder so erhöht. Und wenn auch die Kindergärtnerin 2% mehr bekommt, genauso wie alle anderen Teilnehmer des Wirtschaftssystems, läuft es bei allen in Bezug auf die reale Kaufkraft auf 0% Änderung hinaus. Nur, das ich für das gleiche Stück Papier künftig weniger bekomme, dafür aber auch mehr Stücke von dem Papier.

Manchmal kann ich da nur noch mit dem Kopf schütteln und muss es, entgegen meiner inneren Einstellung für mich positiv sehen: solange die niedrigeren Lohngruppen selber dafür sorgen, dass die Lohnsteigerungen insgesamt möglichst gering ausfallen, bleibt für das andere Ende des Gehaltsspektrums ein größeres Stück vom Kuchen.


Umgekehrt wird ein Schuh draus. Wer Preissteigerungen da fordert, wo die niedrigen Lohngruppen besonders betroffen sind, hat für sich am anderen Ende des Gehaltsspektrums am wenigsten Nachteile davon. Verstehen aber nicht alle.

Wie wäre es mit beidem zusammen? Steuererleichterungen so gestalten, dass man am oberen Ende profitiert und das untere Ende ruhig gestellt ist + gleichzeitig unter Vorgabe wichtiger Gründe, wie von dir skizziert, bestimmte Dinge so bepreisen, dass es einen am oberen Ende nicht interessiert und das untere Ende unverhältnismäßig stark trifft?
[Satz könnte erhebliche Spuren von Ironie und Satire enthalten].


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