Was hat Ramsauer geritten? (Allgemeines Forum)

bigbug21, Sonntag, 03.04.2011, 10:55 (vor 5484 Tagen) @ Holger2

Hallo Holger2,

[...]
Peter Ramsauer lässt verlauten, dass er sich vorstellen könnte, nur die Strecke Ulm - Wendlingen zu bauen (siehe SWR). Welcher Teufel ihn bei dieser Aussage geritten hat, weiß ich freilich nicht. Politisch verstehe ich diese Rochade überhaupt nicht.

Das ist in der Tat grober Unsinn. Ramsauer muss wissen, dass eine solche Variante kaum Chancen auf Realisierung hätte, denn die Fahrzeit zwischen Stuttgart und Ulm über Bad Cannstatt, Plochingen und Wendlingen zur Güterzuganbindung würde leicht eine Fahrzeitverlängerung von zehn Minuten ausmachen (ich habe das noch nicht genauer nachgerechnet), wodurch der volkswirtschaftliche Nutzen der Strecke deutlich sinkt.

Gleichzeitig fehlen bei einem solchen Zwischenschritt die Zulaufkapazitäten, um die Neubaustrecke vernünftig auszulasten. Momentan ist der Abschnitt zwischen Stuttgart Hbf und Bad Cannstatt der am stärksten belastetste Ast unter den Zulaufstrecken im Knoten. Bei Stuttgart 21 wird diese Situation entschärft, indem zukünftig zwei völlig voneinander getrennte Gleispaare Richtung Ulm laufen. Zukünftig soll damit die Feuerbacher Zufahrt (soweit nicht unmittelbar die P-Option realisiert wird) die am stärksten belastetste Zulaufstrecke sein. Nicht umsonst sind bei K21 mindestens zwei weitere Gleise Richtung Obertürkheim vorgesehen.

Last but not least dürfte auch die Anbindung des Flughafens eine Rolle spielen. Momentan können hier erhebliche Reisezeitgewinne und Fahrgastströme zu Gunsten der NBS Wendlingen--Ulm verbucht werden. Wenn die günstige Anbindung des Airports wegfällt, wie bei K21 vorgesehen, dürften auch diese dann entfallenden Ströme bzw. Reisezeitverlängerungen als Netzeffekte negativ auf die NBS Wendlingen--Ulm durchschlagen.

Der Volksentscheid -- soweit er rechtlich überhaupt zulässig ist -- würde sich wohl auf die Frage konzentrieren, ob das Land Baden-Württemberg vertragsbrüchig werden sollte, um aus dem Projekt auszusteigen.

Ich gehe mal davon aus, dass es sich um eine Volksbefragung handeln wird, die rechtlich immer zulässig ist. Die Regierung würde sich (moralisch, nicht rechtlich) verpflichten, ihr Handeln an der Befragung auszurichten.

Die SPD hängt an einem "Volksentscheid". Mal sehen, wie die Sache weitergeht.

Viele Grüße aus Dresden
Peter

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unterwegs für freie Eisenbahn-Geodaten


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