Prüfung eines deutschlandweiten Bahn-Taktfahrplans (2) (Allgemeines Forum)

ThomasK, Sonntag, 12.05.2013, 13:03 (vor 4746 Tagen) @ Anoj 1

Teil 2

Bevor man die NBS Nürnberg - Erfurt plante, gab es im Ministerium Überlegungen zu einem Projekt Deutsche Einheit für eine 300 km/h zu trassierende Y-Trasse, nämlich einer NBS Nürnberg - Werdau mit einem Nordast nach Altenburg und einem Ostast nach Tharandt. Diese Neubaustrecke wäre bei weitem besser gewesen als die NBS Nürnberg - Erfurt und zwar aus folgenden Gründen:

München - Berlin hätte man in 3:30 Stunden fahren können.
München - Dresden in 3 Stunden

Die Züge Nürnberg - Prag hätten bis zur Kurve Wunsiedel die NBS mitbenutzen können und wären dann bei Schirnding auf die bestehende Strecke eingefädelt.

Da Westsachsen bei weitem dichter besiedelt ist als der Thüringer Wald hätte sich zusätzlich ein schneller RE-Verkehr auf der NBS gelohnt.

Trotz der längeren Strecke wäre diese Strecke nicht teuer gewesen als die NBS Nürnberg - Erfurt, da der Bau einfacher gewesen wäre.

Die NBS Nürnberg - Werdau - Altenburg/Tharandt hätte zwischen Nürnberg und Leipzig eine Kantenzeit von 90 Minuten und zwischen Nürnberg und Dresden von 120 Minuten erreicht.

Es ist völlig zu Recht die Frage zu stellen, warum trotz der gewaltigen Vorteile der NBS Nürnberg - Werdau - Altenburg/Tharandt gegenüber der NBS Nürnberg - Erfurt diese nicht gebaut worden ist und die Thüringer die Sachsen derart über den Tisch ziehen konnten.

Ganz einfach: Es gab persönliche Animositäten zwischen Helmut Kohl und dem sächsischen Ministerpräsidenten Biedenkopf und eine alte Männerfreundschaft zwischen Kohl und Vogel aus Rheinland Pfälzer Zeiten. Da Kohl es liebte, von Ja- und Amen-Sagern umgeben zu sein und die sachlich korrekten Erwiderungen von Biedenkopf als Illoyalität wahrnahm, wollte Kohl Biedenkopf bestrafen und Vogel belohnen und setzte die NBS Nürnberg - Erfurt auf Teufel komm raus gegen den Rat der Fachwelt durch. Mit Kohls Hilfe konnten also die Thüringer die Sachsen seinerzeit über den Tisch ziehen.

Mittlerweile ist aber der Eisenbahnverkehr so stark angestiegen, dass es in ein paar Jahren dennoch möglich ist, dass die alte NBS-Überlegung Nürnberg - Werdau - Altenburg/Tharandt vielleicht doch wieder aus der Schublade hervorgekramt wird. Da die NBS Nürnberg - Erfurt dann schon in Betrieb ist, dürften die Thüringer dann - anders als damals - keinen erbitterten Widerstand mehr gegen die NBS Nürnberg - Werdau - Altenburg/Tharandt leisten, zumal sie selbst mit einer neuen NBS Göttingen - Erfurt belohnt werden könnten.

Die Tatsache, dass der Freistaat Bayern im Bereich Mittel- und Oberfrankens jetzt ein großangelegtes Ausbauprogramm zum BVWP angemeldet hat, zeigt Jahre später, was für eine gewaltige Fehlentscheidung es war auf die NBS Nürnberg - Erfurt anstatt Nürnberg - Werdau - Altenburg/Tharandt zu setzen. Die NBS Nürnberg - Erfurt ist - man muss es so klar sagen - verantwortlich dafür, dass die Deutsche Bahn zwischen Nürnberg und Prag nunmehr Busse einsezt. Mit einer NBS Nürnberg - Werdau - Altenburg/Tharandt wäre das niemals passiert.

Wenn der Eisenbahnverkehr so stark wächst, dann ist es durchaus möglich, dass die ursprünglich geplante NBS Nürnberg - Werdau - Altenburg/Tharandt TROTZ der NBS Nürnberg - Erfurt volkswirtschaftlich rentabel bist und sie vielleicht ZUSÄTZLICH gebaut wird (auch wenn die ursprünglich am Projekt Beteiligten dann schon alle in Pension sind :-)).

Wie gesagt:

Die Konzepte für den ITF Deutschland liegen alle in der Schublade. Die Politik muss entscheiden, ob man das will und dementsprechend vernünftig plant, oder ob man - so wie bisher - völlig planlos weiter chaotet.

Grüße, Thomas


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