Übertreibung ist in Mode (Reiseberichte)

Tobias Brunnbach, Mittwoch, 09.06.2021, 01:01 (vor 1747 Tagen) @ Warinese

Hallo,

Ich habe mit dem Zugbegleiter gesprochen und der sagte, dass es inzwischen sehr unsicher sei, dass der Zug noch fahren würde geschweige denn der Anschluss in Lietzow. Gegen 22:40 war noch keine Abfahrt in Sicht und die Zuggäste haben auch den Zug verlassen.

Was soll der arme Mitarbeiter am Ende der Informationskette denn antworten, wenn ihn die typisch drängelnden, verbindliche Aussagen einfordernden Reisenden dazu nötigen? Dass Streckensperrungen schneller aufgehoben werden, wenn jeder Beteiligte ständig eine Prognose abfordert, ist nicht zu erwarten ;-)

Die Sorge um den Anschluss kann ich noch weniger nachvollziehen – ihr hättet später doch immer noch um die Abholung von Bergen oder Lietzow bitten können, anstatt extra jemanden bis nach Stralsund und zurück fahren zu lassen. Würden Kfz-Fahrten nach ihren wahren Kosten bepreist, würden manche Leute das schnelle Angerufe ganz schnell sein lassen.

Auch wurde z.B. der Anschluss in Lietzow durchaus von Reisenden in Anspruch genommen, obwohl sie laut dir alle in Stralsund ausgestiegen sein sollen.

Ich finde es nicht normal, wenn man um 13:30 die schnellste Verbindung nimmt, die mit dem Auto 4,5 Stunden machbar ist und dann über 10 Stunden ist, dann finde ich das nicht mehr normal und auch nicht mehr übertrieben.

Es zählt zum Lebensrisiko, dass sich voneinander unabhängige Änderungen zur Planung manchmal zusammentun. Dann sollte man aber erst recht auf jede der Änderungen kühl und gelassen reagieren. Und ja, auch im Kfz dauert es öfters Stunden länger, als "Maps" es berechnet hat. Wer ist dann der "Schuldige"?

Was willst du denn an dem Ganzen schönreden oder mir vorwerfen falsch gemacht zu haben?

Ganz kurz? Die übliche Hektik. Im konketen Fall keine Dreiviertelstunde bequeme Wartezeit im am Bahnsteig stehenden Zug auszuhalten, ohne gleich irgendwelche Leute zu mobilisieren. Und das, wo es ganz konkret um eine stinknormale Stunde Verspätung auf Stralsund–Binz ging. Mensch, das war eine Urlaubsanreise (= Auszeit von der ganzen Hektik) und kein verpasster hochwichtiger Termin.

Wenn ich dir erzählen würde, was mir allein heute an "geringsten" Verspätungen, die in Summe zu mehreren Stunden führten, untergekommen ist, wäre es nicht weniger "drastisch". Oder wenn ich an unsere Reisen (in meiner Kindheit bzw. später mit unseren Kindern) denke – da war jede Minute verlängerte Bahnreise ein Erlebnis, ohne dass irgendjemand von uns in Hektik oder Geheule verfallen wäre. Und in meiner Kindheit gab es zum Glück keine "sozialen Medien", wo irgendwelche Leutchen ihr "hochwichtiges" Geheule über wenig Dramatisches in die Welt blasen.


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