Cargobahnen vs. Rennbahnen (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Mittwoch, 23.02.2011, 15:33 (vor 5530 Tagen) @ brandenburger

Oscar (NL):

Statt Ried-Rennbahn wäre es auch möglich eine Cargobahn zu bauen (in diesem Fall wäre der MA-Bypass besser verteidigbar gewesen...)

brandenburger:

eine reine Güterentlastungsstrecke hätte weitere Vorteile. Da es gerade der Güterverkehr ist, der stark zunimmt, sollte man diese Konzepte mehr favorisieren.

Das wird schon gemacht. Hier kann NL (das mit der Betuweroute erst gerade anfing, Cargo von Personen zu trennen) sogar noch von Deutschland lernen.

1. Östlich von Duisburg, Düsseldorf und Köln liegt eine Cargobahn, die man s.i.w. relativ leicht auf Betuweroute-Standard bringen kann. Was man braucht, ist ERTMS Level 2.
2. Bei der Rheinstrecke hat man schon den Personenfernverkehr linksrheinisch angeordnet, damit man den Cargo rechtsrheinisch abfertigen kann.
3. In Städten wie Frankfurt und München haben die Cargos eigene Strecken am Stadtrand, während hier in Utrecht und Eindhoven zahlreiche Gefahrgutcargos durch die Stadtmitte rollen (leider verkehren nicht alle Cargos über die Betuweroute).

Übrigens ist die Betuweroute auch nicht ohne Kritik entstanden:

1. Man hatte vorgeworfen, die Binnenschiffahrt könnte man besser benutzen und sei zudem umweltfreundlicher. Ein Schiff kann genauso viel transportieren wie ein Güterzug, kann dafür aber in viel dichteren Abständen verkehren, während Güterzüge meistens 5 Minuten Zeitabstand haben.

2. Personen steigen nicht gerne um, Güter auch nicht. Stichwort: Umschlagbahnhof. Güter müssen sowieso mit LKWs zur Lieferadresse transportiert werden, und Güterzüge sind nicht schneller als LKWs. Warum denn nicht eine "Betuwesnelweg" gebaut?

Denn was ist die Folge des Baus einer Schnellstrecke? ICE-Fahrgäste sind schneller, okay. Aber sie werden durch monotone Streckenverläufe durch lange Tunnels und Einschnitte gelangweilt. Der Ausblick auf schöne Landschaft ist verstellt.

Das Fahrerlebnis durfte wohl das letzte sein, woran der auf corporate image stehende AFAP nachstrebende ICE-Betreiber interessiert ist.

Interessanter ist der Kosten-/Nutzenvergleich. Cargobahn + S-Bahngleise + Biblis-Umfahrung [1] vs. Ried-Rennbahn [2].
Positiv an [2]:

+ ICE-Fahrgäste schneller, 300 ist nunmal schneller als 200. Nur schade, dass nur die ICE 3 das schaffen.
+ bessere Trennung schneller und langsamer Verkehre
+ Rennbahn durfte kürzer als Cargobahn sein; die Cargobahn muss auch Cargos aus Frankfurt aufnehmen, während die Rennbahn am Flughafen/SFS K-F angebunden wird wo ja keine Cargos fahren
+ mehr zukunftsweisend: Frankreich arbeitet z.B. an Blitzcargos: Fracht-TGVs die mit bis zu 320 km/h kreuz und quer durch Europa fahren (Carex)

Beide:

+ es werden neue Trassen geschaffen

Positiv an [1]:

+ es werden mehr neue Trassen geschaffen. Eine Rennbahn kriegt man, gegeben den heutigen Umständen, mit 4 stündlichen IC-Linien sinnvoll belegt, obwohl Platz für 10-12-15 Linien vorhanden ist. Dafür kann man die vollständige Kapazität 24/7 für Cargos benutzen
+ Verlagerung von Gefahrgutcargos und lauten Cargos aus den Stadtmitten
+ nur die Cargobahn braucht ERTMS, die Riedbahn kann man nach wie vor mit LZB fahren und auf ERTMS umstellen, wenn es zeitlich passt. Bei [2] müssten wohl alle vier Strecken (MZ-MA, Riedbahn, Rennbahn, F-DA-HD) von ERTMS versehen werden.

Da wäre eine billigere (weil für geringere Geschwindigkeit) Güterentlastungsstrecke in mancher Hinsicht besser.

Billiger wird eine Cargobahn pro km heutzutage nicht mehr sein. Die Betuweroute und die HSL-Zuid sind/waren pro km etwa genauso teuer. Zwar sind Cargos langsamer, aber die belasten die Strecke heftiger als unsere geliebten Schienenraketen.
Cargos werden dank ständig stärker werdender Elloks immer schwerer und schwerer, vierstellige Tonnenzahlen sind auf der Betuweroute normal. Und sowohl Rennbahnen als Cargobahnen brauchen heutzutage ERTMS.


gruß,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.


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