Bahn/Bus Korrespondenz / Olten vs. Gouda (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Mittwoch, 02.03.2011, 09:57 (vor 5524 Tagen) @ Alphorn (CH)
bearbeitet von Oscar (NL), Mittwoch, 02.03.2011, 09:58

Amsterdam-Sittard sind 169 km (Luftlinie), macht eine Haltestelle pro 6 km. Zürich-Sargans sind 78 km, macht eine Haltestelle pro 2.8 km, dabei ist doch die Bevölkerungsdichte in NL höher. In der Scheiz haben halt tatsächlich die Bauernhöfe Haltestellen: Die kleinste Bahnhof auf dieser Strecke gehört zu einer Gemeinde mit 450 Einwohnern und unter 2000 Einwohnern gibt's etwa 5.

In der Schweiz ist die Bevölkerung mehr über das Land verstreut als bei uns. Viele kleine Dörfer die allerdings nahe an der Strecke liegen. Bei uns gibt es eher Großstädte (6-stellige Einwohnerzahl) die etwa 20-30 km auseinander liegen; dazwischen kommen dan einige Mittelstädte (5-stellige Einwohnerzahl). Erstere sind meistenfalls immer IC-Halt, letztere sind es nur wenn:

a. sie ein großes Umkreis haben (z.B. Steenwijk), so halten nicht alle ICs in Delft weil Den Haag und Rotterdam in der Nähe liegen;
b. verkehrstechnisch wichtig sind (z.B. Gouda)

Zwischen diesen dichtbesiedelten Regionen gibt es aber auch Gebiete, wo kaum jemand wohnt (oder dort wohnt wo die Bahn nicht kommt) -> große Unterschiede in Besiedlungsdichte.
Daher befinden sich zwischen Zwolle-Groningen (101 km) nur 5 Zwischenhalte: Meppel, Hoogeveen, Beilen, Assen und Haren. IC 21 Amsterdam-Dordrecht hält bei etwa gleichem Abstand genauso oft: Amsterdam Sloterdijk, Schiphol, Leiden, Den Haag HS, Rotterdam.

Allerdings werden in der Randstad ständig neue Bahnhöfe eröffnet und mutiert die RB ("stoptrein") auch immer mehr zur S-Bahn ("Sprinter").

Gibt das nicht Fahrplanprobleme, wenn die Geschwindigkeitsunterschiede steigen?

Wenn die Unterschiede zu groß werden, werden die Strecken ausgebaut (Überholstelle oder Viergleisigkeit), oder man läßt den IC öfter halten. So hat Almere 6 Bahnhöfe an selber Strecke. Die S-Bahnen halten überall, die ICs nicht nur in Almere Centrum sondern auch in Almere Buiten.

Busse halte ich für sehr wichtig, sie können die Wirkung eines guten Bahnsystems, welches NL definitiv hat, in die Fläche tragen.

Busse sind auch sehr wichtig in den dünnbesiedelten Provinzen, weil dort die Bahn kaum kommt: Orte wie Stadskanaal, Roden, Drachten, Dokkum, Bolsward, Joure und Emmeloord kann man so anbinden. Busse sind dort also eine "Gummibahn".
Zudem gibt es bei uns Autobahnen ohne parallele Bahnstrecke. Hier kann man sehr gut "IC-Busse" verlagern; von Leeuwarden nach Alkmaar durfte mit einem Bus via die als Autobahn ausgebaute Afsluitdijk schneller sein als mit der Bahn via Riesenumweg Zwolle-Amsterdam.

Nur schade, dass NS nicht unter eigenem Markennamen Linienbusverkehre betreibt, dies in Gegensatz zu ÖBB in Österreich und DB in Deutschland; in der Schweiz besteht eine gute Kooperation zwischen SBB und PostAuto.

Am besten mit kleinen ITF-Knoten: "Bahn 2000" hiess ja in Wirklichkeit "Bahn+Bus 2000". Gibt es solche in NL?

Ja gibt es, z.B. in Veghel und Uden, zwei wichtigen "alles rein, alles raus" Busknoten, mit (halb)stündlichen Busverbindungen nach Eindhoven, Den Bosch und Nijmegen.
Aber:

1. in der Schweiz ist der Regionalverkehr s.i.w. fast komplett in der Hand von PostAuto (CMIIW), während in der obigen NL-Region alleine schon 2 Busunternehmen verkehren (diese fahren teilweise auf den gleichen Strecken), die auch ihre eigene Fahrpläne schreiben.
2. in NL wechseln Bus und Bahn die Fahrpläne nicht am gleichen Tag = man kann die Fahrpläne nicht aufeinander abstimmen. Grund dafür ist, dass das Land für das Bahnkernnetz und dessen Betreiber verantwortlich ist und die Provinzen und Gemeinden für die Busverkehre. Nur bei den Privaten klappt es, weil z.B. Veolia in der Provinz Limburg sowohl Bus als Bahn fährt.

Aarau und Lenzburg haben nur 19'000 und 8'000 Einwohner und sind daher mit dem aktuellen Takt (2-3 schnelle Züge pro Stunde) gut bedient.

Dachte immer, Aarau und Lenzburg wäre größer, aber die haben also weniger Einwohner als Boxtel, Zaltbommel oder Culemborg (alledrei RB-Halt, kein IC).

Ich könnte mir einzig vorstellen, dass die bessere Fahrzeit des Twindexx in einen Halt in Olten für alle ICs investiert wird.

Anfang des Jahrhunderts gab es auf Utrecht - Gouda - Den Haag/Rotterdam eine ähnliche Situation wie auf Zürich-Olten-Bern heute: halbstündlich IC ohne, halbstündlich IR mit Halt in Gouda.
Als NS 2007 den 15-Minutentakt einführte und daher den IR aufgab, wurde immer in Gouda gehalten. Anschlüsse in Gouda, Den Haag und Rotterdam gab es dann jede 15 Minuten statt halbstündlich. Das war wichtiger als die 2-3 Minuten Zeitverlust des zusätzlichen Haltes.

Nun funktioniert das in CH wohl nicht:

1. Fahrzeiten A-B sind in CH wegen ITF-Knotenfahrplan etwa in Stein gemeißelt, während in Den Haag und Rotterdam leichte Änderungen möglich sind.
2. Bern hat mehr Hinterland als Den Haag und Rotterdam: von Zürich aus geht's ab Bern noch nach Interlaken, Brig oder Genf, während es von Utrecht aus ab Den Haag bestenfalls noch nach Leidschendam (10 km) oder Delft (10 km) geht und ab Rotterdam bestenfalls noch nach Delft (10 km), Hoek van Holland (20-25 km) oder Roosendaal (50-60 km, weiter in die Provinz Zeeland sind nicht viele, Utrecht-Leiden hat eigene halbstündliche ICs, Utrecht-Breda ist via Den Bosch schneller).


gruß,

Oscar (NL).

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Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.


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