das Auto ist ein Produkt, die Bahn eine Service. (Allgemeines Forum)

JanZ, Ha(n)sestadt, Mittwoch, 24.11.2021, 16:39 (vor 10 Tagen) @ Oscar (NL)
bearbeitet von JanZ, Mittwoch, 24.11.2021, 16:40

1. Nicht sicher wie das in Deutschland ist, aber bei uns in NL sind Strassenwidrigkeiten gesellschaftlich weitestgehend akzeptiert. Termin und Kollege X nicht da? Grosse Chance, dass Kollege X mal wieder im Stau stand. Pech, kann passieren.
Dagegen werden Bahnwidrigkeiten oft dem Benutzer verschuldet, denn der Benutzer hätte mehr Zeitpuffer einplanen sollen. Denn bei der Bahn kann man verpasste Anschlüsse einplanen (z.B. dadurch, dass man n Minuten Übergang einplant bei der Planung). Auf der Strasse weiss man zuvor nicht, ob der Stau eine Verspätung von 5, 10 oder 15 Minuten verursacht.

Das habe ich bisher nicht so erlebt. Ich bin schon zu vielen beruflichen und privaten Terminen mit dem Zug gereist (bzw. habe erlebt, wie es andere getan haben) und bin bisher im Verspätungsfall immer auf Verständnis gestoßen. Dagegen habe ich noch sehr gut in Erinnerung, wie ich mal zu einer Veranstaltung in einer Jugendherberge aufgrund eines Staus zwei Stunden später kam und am Check-in übelst angepampt wurde, warum ich das denn nicht einkalkuliert hätte. Bei beiden Verkehrsmitteln sollte man natürlich nicht "auf den letzten Drücker" planen, sofern möglich.

2. Das Auto ist ein Produkt, die Bahn eine Service. Ein Produkt kann man als Eigentum betrachten, eine Service nicht. Produkte kauft man, eine Service nimmt man ab.
Und die Substantiv "Eigentum" ist unglaublich stark. Man wird nämlich sein Eigentum nicht kritisieren, eine Service aber schon. Alle meckern über langsames Internet, schlechte Musik im Hörfunk, die nervige Werbung in einem Fernsehfilm und die miserable Bahn. Kaum jemand meckert über seine eigene Brettspiele, Schallplatten/Kassetten/CDs, DVDs/Blurays oder Auto.

Das ist auch so ein Grund wieso MaaS ("mobility as a service") so schwer durchzusetzen ist. Ein Mietwagen ist für viele kein Ersatz für das eigene Auto. Ein selbstfahrendes Auto ist kein Ersatz für selbst fahren im Auto.

Ja, natürlich gibt es diese psychologischen Effekte, aber man kann durchaus (gerade in einem Bahnforum) ein wenig darüber reflektieren.

Den Zuwachs des Straßenverkehrs zumindest gemindert zu haben, ist auch für mich nicht der Erfolg, den ich mir wünsche, aber auch nicht etwas, das ich mit einem Verkehrsmittel verbinde, das „am Ende“ ist.


Hier in NL erwartet man (zu?)viel vom Elektromobil. Und bei schönem Wetter vom Elektrorad und/oder Speed Pedelec. Allerdings sehe ich eine 1:1 Umstellung von Fossilauto auf Elektromobil auch nicht als die definitive Lösung. Erstens wird unser Stromraster ("power grid") das nicht hinkriegen, zweitens wird damit das Parkproblem nicht gelöst. Die meisten Häuser hier sind 30-40 Qm pro Person. Dazu käme dann 20 Qm für das Elektromobil. 20 Qm die man auch anderswie und besser benutzen könnte.

Das verstehe ich nicht: Warum benötigt ein Elektroauto 20 m² mehr als ein Verbrenner? Oder was vergleichst du da gerade?

Und die von dir gewünschten vollen Züge sind bekanntlich selbst zu Corona-Zeiten keine Seltenheit, aber das ist dann ja auch wieder nicht recht.


Auch wenn unser Land verriegelt wird und wir die Öffis nur wenn dringend notwendig benutzen dürfen, werde ich bestens versuchen, das Leben in vollen Zügen zu geniessen.

Das tue ich sowieso :-).

Groetjes, Jan

--
Im Volk, da ist sie sehr beliebt, unsere Eisenbahn,
Doch dort, wo's keine Schienen gibt, da hält sie selten an.

(EAV: Es fährt kein Zug)


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