Wieviele Haltepolitiken? (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Dienstag, 01.03.2011, 09:17 (vor 5530 Tagen) @ Alphorn (CH)

Oh ja, der direkte IC Zürich-Sargans zum Beispiel durch- oder umfährt 29 Haltestellen, IC Zürich-Bern 26 Haltestellen, wenn man die neben der NBS zählt. Bekanntlich sind allerdings die Haltestellen in der Schweiz deutlich näher beieinander als in NL.

Ab Amsterdam Richtung Süden:

- Amsterdam Amstel ist die 2. Haltestelle
- Amsterdam Bijlmer die 4. Haltestelle (nur IC 31/35, IC 8/30 halten hier nicht)
- Utrecht Centraal die 10.
- Den Bosch die 16.
- Eindhoven die 21. (der IC hat dann 122 km gefahren)
- Weert die 25.
- Roermond die 26. (keine Zwiswchenhalte!)
- Sittard die 29. (und dann ist es nur noch etwa 30 km bis zum Dreiländereck)

Und viel mehr kann man auch nicht daraus machen. Um auf die Haltedichte der Schweiz zu kommen, müßte etwa jeder Bauernhof an der Strecke eine Haltestelle haben.
Allerdings werden in der Randstad ständig neue Bahnhöfe eröffnet und mutiert die RB ("stoptrein") auch immer mehr zur S-Bahn ("Sprinter").

Natürlich handelt man sich damit auch Nachteile ein: Die IC sind relativ langsam und die durch Sprinter bedienten Haltestellen relativ weit auseinander. Damit verliert man wohl viele Kunden, die zu Fuss oder mit dem Fahrrad zum Bahnhof gekommen wären - in der Schweiz hingegen, die sonst wenig fahrradfreunlich ist, wird bei jedem renovierten Bahnhof eine Fahrradstation gebaut.

Fahrradstation gibt es bei uns auch am fast jeden Bahnhof, das ist das Problem nicht.
Problem ist eher, dass:
1. vor allem in den "Provinzen" die Feederfunktion der Busverkehre unzureichend ist,
2. die ICs zu langsam sind und
3. Autofahrgemeinschaften von N Personen billiger sind als N Fahrkarten (das betrifft schon N >= 2 und erst recht in der HVZ wenn die 40% Ermäßigung nicht gilt).

Wenn der IC etwa jede 10 Minuten fährt, aber der Bus zum Bahnhof nur stündlich, verliert der ÖV-Reisende eine halbe Stunde zu einem Autofahrer, der jederzeit abfahren kann.
Man kann also mit dem Auto zum Bahnhof fahren und ab dort mit der Bahn fahren (wie etwa in Deutschland passiert), aber im Schnitt sind unsere ICs langsamer als die Autos auf der Autobahn (und erst recht ab heute wenn der Tempolimit abschnittweise auf 130 erhöht wird). Also warum Bahn fahren, wenn man gleich die ganze Strecke mit dem Auto schneller ist? Und bequemer und billiger ist es meistens auch.

Der Viergleisausbau Bern-Zürich [3] sollte 2019 fertig werden, dann hat man in der Schweiz die Vorteile beider Lösungen (IC-Viertelstundentakt und hohe Haltestellendichte) - allerdings zu einem höheren Preis [1] und viel später [2] als NL.

Zu [1]: ich denke nicht, dass die Gesamtkosten der totalen Logistik soviel höher sind. Bei uns hätte man ähnliche Geldsummen in die Bahn investieren können, aber man investiert hier lieber in die Straße.

Zu [2]:
a. besser spät als niemals
b. wir sind für japanische Begriffe auch recht spät.

Was NS für 2020 nachstrebt, hat Japan jetzt schon. Der Hankyu Limited Express (sieht aus wie eine S-Bahn, ist aber ein IC) verkehrt schon jede 10 Minuten. Bahnhof Juso hat genauso viele Gleise wie Schiphol Airport (6), verarbeitet aber 120 statt 40 Züge pro Stunde.

Zu [3]: ist zu erwarten, dass die IR-Bahnhöfe zwischen Olten und Zürich (Aarau, Lenzburg) dann auch 15-Minutentakt haben (z.B. halbstündlich IR ZH-Basel, 15 Minuten versetzt IR ZH-Bern)?


gruß,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.


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