Prüfung eines deutschlandweiten Bahn-Taktfahrplans (1) (Allgemeines Forum)

ThomasK, Sonntag, 12.05.2013, 20:17 (vor 4745 Tagen) @ Lumi25

Ich frage mich warum hier immer Träumereien niedergeschrieben werden, die nie realisiert würden. Keiner würde neben einer 200 km/h-Strecke noch eine 300 km/h-NBS bauen.


Das waren mal Überlegungen, die zeitweise intern angestellt worden sind, aber mangels Finanzierbarkeit wieder verworfen worden sind.

Abgesehen davon ist es lediglich eine politische Entscheidung. Die Schweiz gibt sechsmal soviel aus pro Einwohner und Jahr für die Eisenbahn wie Deutschland und jetzt gibt es eine Volksabstimmung darüber, ob noch mehr Geld in die Eisenbahn investiert wird. Hat sie 2014 Erfolg, was ich sehr hoffe, dann würde die Schweiz selbst in absoluten Zahlen mehr Geld in die Eisenbahn investieren als Deutschland. In diesem Fall würden die Schweizer per Volksabstimmung das Parlament überstimmen und zwingen die Mittel für den Ausbau des ÖV deutlich zu erhöhen und dafür Gelder aus dem Mineralölsteueraufkommen zu verwenden. Näheres siehe

Volksinitiative pro öffentlichen Verkehr Schweiz

Wenn man nicht die Steuergelder in unsinnige Bankenrettungspakete gesteckt hätte oder Pleitebanken durchgefüttert hätte, hätte man das gesamte Netz alles schon finanziert gehabt. Alleine die Bayern LB hat alleine 15 Milliarden € gekostet. Da hätte man aber in Bayern schon fast alles finanziert gehabt. Wie gesagt - alles nur eine politische Entscheidung.

Wenn man wollen würde, dann wäre das alles sehr wohl finanzierbar. Aber man will eben nicht. Das ist das Problem.

Bei der Achse Köln-Hamburg wäre es am besten die Strecke Dortmund-Hannover so zu ertüchtigen, dass dort schnelle Verbindungen nach Hamburg angeboten werden können gleichzeitig profitiert die Verbindung Köln-Berlin von dem Ausbau. Andererseits würden schnelle Züge Köln-Hamburg auch von der Alternative der Y-Trasse profitieren.

Ich halte daher einen Ausbau Dortmund-Bielefeld-Hannover für am sinnvollsten. Hierbei sollte darauf Wert gelegt werden den Abschnitt Dortmund-Hamm viergleisig auszubauen und die Ferngleise auf 230 vielleicht auch 250 km/h zu ertüchtigen. Der Bf. Hamm sollte mit zwei Tunnelröhren untertunnelt werden damit die 230-250 km/h durchgehend bis Bielefeld Hbf erhalten bleiben können.

Hierbei wäre eine Fahrzeit Dortmund-Bielefeld ohne Halt in Hamm von 30 Minuten bei 250 km/h möglich.


Was du sagst, ist alles völlig richtig. Das kann ich nur nachdrücklich unterstreichen. Aber dann muss eben der Bundestag mal in die Gänge kommen.

Übrigens sehe ich hier keinen Widerspruch zur NBS Hamburg - Osnabrück. Wenn die Eisenbahn so fantastisch ausgebaut ist, dann wirst du mal sehen wie die Fahrgastzahlen in die Höhe schiessen werden. Bereits heute fährt jeder Schweizer dreimal soviel mit der Bahn wie ein Deutscher. Bei einer Verdreifachung des Personenverkehrs ist beides volkswirtschaftlich rentabel. Alleine auf der Hauptachse Zürich - Bern sollen im Endausbau die IC-Züge alle 15 Minuten verkehren zuzüglich 4 IRs pro Stunde mit Zwischenhalten.


Bei Bielefeld-Hannover gestaltet sich die Sache schon schwieriger. Großartige NBS entlang der A2 halte ich für wenig sinnvoll, da man erst davon profitiert wenn alles fertig ist.

Ich halte einen kurze Neubauabschnitte Porta Westfalica - Bückeburg so wie Haste - Seelze für sinnvoll. Der Abschnitt Bückeburg - Haste würde viergleisig ausgebaut. Am Ende könnte man so den Abschnitt Löhne - Hannover mit 230-250 km/h befahren. Der Vorteil liegt daran, dass jede Fertigstellung eines einzelnen Bauabschnitts zu einer sofortigen Verbesserung führt.

Die Fahrzeit sollte sich von 47 Minuten damit auf unter 40 Minuten reduzieren lassen.

In Hannover selber wäre dann noch eine Verbindungskurve von der Strecke Bielefeld-Hannover zur Strecke Hannover-Hamburg nötig um schnelle Züge Köln-Hamburg zu ermöglichen.


Mit einer eigenständigen NBS für Vmax = 300 km/h könnte man auch zwischen Bielefeld und Hannover eine Kantenzeit von 30 Minuten erreichen. Ich räume allerdings ein, dass aufgrund der schwierigen Gegebenheiten an der Porta Westfalica so eine Strecke nicht für unter 4,5 Milliarden € zu haben ist.

Aber deine Ideen sind völlig korrekt. Für ganz Deutschland gibt es hochgerechnet einen Finanzbedarf für die Eisenbahn von etwa 100 Milliarden €; hinzu kommen weitere 100 Milliarden € für kommunale ÖPNV Projekte. Wenn man will, könnte man in den nächsten 20 Jahren das ganze Programm abarbeiten.

Wenn erst einmal der Liter Benzin 3,50 € kostet, dann werden die Menschen in Scharen auf die Bahn umsteigen. Hinzu kommt noch eine Verdreifachung des Güterverkehrs, der heute in Deutschland gerade mal einen Marktanteil von 17% hat. Läge er wie in der Schweiz bei über 50% dann kommen noch ganz andere Anforderungen auf die Schiene zu. Dann diskutiert man nicht mehr alleine darüber wie lange die Bundesregierung die Umrüstung der Güterwagen auf die K-Sohle verschlafen hat. ;-)

Bei einem Halbstundentakt könnte man dann auch zwischen Hamburg und Bremen sowie Bremen und Osnabrück sowie Bremen und Hannover jeweils mit einer Kantenzeit von 45 Minuten gut leben.


Grüße, Thomas


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