Wieviele Reisende sind finanziell flexibel? (Allgemeines Forum)

Henrik, Mittwoch, 23.02.2011, 13:50 (vor 5537 Tagen) @ Oscar (NL)

Es gibt durchaus zeitlich unflexible Passagiere - wer zum Beispiel von einem Theaterbesuch zurückkehren will, der ist nun halt mal zu einer bestimmten Zeit am Bahnhof und kann diese Zeit nicht ändern. Genauso zum Beispiel eine Verkäuferin, die zur Arbeit pendelt.

....und beide wissen sehr genau, wann ihr ICE abfährt

Beide wissen auch sehr genau, dass sie das gar nicht zu wissen brauchen, wenn sie Auto fahren.

...würden.
Klar, sie wissen aber auch, warum sie Auto fahren oder eben nicht.

Klar ist man bei Terminen zeitlich weniger flexibel, auch mit dem Auto. Dennoch hat der Autofahrer etwas mehr "Spielraum" als der Bahnfahrer, da letzterer auch noch eine zweite Termin hat, nämlich die Abfahrtszeit seines Zuges.
Übrigens wirkt einiges auch andersherum. Ein Autofahrer muss zumindest in der Großstadt mal einen Parkschein lösen. Wenn er zuvor angeben muss, wie lange er parkt, muss er auch eine Termin berücksichtigen (nämlich Auslaufzeit seines Parkscheins), sogar eine, die der Bahnfahrer nicht hat. Allerdings gibt es auch Parkautomaten, wo man pro Minute abkassiert.

ja.
Und Zeitaufwand für den Parkschein an sich ist das Äquivalent für das Besorgen der Fahrkarte.
Der Autofahrer muss diesen (gebührenpflichtigen oder auch nicht) Parkplatz aber auch erstmal finden.

Beide Beispiele zeigen hervorragend, dass dieses mit "halber Takt" gar nicht passt.

Da stimme ich Euch zu, aber ich möchte irgendwie zum Ausdruck bringen, dass ein dünner Takt durchschnittlich mehr Reisezeit zu Folge hat.

Auf die direkte Reisezeit bei einer nonstop-FV-Fahrt hat der Takt überhaupt keinen Einfluss,
bei einer Fahrt mit Umsteigen schon eher, dass hängt dann aber eher von der Abstimmung ab, die eher nicht willkürlich oder zufällig gewählt wird.
Ein dichterer Takt erhöht in erster Linie die Attraktivität der Relation.
Wenn dieses das Fahrgastaufkommen aber nicht hergibt, macht es auch keinen Sinn.

Denn man weiß ja schließlich, wann der Zug fährt, man geht nicht einfach so wahllos zufällig zum Bahnhof.

Blickpunkt NS 2020: Jan Normalniederländer kann ziemlich einfach wahllos zufällig zum Bahnhof gehen, weil jede 10 Minuten ein Zug fährt, in Großstädten jede 10 Minuten ein IC und eine S-Bahn.

Na gut, Deutschland ist davon noch weit entfernt (obwohl NRW zumindest etwas Ähnliches nachstrebt = RRX) und auch nur schade, dass:
a. der 10-Minutentakt nicht landesweit ist;
b. es den 10-Minutentakt nicht bei den Regionalbussen gibt;
c. es nichts bringt wenn Jan mehr als einen Takt Fußmarsch benötigt um eine Haltestelle zu erreichen.

Der RRX wird wohl auch in 30 Jahren nicht gekommen sein, da kann NRW noch so viele verfassungswidrige Neuschulden aufnehmen.
Mit dem Metrorapid hätten sie den attraktiven Takt wohl schon längst.

Wie auch immer, beides wäre kein Fernverkehr.
Was in sehr dicht besiedelten regionalen Netzen, in der NRW-Metropolregion möglich wäre,
wäre für das komplette FV-Netz Deutschland absolute Illusion.

Und die öffentliche Wahrnehmung ist auch eindeutig eher entgegengetzt, Auto fahren tun i.d.R. hauptsächlich, wer die zeitliche Flexibilität aufweist, es mit dem Geld nich so dolle hat.

Hmmm, interessant.
Wir stehen auf der Welt etwa Rang 7 bezüglich ÖV-Takt (Japan und ein halbes Dutzend Stadtstaaten durften besser abschneiden, ggf. auch die Schweiz wenn man die Busse mitberücksichtigt).
Dennoch behaupten viele meiner Landsleute, dass sie ein Auto gekauft haben, "weil sie den öffentlichen Verkehr nicht leisten können". Und das sind auch Leute, die unmittelbar an einer Haltestelle wohnen und ihre Zielorte unmittelbar an einer Haltstelle haben.

Tja, Bahnfahren ist nunmal sehr teuer, ganz speziell Fernverkehr
und Takt spielt da nur eine sehr untergeordnete Rolle.
Hauptsächlich haben die Leute ja ihr Auto aus Gründen bzw. benutzen es dafür,
für die sie besser nicht in den ÖV umsteigen sollten.
Der Weg morgens zum Becker, zum Supermarkt, die Spazierfahrt etc.

Kann man allerdings auch erklären als "weil sie den öffentlichen Verkehr nicht leisten möchten", oder auch "Bahn teuer, Auto noch teurer, Mobilitätsfreiheit unbezahlbar, also Auto".

....oder aus ganz anderen Gründen, "hab das Auto ja sowieso", "Sprit is doch schon drin im Tank", das Auto als Statusobjekt, "Auto muss man einfach haben" etc.


Gruß
Henrik


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